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Hospizkreis: Experte über menschenwürdige letzte Lebensphase

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Zwischen Wissenschaft und Komödie: Berend Feddersen, Spezialist für Ambulante Palliative Versorgung, bei seinem Vortrag für den Hospizkreis Miesbach.
Zwischen Wissenschaft und Komödie: Berend Feddersen, Spezialist für Ambulante Palliative Versorgung, bei seinem Vortrag für den Hospizkreis Miesbach. © stefan schweihofer

„Wir müssen darüber reden, damit es nicht immer ‚zu früh’ ist, bis es zu spät ist.“ Die Quintessenz seines Vortrages über eine menschenwürdige letzte Phase des Lebens hatte Berend Feddersen in einen vergnüglichen Rahmen gepackt. Er sprach vor mehr als 100 Gästen beim Neujahrsempfang des Hospizkreises Miesbach in Holzkirchen.

Holzkirchen – „Eine unglaubliche Performance“, schwärmte später die Hospizkreis-Vorsitzende Gräfin Franziska von Drechsel und hob hervor, wie grandios es sei, ein so schweres Thema so leicht darzubieten. Großen Anteil daran hatte David Wonka, der den Abend musikalisch begleitete und am Klavier und mit seiner Stimme viel mehr als nur ein verbindendes Element zwischen Feddersens Themenblöcken war, die sich den „Übergängen“ widmeten mit denen wir alle permanent irgendwie zu tun haben und die sich dann doch meist anders äußerten, als wir uns das vorgestellt hatten.

In einer kurzweiligen Mischung aus Science-Slam und Klinik-Clown setzte sich der Oberarzt und Leiter des Ambulanten Palliative-Care-Teams der Universität München am Klinikum Großhadern mit der letzten Lebensphase auseinander. Mal hoch wissenschaftlich, wie mit einem mobilen Kernspin am mitgebrachten Tablet, mit dem Feddersen am Beispiel seiner Lungenflügel, Nieren und Leber erklärte, wie eine Diagnostik mit viel technischem Gerät und komplizierten Namen überhaupt funktioniert. Mal albern und komödiantisch, wie beim Trick mit dem unsichtbaren Kartenstapel, den er einem Besucher schwungvoll zuwarf. Der spielte spontan mit. So wie der komplette Saal, der im Laufe des Abends immer wieder gefordert war. Der wurde auch mals zum „Körper Hospitzkreis Miesbach“, an dem der Spezialist für Ambulante Palliative Versorgung (SAPV) demonstrierte, was ein Kernspintomograph macht. So seien die Gäste Sinnbilder für die Positrone in diesem Körper – in Sitzposition und mit Blick nach vorne gleich ausgerichtet. Doch sobald sie sich erheben oder setzen, tun sie das individuell. So entstünden die unterschiedlich stark ausgeprägten Grautöne auf dem Diagnosebild.

Die Diagnostik war erst der Anfang, Wonka stimmte „Don’t Worry Be Happy“ an, und die Gäste summten mit sichtlichem Vergnügen den Refrain, ehe Feddersen der Hoffnung des Patienten und derer, die ihn lieben all das gegenüber stellte, was zum Ende des Lebens hin kommt. Therapien, bei denen man nicht weiß, welche die Richtige ist und die viel zu oft – bewusst oder unbewusst – über die Köpfe der Erkrankten angeordnet würden. Angehörige, die im Zwiespalt stecken, weil der Patient seine Vorstellungen nie offen kommuniziert hat, was es auch dem Notarzt schwer macht, wenn er gerufen wird und entscheiden muss, was zu tun ist. Existenzielle Fragen, die Feddersen, der sich unter anderem in seinen Büchern „Der alte Mann und der Hase“ und „Der Reisebegleiter für den letzten Weg“ klar, aber behutsam mit der Thematik auseinandersetzt, mit Humor und Leichtigkeit ansprach.

Auch Klaus Fresenius, Vize-Voristzender des Hospizkreises, fand die Erfahrung außergewöhnlich, „lachend berührt“ zu werden. Neben dem Vorsorgegedanken gefiel ihm auch die Haltung des „Geschehen-Lassens und sich dennoch die Lebensfreude zu bewahren“ und des „liebevoll mit sich und anderen umgehen“ lehrreich – auch im Bezug auf die Hospizarbeit, deren Unterstützung den Anwesenden ja ein gemeinsames Anliegen ist.

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