Im Pub: Das Opfer wollte nur an seine Jacke

Verurteilt: Otterfinger Boxer verteilt Kinnhaken im Awas

Holzkirchen – Mit einem Faustschlag mitten ins Gesicht hatte ein Otterfinger im Februar einen Holzkirchner in einem Pub niedergestreckt. Jetzt wurde er verurteilt.

Sechs Körperverletzungen – darunter auch gefährliche und vorsätzliche – gingen von 1996 bis 2003 auf das Konto eines heute 36-jährigen Otterfingers. 13 Jahre hat er sich nichts mehr in der Art zu Schulden kommen lassen. Doch heuer im Februar war es wieder so weit: Im Holzkirchner Awas Pub schlug er einem 28 Jahre alten Holzkirchner gegen 2.30 Uhr so fest ins Gesicht, dass der bewusstlos zu Boden ging. Deshalb musste sich der Otterfinger nun vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten. 

"Hätte einen Bogen machen müssen, um zu Jacke zu kommen"

Besonders einsichtig zeigte sich der Otterfinger dabei nicht. „Das Ganze wurde von ihm provoziert“, rechtfertigte sich der Angeklagte. „Ich stand nur an der Theke der Bar und wurde dann angerempelt.“ Das sichtlich betrunkene Opfer des Otterfingers wollte jedoch lediglich an seine Jacke gelangen, um den Heimweg anzutreten. Besagte Jacke hing aber hinter dem Otterfinger. „Er hätte einen kleinen Bogen machen müssen und wäre an seine Jacke hingekommen“, verteidigte sich der Otterfinger weiter. „Stattdessen meinte er zu mir: Schleich Dich!“ Das war für den Otterfinger herabwürdigend, wie er selbst aussagte. Doch er konnte sich noch beherrschen. 

Schulterzucken löste den Schlag aus

Noch. Denn als der Holzkirchner ihn ein zweites und ein drittes Mal anrempelte und dann noch mit der Schulter zuckte, schlug der Otterfinger zu. Einmal mit der Faust gezielt auf das Kinn des Opfers, das laut Zeugenaussagen danach etwa drei bis vier Minuten ohnmächtig auf dem Boden lag. „Das Zucken in der Schulter hat den Ausschlag gegeben?“, fragte Amtsrichter Walter Leitner noch einmal genauer nach. „Ich bin Boxer“, erklärte der Beschuldigte, „und aus Erfahrung weiß ich, dass ein Schulterzucken oftmals die erste Bewegung ist, um einen Schubser oder Schlag auszuführen.“ 

Gegangen ohne zu bezahlen

So weit wollte es der achtfach Vorbestrafte jedoch nicht kommen lassen und kam dem Holzkirchner zuvor. Danach verließ er das Lokal. Mit 1,58 Promille und ohne zu bezahlen. Weil er seine Jacke vergessen hatte, musste er jedoch kurz darauf nochmal zurück. Krankenwagen und Polizei waren bei der Rückkehr des Otterfingers schon vor Ort. „Er saß da am Krankenwagen und spuckte Blut“, sagte der Angeklagte über sein Opfer aus. „Dann bin ich hingegangen, um nachzusehen, was los ist.“ Eine Woche dauerte es, bis die Schmerzen des 28-jährigen Holzkirchners vergangen waren. 

Staatsanwalt: Fünf Monate Haft - Richter stimmt zu

Die Staatsanwaltschaft hielt in ihrem Plädoyer eine fünfmonatige Haftstrafe für angemessen, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Zudem solle der Otterfinger 2000 Euro Geldauflage bezahlen. „Sie kennen das von früher“, sagte die Staatsanwältin in Richtung des Angeklagten. „Sie gehen weg, trinken ordentlich und schlagen sich dann mit anderen.“ Auch wenn 13 Jahre in dem Bereich nichts vorgefallen sei, „ist ein Schlag gegen den Kopf lebensgefährlich“, führte sie dem Angeklagten vor Augen. 

Leitner stimmte dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft sowohl in Sachen Bewährungsstrafe als auch in Sachen Geldauflage zu. Die geht an das Bayerische Rote Kreuz in Miesbach. „Bei Ihnen braucht es nicht viel, dass Sie angepisst sind“, meinte der Richter zum Otterfinger. „Und wenn Sie zuschlagen, geht es immer mitten ins Gesicht. Als Boxer wissen Sie doch, was das für Folgen haben kann." 

hph

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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