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Bienen sind Blütenbestäuber und viele Pflanzen sind darauf angewiesen, dass Insekten Pollen transferieren, um Früchte zu tragen. Gibt es weniger Bienen, ist das zum Beispiel sc hlecht für Obstbäume. 

Sag mir, wo die Bienen sind

Mysteriöses Bienensterben in der Region: Experte klärt auf

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Das Bienensterben ist auch hierzulande ein Problem: Naturschützer raten zu vielen Blühflächen, doch die Landwirte müssen aus wirtschaftlichen Gründen öfters mähen als früher. 

Holzkirchen– Erst freute sich Robert Knapp über den bereiten Streifen mit Frühlingsblumen. Dann die Enttäuschung: „Mein positives Denken hat sich leider zum Wunschdenken gewandelt“, sagt der Holzkirchner. Denn der schöne Anblick auf der gemeindlichen Wiese an der Steindlallee sei abgemäht worden. Er versteht zwar, dass die Bauhofmitarbeiter nur ihren Job machen, aber er fragt sich: „Sollte das Bienensterben sich nicht bis zum Rathaus herumgesprochen haben? „Ein ernsthaftes Problem, das über Parteingrenzen hinaus beachtet werden sollte“, findet er.

In der Tat ist das Bienensterben ein Thema, das durch die Medien geistert. Viele Experten warnen vor den Folgen. Fakt ist: Bienen sind als Blütenbestäuber wichtige Nutztiere, viele Pflanzen sind darauf angewiesen, dass Insekten Pollen transferieren, um Früchte zu tragen. Das heißt: Gibt es weniger Bienen, so sinkt die Bestäubungsleistung, was zum Beispiel schlecht für Äpfel-, Birnen- oder Zwetschgenbäume ist.

Peter Heiß, Leiter des Bauhofs, erklärt den Vorfall an der Steindlallee so: Der Bauhof habe 160 bis 180 Plätze zu mähen. Dabei könne man nicht auf jede einzelne Blume Rücksicht nehmen, da wäre der Aufwand zu groß. Die Marktgemeinde ist zwar nicht – so wie Warngau (wir berichteten) – an dem Blühflächenprojekt der Ökomodellregion Miesbacher Oberland beteiligt. „Allerdings haben wir heuer extra sechs Blühflächen angelegt.“ Zum Beispiel am McDonald’s-Kreisel, an der MB 9 oder an der Jahnstraße. Diese blühen noch nicht – im Gegensatz zu dem Kreisverkehr am Grünen Zentrum. „Prinzipiell sind unsere Leute sensibilisiert.“ So ließ der Bauhof Blumenflächen nahe der Araltankstelle stehen.

Karl Konrad, Vorstand des Bienenzuchtvereins Holzkirchen und Umgebung, kann so was nur gutheißen. Das Bienensterben mache sich immer mehr bemerkbar. Er selbst hatte über den letzten Winter rund acht Prozent Einbußen bei seinen Bienenvölkern. In Oberbayern habe es heuer bis zu 50 Prozent Ausfälle gegeben. Viele Völker seien schwächer als normal. Auch Wildbienen und Hummeln seien betroffen.

„Unser Hauptfeind ist die Varroamilbe“, erklärt Konrad. Diese sei Ende der 70er Jahre eingeschleppt worden und vermehre sich in der Brut des Bienenstocks. Ein milder Winter sei schlecht. „Dann brüten die Bienen durch.“ Und die Chancen der Varroamilben, selbst Nachwuchs zu produzieren, steigen.

Aber auch andere Ursachen würden der Biene zusetzen: „Herbizide und Insektizide schaden der Biene“, meint Konrad. „Sie verlieren die Orientierung und finden nicht mehr nach Hause.“ Auch Monokulturen seien schlecht – oder eben fehlende Blühflächen.

Heutzutage würden viele Bauern ihre Wiesen sechs bis sieben Mal mähen, früher waren es vielleicht maximal drei Mal. Konrad versteht die Landwirte auch. Sie würden mit den sinkenden Milchpreisen kämpfen. „Sie müssen die Masse herbringen.“ Seine Meinung: „Der Verbraucher müsste mehr für die Milch bezahlen.“ Rolf Oehler, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, bestätigt das: „Heute werden die Wiesen früher gemäht.“ Und häufiger. Der Vorteil für die Landwirte liege darin, dass mehr Energie in den Pflanzen stecke, was die Futterqualität und damit die Milchproduktion erhöhe – und gleichzeitig die Produktionskosten senke. Der Einsatz von Insektiziden sei hingegen minimal in seinem Dienstgebiet, eben weil es kaum Körnerraps- oder Kartoffelanbau gebe. „Grundsätzlich machen unsere Bauern viel für den Bienenschutz“, meint Oehler. „Da sind sie sehr vorbildlich.“

Auch der Bund Naturschutz (BN) in Holzkirchen beschäftigt sich mit dem Bienensterben. Laut Vorsitzendem Fred Langer geht es ums Insektensterben insgesamt – auch um Mücken, Marienkäfer, Wespen und Hummeln. „Wir unterstützen Landwirte, die Blühflächen anlegen.“ Der BN ist zudem an der Wiesenmeisterschaft beteiligt (wir berichteten), wobei vorbildliche Wiesen ausgezeichnet werden.

Auch der Privatmann kann einiges tun, um Bienen zu retten. Oehler rät vom Rasenroboter ab, der alles wegmäht. Konrad empfiehlt, Pflanzen mit offenen Blüten zu kaufen, wo alle Insekten reinkommen. „Und man sollte die Natur im Garten lassen.“

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