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Philipp Schulien aus Holzkirchen bringt Forscher zur Internationalen Raumstation

Holzkirchner Luft- und Raumfahrtingenieur bei Airbus

Mission Space Origami: Philipp Schulien fliegt Forscher zur Internationalen Raumstation

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Space-Taxi gefällig? Philipp Schulien organisiert bei Airbus Forschungsreisen zur Internationalen Raumstation (ISS). Derzeit arbeitet er an einem Projekt der besonderen Art.

Holzkirchen– Der Holzkirchner Luft- und Raumfahrtingenieur Philipp Schulien (28) ist so etwas wie ein Reiseveranstalter, der Touren zur ISS anbietet. Dort machen Mediziner, Physiker und andere Wissenschaftler Experimente unter Schwerelosigkeit. Derzeit wollen drei Studenten der TU München im All zu sogenannter DNA-Origami forschen. „Mission Space Origami“ heißt das Projekt einer Biochemikerin, einer Chemikerin und eines Ingenieurs. Wir haben Schulien sowie die Studenten, die sich gerade an unterschiedlichen Orten aufhalten, in einer Telefonkonferenz interviewt.

Herr Schulien, Sie helfen drei TUM-Studenten, Sponsoren für einen Flug zur ISS zu finden. Warum?

Unsere Auftraggeber sind in der Regel Raumfahrtagenturen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Oder auch ESA und NASA. In diesem Fall aber hat Airbus einen Wettbewerb an Universitäten ausgeschrieben. Wir wollten herausfinden, woran Studenten derzeit arbeiten, was also aktuell die heißen Themen sind. Durch den Wettbewerb hat Space Origami ein Startkapital erhalten, um eine Crowdfunding-Kampagne für das geplante Experiment auf der ISS verwirklichen zu können.

Die Studenten wollen „DNA-Origami-Kristalle“ züchten. Was ist das?

Diese Frage gebe ich weiter an das Projekt-Team, bestehend aus der Biochemikerin Karoline Kadletz, dem Ingenieur Joram Gruber und der Chemikerin Marija Sorokina. Sie können das viel besser erklären.

Karoline Kadletz: DNA-Origami ist ein neuartiges Material, aus dem man wie bei Papier-Origami verschiedene Objekte falten kann. Das Material besteht aus DNA-Strängen von Bakterien, ist also ein nachwachsender Rohstoff. Die DNA hat in diesem Fall keine biologische Funktion mehr. Sie eignet sich einfach sehr gut als Baustoff, weil sie sehr stabil ist und sich selber zusammenbauen kann. Wir versuchen, dieses Material zu kristallisieren, um es dann weiterzuverwenden.

Wofür kann man es verwenden?

Joram Gruber: Zum Beispiel zur Entwicklung von Medikamenten, etwa gegen Alzheimer. Aber auch in der Elektronik. Man könnte daraus Datenträger auf der Nano-Ebene bauen, also winzig kleine Speichermedien. Aber das ist frühestens in fünf Jahren Realität. Erst einmal müssen wir es schaffen, aus DNA-Origami Kristalle zu bilden.

Warum züchten Sie die Kristalle nicht auf der Erde?

Kadletz: Das versucht man schon sehr lange. Aber bisher hat es nicht geklappt. Auf der ISS dagegen werden schon seit Jahren erfolgreich Kristalle gezüchtet. Dort herrscht ein Zustand annähender Schwerelosigkeit. Unter dieser Bedingung wachsen gleichmäßige und große Kristalle. Bisher züchtet man auf der ISS nur Kristalle aus Proteinen. Unsere wären die ersten aus DNA-Origami.

Herr Schulien, wo kommen Sie hier ins Spiel?

Wir haben innerhalb von Airbus das Programm Kiwi. Damit bieten wir einen Service für Wissenschaftler an, die auf die ISS fliegen wollen oder Forschung unter Schwerelosigkeit betreiben wollen. Kiwi richtet sich an Leute, die keinen Bezug zur Raumfahrt haben, wie Biochemiker oder Pharmazeuten. Auf der Erde haben Wissenschaftler bestimmte Stellschrauben, an denen sie drehen können. Sie können die Temperatur verändern, sie können ihr Experiment mit radioaktiven Strahlen belasten. Aber sie bekommen nie die Schwerkraft weg. Das geht nur auf der ISS.

Fliegen die Studenten persönlich zur ISS?

Das wäre zu teuer. Für das Experiment ist das aber auch unwichtig. Wir kümmern uns darum, dass es weitgehend automatisch abläuft. Wenn wir Menschen brauchen, greifen wir auf die Astronauten der ISS zurück. Wir schicken das Experiment zunächst nach Florida zum Kennedy Space Center in Cape Canaveral. Ein bis zwei Tage vor Raketenstart befüllen wir die Hardware mit dem Material. Dann wird das Experiment in das Raumschiff eingebaut und auf die ISS geschossen. Die Reise dauert je nach Orbit drei bis vier Tage oder auch nur sechs Stunden. Auf der ISS angekommen, packen Astronauten das Raumschiff aus, alles wird an seinen Platz gebracht. Nach Abschluss des Experiments wird es wieder in die Kapsel geladen und zurückgebracht auf die Erde. In der Regel landet die Kapsel im Pazifik. Dann wird sie von Schiffen der Firma Space X aufgesammelt, alles landet in Kalifornien und wird von da zurückgeschickt zu den Wissenschaftlern.

Was kostet die Mission Space Origami?

Wir wagen ein neues Finanzierungskonzept über Crowdfunding. Die Mission Space Origami versucht, 190 000 Euro einzusammeln.

Ich hätte das viel teurer geschätzt...

Es hat sich viel getan in letzter Zeit. Dadurch, dass es kommerzielle Anbieter für den Transport zur ISS gibt, konnten wir die Preise reduzieren. Wir können ohne Probleme für unter 100 000 Euro Experimente auf die ISS schießen.

Wie viel müssen Sponsoren mindestens spenden?

Gruber: Zehn Euro. Es ist eine Spende unter Vorbehalt. Bekommen wir die Mindestsumme von 190 000 Euro nicht zusammen, bekommen die Spender ihr Geld zurück.

Warum sollte man für Space Origami spenden?

Schulien: Das Projekt bedeutet einen Fortschritt für die Menschheit. Pharmaunternehmen zum Beispiel könnten es PR-trächtig unterstützen. Außerdem profitieren sie von dem Wissen dieser Grundlagenforschung.
Kadletz: Für private Spender gibt es ab 25 Euro kleine Dankeschöns. Zum Beispiel Aufkleber von der Mission. Ab einer Spende von 175 Euro gibt es ein Kapuzenshirt mit dem Logo der Mission. Ab einer Summe von 50 000 Euro gibt es zwei VIP-Tickets für den Start der Rakete in Cap Canaveral. Wer 17 500 Euro spendet, kann seine eigene DNA in Form einer Wimper zur ISS mitschicken und dort kristallisieren lassen.

Er kann sich dann seine kristallisierte Wimper zuhause ins Regal stellen?

Gruber: Wenn man das nötige Kleingeld hat.

Weitere Infos

zur Mission Space Origami und zum Crowdfunding:

www.spacestarters.com/support/space-origami

Lesen Sie auch: Jungunternehmer wagen ein Startup

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