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Ein Bauer odelt sein Feld. Holzkirchner Landwirte wollten testen, ob Bakterien den Gestank der Gülle reduzieren können. 

Landwirtschaft

Kein Geld für Gülle-Forschung

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Holzkirchner Bauern wollten sich ab Mai an einem Forschungsprojekt zur Reduzierung von Gülle-Gestank beteiligen. Jetzt gibt es plötzlich keine Fördergelder mehr.

Holzkirchen – Martin Taubenberger stinkt’s. Der FWG-Gemeinderat ist einer der Landwirte, die Bakterien und Holzkohle in ihre Gülle mischen wollten, in der Hoffnung, dass sie dann weniger riecht. Ein Forschungsprojekt, das der Markt Holzkirchen, das Landesamt für Landwirtschaft (LfL), das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und die Bauern gemeinsam durchgeführt hätten. 50 Prozent der Kosten in Höhe von knapp 90 000 Euro hätten aus Mitteln des LEADER-Programms bezahlt werden sollen. Zehn Prozent hätte die Gemeinde Holzkirchen übernommen, die Bauern hätten 40 Prozent getragen.

Masterarbeit am Wissenschaftszentrum Weihenstephan hat die Mikroorganismen schon erforscht

Jetzt ist das Projekt gestorben. Wie Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag mitteilte, sei überraschend bekannt geworden, dass am Wissenschaftszentrum Weihenstephan bereits eine Masterarbeit zu dem Thema vorliege. Damit entfällt eine Fördervoraussetzung des LEADER-Programms, nämlich dass es sich um eine wissenschaftliche Frage handelt, die erstmalig erforscht wird. Bei dem Projekt sollte die Wirkung von Mikroorganismen auf Gülle getestet werden. Die Annahme war, dass ein Mix aus Bakterien, Holzkohle und Gesteinsmehl den Gestank reduziere.

Taubenberger sagt: „Es ist schade, dass das nicht zustanden kommt.“ Schließlich sei es eine Gelegenheit für die Bauern gewesen, mit geringen Kosten ein neues Verfahren zu testen. Ohne Förderung kosteten die Bakterien fünf Euro pro Kubikmeter Gülle. „Da sagen die Landwirte: Seh ich gar nicht ein, dass ich 20 000 Euro in die Güllegrube reinschmeiße.“ Er habe sich für das Verfahren interessiert, weil es neben der Geruchsreduzierung auch einen höheren Ertrag auf den Feldern verspricht.

Bakterien als Alternative zur Düngeverordnung

Vor allem aber hoffte Taubenberger, damit Alternativen zur Düngeverordnung aufzuzeigen, die Bauern ab 2024 dazu verpflichtet, auf Grünland Gülle nur noch bodennah auszubringen, um Gestank und Schadstoff-Ausstoß zu verringern. Bei der bodennahen Ausbringung entstehe kein gleichmäßiger Gülleteppich. Stattdessen bildeten sich an einigen Stellen dicke Würste, während an anderen Stellen gar keine Gülle sei. „Als es letzten Sommer so wenig geregnet hat, vertrockneten die Güllewürste, so dass es zur Futterverschmutzung kam“, erklärt Taubenberger. Bakterien könnten eine Alternative zur bodennahen Ausbringung sein.

Irritiert vom Stopp des Projekts ist auch Ulrike Küster (Grüne). „Mich wundert, dass man das einstellt auf Basis einer einzigen Masterarbeit.“ Küster fordert, dass das LfL dem Gemeinderat und den übrigen Beteiligten nun die Ergebnisse der Masterarbeit mitteilt. Daran ist auch Taubenberger interessiert.

Löwis versprach, eine Veranstaltung zu organisieren, auf der die Weihenstephaner Masterarbeit vorgestellt wird.

Lesen Sie auch: Weil sie bei Schnee geodelt haben: Zwei Bauern angezeigt. Und: Mit einem provokanten Parkmanöver in seinem Porsche Cayenne versperrt ein Rentner aus Inning bei Starnberg einem Landwirt den Weg durchs Dorf. Ein Gülle-Streit eskaliert.

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