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Radler haben ein Recht auf Straße: In der Münchner Straße – hier die „Erlkamer Senke“ – könnten Radschutzstreifen den Verkehr ent- und die Mobilitätswende beschleunigen.

Verkehrsführung in der Münchner Straße

Eigene Spuren für Radler: Jetzt sind sie möglich

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Die Straße gehört den Autos? Falsch, sagen Radfahrer. In der Münchner Straße  könnte die verkehrliche Gleichberechtigung bald Gestalt annehmen. Radschutzstreifen sind möglich, in beiden Richtungen. Wagt die Gemeinde diesen Schritt, nimmt sie den Autos etwas Platz weg?

Holzkirchen – Den Autos Platz wegnehmen? „So ist es ja gar nicht“, sagt Hartmut Romanski, offiziell bestellter Fahrradbeauftragter der Marktgemeinde. Man könne den Autos ja nicht wegnehmen, was sie nie wirklich alleine besessen haben. „Radler dürfen und sollen auf der Straße fahren, nicht auf Gehwegen“, betont Romanski. Der Radschutzstreifen, eine gestrichelte Linie mit Piktogrammen, signalisiere dem motorisierten Verkehr, dass die gefühlte Vorherrschaft ihre Grenzen hat.

In der Industriestraße ließ die Gemeinde bereits einen solchen Schutzstreifen markieren, jetzt soll eine Hauptverkehrsachse folgen: Auf der Münchner Straße zwischen der ehemaligen Baywa (jetzt Vilgertshofer) und der Zufahrt zum Bahnhof vor dem Gesundheitszentrum Atrium könnten Schutzstreifen aufgemalt werden. „Es gibt diese Überlegungen“, bestätigt Rathaus-Sprecherin Ewgenia Sabransky. 

Im Dezember fand ein Ortstermin mit dem Straßenbauamt (die Münchner Straße ist eine Staatsstraße), der Polizei, dem Landratsamt und Rathaus-Mitarbeitern statt. „Dabei wurde klar, dass ein Radschutzstreifen grundsätzlich möglich wäre“, sagt Sabransky.

Für Romanski eine erfreuliche, aber keine überraschende Erkenntnis. Seit Jahren kämpft er um diese Schutzstreifen auf der Münchner Straße. „Ich bin lange gescheitert, das ging damals bis rauf in die Staatsregierung.“ 

Auch in Bayern habe aber ein Umdenken eingesetzt, der Radverkehr gewinne an Bedeutung. Pochte der Freistaat ehedem bei übergeordneten Straßen auf eine Kernfahrbreite von 5,50 Meter für Pkw und Lkw, begnügen sich bayerische Straßenbauämter mittlerweile mit bundesweit üblichen 4,50 Metern.

Also Bahn frei für Radschutzstreifen auf der Münchner Straße? Zwei größere Hürden gilt es noch zu nehmen. Eine davon ist die Einmündung der Erlkamer Straße mit der platzfressenden Linksabbiegespur; städtebaulich sei diese Spur entbehrlich, sagt Romanski, weil die Erschließung der Wohngebiete auf der anderen Bahnseite ja längst über die Nordspange erfolge.

Eine härtere Nuss könnten die „On-Street-Parkplätze“ werden, die bergauf in Richtung Bahnhof ausgewiesen sind. Die müssten weg, sagt Romanski. „Ich hoffe, die Gemeinde kann sich dazu durchringen.“

Ein Radschutzstreifen ist 1,25 Meter breit, gemessen ab Innenkante der Entwässerungsrinne; er darf nicht beparkt und von Autos und Lastwagen nur ausnahmsweise befahren werden. Werden Radler überholt, reicht es als Autofahrer nicht, die Linie zu achten. „Es sind 1,50 Meter Abstand zum Radler zu halten“, betont Romanski, der um Verständnis wirbt, wenn Radler nicht ganz rechts, sondern einen Meter neben dem Bordstein fahren. „Ein wichtiger Sicherheitsabstand.“

Klar ist: Radschutzstreifen werden die Münchner Straße verlangsamen. Autofahrer müssten sich daran gewöhnen, eine Weile hinter einem Radler herzufahren, sagt Romanski. Dies sei Teil der Mobilitätswende, der sich Holzkirchen verpflichtet habe.

Bekanntlich bemüht sich die Marktgemeinde sogar um Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern. „Will man Radverkehr fördern, muss der Autoverkehr auch mal was abgeben“, sagt Romanski. In diesem Fall wären es eine Handvoll Straßenparkplätze und 1,25 Meter Fahrbahn. Der Verkehrsausschuss der Gemeinde will sich am 7. Mai mit dem Thema Radschutzstreifen auf der Münchner Straße befassen.

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