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Beim Info-Tag an der Rastanlage Holzkirchen Süd nahmen sich Klaus Ablaßmeier und Michael Janski viel Zeit für die Fragesteller.

Aktionstag

Mit „Lemming-Effekt“ zur Rettungsgasse

  • Alexandra Korimorth
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Die Deutschen brauchen Nachhilfe in Sachen Rettungsgasse. Die Autobahnpolizei Holzkirchen hat nun eine Aufklärungsaktion gestartet - Aha-Erlebnisse auf beiden Seiten inklusive.

Holzkirchen – Unzählige Blinklichter von Einsatzfahrzeugen – und die Leute schauen. Das war in diesem Fall auch der Zweck. Die Autobahnpolizei Holzkirchen stellte auf dem Parkplatz der in Urlaubszeiten extrem stark frequentierten Raststätte Holzkirchen Süd einen Aktionstag „Rettungsgasse hilft Leben retten“ auf die Beine. Zwischen 10.30 und 14 Uhr lockte der blinkende Fuhrpark von Polizei, Feuerwehr, Autobahnmeisterei und ADAC Schaulustige an. Rastende und tankende Urlauber, aber auch jede Menge Lkw-Fahrer wollten sehen, was denn da vermeintlich Spektakuläres abgeht. Aufgebaut war neben einem Zelt mit allerlei Infomaterial eine kurze Rettungsgasse mit zivilen Polizeifahrzeugen, durch die Rettungsfahrzeuge unterschiedlicher Größe vom Motorrad über Pkw bis hin zum großen, breiten Löschtankzug durchpassen sollten.

„Uns ist es heute wichtig, grundsätzlich auf das Thema ‚Rettungsgasse‘ hinzuweisen. Und außerdem die Autofahrer dafür zu sensibilisieren, wie viel Platz die Einsatzfahrzeuge tatsächlich brauchen“, erklärte der Leiter der Autobahnpolizei Holzkirchen, Michael Janski.

Weil sich im Einsatz immer wieder zeigt, dass die notwendige Rettungsgasse nicht oder nicht rechtzeitig gebildet oder aber durch Schaulustige wieder blockiert wird, hat die Autobahnpolizei ihre Einsatzpartner an Bord geholt. Vertreter der Autobahnmeisterei, ADAC Stauberater und die Feuerwehrler aus Holzkirchen, Otterfing, Brunnthal und Hofolding sowie ein Vertreter des Kriseninterventionsteams erzählten vor Ort von ihren Erfahrungen.

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Ihr gemeinsamer Eindruck: Die deutschen Autofahrer sind Rettungsgassenmuffel. In Österreich beispielsweise klappe die Gasse zwischen dem äußersten linken Fahrstreifen und dem rechts daneben viel besser. Dies könnte an der hohen Dichte der drei Verkehrsströme vor dem Inntal liegen, meinte Janski. Und auch am gefühlten Zeitdruck: „Die Leute, die hier im Stau stehen, haben es entweder eilig nach Hause oder in den Urlaub zukommen.“

Bei bis zu 95 Prozent der Einsätze funktioniere die Rettungsgasse nicht, schätzte der Otterfinger Feuerwehr-Kommandant Franz Huber. Er hatet das erst wenige Tage zuvor erlebt, bei einem Pkw-Brand zwischen dem Autobahnkreuz München Süd und Brunnthal, mitten im Reiseverkehr. „Da muss man schon mal besondere Anweisungen geben“, sagte er augenzwinkernd. Wichtig sei es, in der Rettungsgasse ausreichend Abstand zum Vordermann zu lassen, damit notfalls rangiert werden kann.

Für die Einsatzkräfte haben die Rettung von Leben und die Räumung der Unfallstelle Priorität. Die Ahndung derer, die keine Rettungsgasse bilden oder sie zustellen, kommt erst danach. Aber: „Wer auf einer Autobahn oder Außerortsstraße keine vorschriftsmäßige Rettungsgasse bildet, muss mit einem Bußgeld von mindestens 200 Euro rechnen“, stellte Janski klar. Durch die Videoausstattung in manchen Fahrzeugen können die Verkehrssünder identifiziert werden.

Interessant für den Chef der Autobahnpolizei: Einige der Urlauber bekannten im Gespräch, dass sie sich nicht sicher sind, wann eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Und einige gaben offen zu, sich nicht mehr daran erinnern zu können, das in der Fahrschule gelernt zu haben. „Sobald Sie Schrittgeschwindigkeit, etwa im Bereich von zehn km/h fahren, ist eine Rettungsgasse zu bilden“, wurden sie belehrt.

Viele der Aktionstag-Besucher waren überrascht, dass zum Bilden der Rettungsgasse sowohl das Bankett am linken Fahrbahnrand als auch der Pannenstreifen am rechten Fahrbahnrand befahren werden darf. Das war für viele neu. „Genau deshalb machen wir so einen Aktionstag – um präventiv zu informieren“, sagte Janski zufrieden. „Und um aktiv zu beraten“, ergänzte ADAC Stauberater Klaus Ablaßmeier, der sich freute, dass so viele Reisende ihre Pause für den Aktionstag verlängerten.

Alle Rettungskräfte setzen übrigens auf den „Lemmingeffekt“. Sie wissen aus Erfahrung: „Wenn es ein paar vormachen mit der Rettungsgasse, dann folgen die anderen im Stau Stehenden ganz von selbst.“ So wie beispielsweise bei einem Unfall vor etwa zwei Wochen, als ein Autotransporter auf einen Lkw auffuhr und wirklich Not am Mann war. „Wir kamen noch rechtzeitig, weil von Weyarn bis Holzkirchen eine vorbildliche Rettungsgasse gebildet war“, berichtete der Holzkirchner Feuerwehrkommandant Ludwig Würmseer: „Das war richtig stark.“

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