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Im Austausch über Bahnprobleme und deren Lösugen: (v.l.) Fabian Amini (BOB), Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr, Olaf von Löwis, Bahnsprecher Michael-Ernst Schmidt, Peter Schiffmann (Landratsamt Miesbach), Matthias Schmid (Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, Hans Hagn und Herbert Scheller.

Gespräch im Holzkirchner Rathaus 

Nach K-Fall: Jetzt legt auch die Bahn ein Maßnahmenpaket vor

Bahngipfel, nächster Teil. In Holzkirchen hat sich am Mittwoch abermals eine Elefantenrunde zum Thema Schienenverkehr getroffen. Diesmal war auch die Deutsche Bahn am Tisch – und hatte einen Maßnahmenkatalog dabei. Immerhin ein erster Schritt.

Holzkirchen – Die Aufarbeitung des Katastrophen-Falls mit den Auswirkungen für den Bahnverkehr im Oberland geht weiter. Wieder hatte der Bürgermeistersprecher des Landkreises, Olaf von Löwis aus Holzkirchen, den Arbeitskreis Bahnverkehr eingeladen. Beim einem ersten solchen Treffen hatte die Deutsche Bahn gefehlt, was herbe Kritik hervorrief. Diesmal war der Konzern am Tisch vertreten – mit Herbert Scheller von der DB Netz AG und Helmut Zöpfel, Leiter des Bahnhofsmanagements Rosenheim. Besprochen wurde, was die Bahn als Eigentümer der Infrastruktur (Schienen, Bahnhöfe, etc.) unternehmen kann, damit sich ein tagelanger Totalausfall wie im Januar nicht wiederholt. Der Beitrag der Bayerischen Oberlandbahn war in einer ähnlichen Runde bereits im Februar besprochen worden.

Die Marschroute beim K-Fall nannte Tegernsees Bürgermeister Hans Hagn (CSU): „Zuerst müssen wir die Schiene fit machen. Sie ist das Verkehrsmittel, das bei gefährlichen Wetterlagen am sichersten ist.“ Gegebenenfalls müsse die Straße hintenanstehen.

Das erste Maßnahmenpaket betrifft die Infrastruktur. Bessere und technisch weniger anfällige Pflüge und Fräsen sollen her. Für diese wird obendrein ein Abstellkonzept erstellt, damit im Einsatzfall nicht unnötig Zeit vergeudet wird und flächendeckendes Räumen möglich ist. Im Januar hatte bekanntlich die BOB zu wenig Material, die Bahn kümmerte sich verstärkt um Strecken, auf denen eigene Züge fahren.

Ebenfalls zur Infrastruktur zählen Weichen und Bahnübergänge – wie etwa in Schaftlach. Schnee und Eis hatten die Anlagen im Januar lahmgelegt. Ein noch vergleichsweise kleines Problem war, dass deshalb zwischen Gmund und Schaftlach nur ein Pendelverkehr möglich war und die Fahrgäste umsteigen mussten. Laut Pressemitteilung wird die DB Netz Anlagen wie diese stabilieren und Weichenheizungen optimieren. Freileitungen sollen im Boden versenkt werden, um weniger witterungsanfällig zu sein. Sie sind zum Beispiel nötig, um Signale an den Strecken zu bedienen. „Das Problem“, so Bahnvertreter Scheller, „ist hier die hohe technische Komplexität – mehrere Technologien in unterschiedlichen Altersstufen.“ Alt heißt bei der Bahntechnik übrigens: richtig alt. Das Stellwerk in Schliersee zum Beispiel zählt mehr als 100 Jahre.

Klar ist wohl auch: Schnell sind diese Verbesserungen nicht zu bekommen. Solche Arbeiten brauchen Vorlauf, und der Bahnkonzern neigt bekanntlich zur Trägheit. Aber über den Arbeitskreis, das Ergebnis einer Bürgermeisterdienstbesprechung, macht die Lokalpolitik Druck. Auch die Landratsämter Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen waren mit ihren Verkehrsbereichsleitern vertreten. Das Stimmkreisbüro der Landtagsabgeordneten Ilse Aigner ebenso.

Früher umsetzbar sind wohl andere Maßnahmen. Die Bahn möchte laut Scheller die Räum- und Einsatzkräfte schulen und eine Rufbereitschaft für Vegetationsprobleme installieren. Die braucht es bei Schwierigkeiten etwa auf Strecken, die durch Wälder führen. Zuletzt will sich die Bahn besser auf strenge Winter vorbereiten, vorab Szenarien durchspielen, bei denen der Bahnverkehr zwar eingeschränkt werden muss, etwa nur Stunden- statt Halbstundentakt; doch das, was man noch anbieten kann, soll auch zuverlässig funktionieren. Das war im Nachgang des K-Falls bekanntlich anders.

Nicht zuletzt, und da spielt auch Hagns Credo „Schiene vor Straße“ hinein, sollen Gemeinden und Bahn beim Schneeräumen zusammenarbeiten. Eine knifflige Angelegenheit, da die Bahn kein fremdes Personal an ihre Infrastruktur lässt. Vorstellbar ist aber zum Beispiel, dass Bauhof oder THW in Bahnhöfen helfen, die Schneemassen wegzubekommen.

Lesen Sie auch: Flotten-Wechsel bei der Bob: Der Quantensprung ist besiegelt

Löwis war am Ende zufrieden: „Die Bahn hat jetzt eingeräumt, dass einiges in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht gut gelaufen ist und das was passieren muss.“ Das betrifft auch das Thema Fahrgastinformation – sowohl bei der BOB als auch bei der Bahn, die für die Durchsagen an Bahnhöfen zuständig ist. Im Juli soll es das nächste Treffen dieser Runde geben.

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