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Die Leiterin des Caritas-Hortes Holzkirchen musste gehen, weil sie ihre Freundin heiratet.

Caritas sucht Nachfolger für homosexuelle Leiterin

Hort-Debakel: Was eine lesbische Mutter jetzt befürchtet

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Holzkirchen - Der Wirbel um die lesbische Caritas-Hortleiterin ebbt nicht ab. Die Suche für einen Nachfolger läuft noch. Eine lesbische Mutter treiben derweil andere Sorgen um.

Sie ist 39 Jahre alt, homosexuell und lebt mit ihrer Freundin in Holzkirchen. Um ihre Tochter zu schützen, möchte sie lieber anonym bleiben, aber schweigen will sie nicht. Die Tochter erzählt im Kindergarten stolz von ihren „zwei Mamas“, sei richtig glücklich mit der neuen Familiensituation. Im Herbst kommt die Kleine in die Grundschule 1, die mit dem Caritas-Hort kooperiert. „Es geht nicht anders, ich muss Vollzeit arbeiten“, erklärt die Betriebswirtin.

Und eine Sorge treibt die alleinerziehende Mutter seit Kurzem um. „Was ist, wenn ihr dann im Hort vermittelt wird, dass das nicht normal ist?“ Dass die Kleine diskriminiert wird, „weil ich lesbisch bin und vielleicht einmal meine Freundin heiraten möchte.“

Diese Ängste hat die 39-Jährige, seitdem sie erfahren hat, dass die Leiterin des Holzkirchner Caritas-Hortes gehen muss, weil sie lesbisch ist und ihre Freundin heiratet. Wie berichtet, verstößt das gegen die Grundordnung des kirchlichen Dienstes, der die Caritas als katholischer Träger ebenfalls unterliegt. „Ich bin wütend über die Tatsache, dass eine von Schülern, Eltern und Kollegen geschätzte, langjährige Mitarbeiterin ihren Posten verlassen muss“, sagt die Mutter.

Caritas-Kreisgeschäftsführerin Beate Haslinger-Naß kommt gerade aus dem Urlaub zurück. Viel Post hat sie seit dem Bekanntwerden des Vorfalls bekommen. Das Thema bewegt die Menschen. So mancher hätte ihr sogar vorgeworfen, währenddessen im Urlaub gewesen zu sein; aber dieser sei eben schon sehr lange geplant gewesen. Den Befürchtungen der lesbischen Mutter nimmt Haslinger-Naß Wind aus den Segeln: „Sie kommt mit Sicherheit nicht in Schwierigkeiten“, sagt sie.

Ein Nachfolger für die Hortleiterin – zu der sie „in gutem Kontakt stehe“ – sei noch nicht gefunden. „Das Ausschreibungsverfahren läuft noch.“ Im Optimalfall soll die Stelle zum 1. September neu besetzt sein, erklärt sie. Die ausscheidende Hortleiterin sei offiziell bis Ende September im Dienst. Haslinger-Naß räumt ein: „Es ist nicht einfach, Personal zu finden, vor allem für Führungspositionen.“ Trotzdem sei die Entscheidung so gefallen.

Immerhin habe die Betroffene den Arbeits-Vertrag unterschrieben und dabei auch gewusst, welche Regeln bei ihrem kirchlichen Arbeitgeber gelten. „Wir sind alle Erwachsene, die Entscheidungen treffen.“

Gleichzeitig zeigt sie großes Verständnis. „Ich bin die Letzte, die Leute wegen ihrer sexuellen Bindung verurteilt“, betont sie. „Wir schreiben uns auf die Fahnen, nah am Nächsten zu sein.“ Gegenseitiger Respekt spiele da eine große Rolle. „Dass die kirchliche Grundordnung nicht mehr mit gesellschaftlichen Entwicklungen kompatibel ist, wissen wir auch.“ Sie finde es daher gut, dass jetzt alles auf den Prüfstand kommt.

Wie im überregionalen Teil berichtet, ändert sich beim kirchliche Arbeitsrecht etwas. Vor Kurzem hatten die deutschen Bischöfe eine Novellierung veröffentlicht. Loyalitätsverstöße – etwa eine Heirat nach einer Scheidung – werden demnach nicht mehr so streng geahndet wie früher. Auch eingetragene Lebenspartnerschaften sollen bedingt respektiert werden. „Mit Freude habe ich gesehen, dass da Bewegung reinkommt“, sagt Haslinger-Naß. Im Moment könne sie aber noch nicht beurteilen, inwieweit die Lockerung Auswirkungen auf die Holzkirchner Hortleiterin hätte. „Sicher ist, dass wir so etwas in Zukunft ausloten.“

„Wir vertuschen hier nichts“, betont sie. Man gehe „offen und transparent“ damit um. Daher habe die Caritas entschieden, dass die Hortleiterin einen erklärenden Brief an die Eltern schreibt. Haslinger-Naß findet es schade, dass die Caritas derzeit in die Negativ-Schlagzeilen gerät: „Die Caritas ist ein hervorragender Arbeitgeber.“ Es gebe viele Fortbildungen, ein gutes Betriebsklima und eine hohe Arbeitsqualität.

Trotzdem wünscht sich die lesbische Mutter, dasselbe wie die Grünen und SPD in Holzkirchen: Dass die Gemeinde schleunigst einen neuen Träger für den Hort findet. Zumal die Einrichtung mit öffentlichem Geld finanziert wird. Denn: „Ich will nicht, dass meine Tochter in dem falschen Glauben aufwachsen muss, dass die Liebe zu einem Menschen falsch ist“, meint die 39-Jährige.

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