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Mit Tanz und Tönen: Stephanie Groß und Hubert Jeromin beim Festival-Auftakt. 

1. Kunstdünger-Lichtbildfestival in Holzkirchen

Mut zum Unkonventionellen

Der Verein Kunstdünger hat mal wieder Mut zum Unkonventionellen gezeigt: Am Wochenende erlebte das Lichtbildfestival im Kulturzentrum in Holzkirchen seine Premiere.

Holzkirchen– Schattentheater, Kino mit Livemusik und Installationen im ganzen Haus. Das waren nur einige der Facetten, mit denen das 1. Kunstdünger-Lichtbildfestival am Wochenende sein Publikum im Holzkirchner Kultur im Oberbräu begeisterte. „Seien Sie neugierig und schauen sich alles gut an“, hatte Mitorganisator Emil Ahlhelm den Gästen der Auftaktvorstellung am Samstagnachmittag ans Herz gelegt – und die ließen sich nicht lange bitten, sondern genossen sichtlich die unterschiedlichsten Entdeckungen, die ihnen das dicht gedrängte Programm zwei Tage lang ermöglichte.

Zurücklehnen, genießen aber auch nachdenken waren angesagt, als Manfred und Monika Lehner, die Holzkirchner Tanzpädagogin Stephanie Groß und Hubert Jeromin das Publikum im sehr gut besuchten Fools Theater mit unterschiedlichen Mitteln in die Ferne entführten. „Foto, Tanz, Text“ war das Opening zum Festival überschrieben und begann mit einem Schattentanz zu den leisen Klängen, die Jazzmusiker Jeromin seinem mit gelben Tüchern abgedeckten Schlagzeug entlockte. Im Mittelpunkt standen die Fotofilme von Manfred Lehner. Angefangen bei den unter Spinnennetzen versteckten magischen Welten von „Werkstatt, Schupf und Stadel“ über „Herbst“ und die „Liebe“ bis zu Impressionen aus Istanbul. Sequenzen, mal in Farbe, mal in Schwarz-Weiß, die unterschiedlichste Facetten der Millionenstadt am Bosporus zeigen. Bilder voller Lebensfreude, die angesichts der politischen Lage wehmütig stimmen und denen Monika Lehner in ihren anschließend vorgetragenen Gedanken die Hoffnung auf bessere Zeiten zu verleihen vermochte.

„Komm zurück im Namen der Freiheit und der Freude“ klingt nach, als Jeromin mit einer Percussion auf dem Bühnenboden beginnt. Stephanie Groß im herbstbraunen Samtkleid kippt ihm einen Korb buntes Laub über den Kopf – fortan untermalt auch das Rascheln des Blattwerks das Stück. So ist man gespannt, was da kommen mag an vielfach unkonventionell präsentierten Bildern, Melodien und Tanz. Unter anderem ist es die von Monika Lehner vorgetragene Hommage an die erkrankte Ingrid Huber, die „im alten Fools, in dem ein Feuer brannte, das an jeder Brandschutzverordnung gescheitert wäre“, begann, sich für die Kultur mitten in Holzkirchen einzusetzen und die trotz des seriösen Titels als Kulturmanagerin nichts von diesem Feuer verloren habe.

Bestes Beispiel, dass das Festival durchaus Neugierige lockt, war der Samstagabend. Nicht jeder im Saal, wusste, was auf ihn zukommen würde. Doch gerade das macht die Kunst spannend und belohnte die Mutigen in diesem Fall mit einer besonderen Mischung aus Film und Musik, die sich in inspirierten Gesprächen auf dem ebenfalls mit (Licht-)Kunst in Szene gesetzten Vorplatz fortsetzte, der so Teil des Gesamtkunstwerks wurde. Drinnen lohnte sich ein Streifzug, der von der Bühne im Festsaal über Mitmach-Kunst im Aufzug bis zu Installationen in den Toiletten spannende Facetten hatte.

Höhepunkt freilich war der Kurzfilm „Ein Licht von unbestimmter Farbe“; ein 38-minütiges Vergnügen mit feinen Nuancen und viel Situationskomik über seltsame Begebenheiten in einem abgeschiedenen Dorf in Thüringen. Mit einem Budget von 4000 Euro aus der Thüringer Kulturstiftung und viel Engagement der Bevölkerung entstand die amüsante Sozialstudie über zwei grundverschiedene Brüder in einem 250-Einwohner-Dorf im Schiefergebirge, die über Krankenpflegerin Doro in den Einflusskreis dunkler Magie geraten. „Es war eine unvergessliche Zeit“, resümierten die Beteiligten, die sich ins Publikum gemischt hatten.

Das wiederum fand es spannend, was der Valleyer Dominik Nowak auf der Bühne demonstrierte. Nämlich wie der Sound zum Film kommt. Mehr als ein MacBook, ein paar Ideen und Kopfhörer brauche er dazu nicht, erklärte er und zeigte am Beispiel der Wandlung des von Existenzängsten geplagten Film-Bruders Emanuel, wie er diesem „mit vielen kleinen Effekten“ ein Ton-Profil unterlegte. Hernach kam live die Band auf die Bühne, die für die Filmmusik verantwortlich zeichnet: Slow Boat To China. War schon während des Films die Musik im Ohr geblieben, verstärkte sich das im Nachklang zu dem der Film ohne Tonspur vorwärts und rückwärts lief und so seine ganz eigene Lichtkunst zur Premiere des Festivals beisteuerte.

Heidi Siefert

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