„Er hat mehrfach gedroht, mir etwas anzutun.“

Nacktbilder der Ex-Freundin landen im Netz - Holzkirchner vor Gericht

Obwohl ihre Beziehung Ende 2019 zerbrochen war, hatte sie jetzt ein Nachspiel vor dem Miesbacher Amtsgericht: Ein 20-jähriger Holzkirchner war angeklagt, da ein Nacktbild seiner Ex-Freundin (17) im Internet aufgetaucht war.

Holzkirchen Die betreffenden Nacktbilder soll der 20-Jährige laut Anklage im Juni 2019 von der schlafenden 17-Jährigen gemacht haben – ohne das Wissen oder Einverständnis der Schülerin. Richter Klaus-Jürgen Schmid legte dem Angeklagten zu Beginn ein Geständnis nahe: „Das bewirkt eine größere Strafmilderung, da man der Geschädigten damit seine Aussage ersparen würde.“

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Nacktbilder der Ex-Freundin landen im Netz - Holzkirchner vor Gericht

Darauf ging der Holzkirchner nicht ein. Zwar hätten er und seine Freundin auf einer sozialen Plattform Bilder ausgetauscht. Nacktaufnahmen der Frau seien aber nicht darunter gewesen. Auf Nachhaken des Richters ruderte er aber zurück: „Ja, es hat Nacktfotos gegeben, aber die hat sie selbst geschickt.“ Er habe nur das Gesicht der Schlafenden fotografiert und nur diese Bilder an sie versandt. Die Nacktfotos habe er auf seinem Handy gespeichert.

Aufgekommen war die Verbreitung der Nacktbilder durch einen ominösen Chatpartner namens „Jannis“, der die Warngauerin kontaktiert und ihr mitgeteilt hatte, ihr Freund „habe Nacktbilder rumgehen lassen.“ Diese wiederum drohte daraufhin dem Holzkirchner via Chat, ihre Eltern zu informieren. Daraufhin kam eine sarkastische Antwort ihres Freundes zurück: „Das ist eine gute Idee. Mal schauen, was deine Eltern dazu sagen.“

Anscheinend habe es sich also nicht um ein Gesichtsbild gehandelt, meinte Richter Schmid in Richtung des Angeklagten. „Ich habe da nicht nachgedacht, sondern nur dumm daher geredet“, versuchte der Angeklagte, die Äußerung zu rechtfertigen. Letztlich sei die Beziehung an dem Vorkommnis zerbrochen. „Ich habe die Beziehung beendet, auch wegen ihrer Eltern. Es gab nur noch Streitereien.“ Er vermute hinter dem Ganzen eine Art Rache seiner Ex-Freundin.

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Diese schilderte im Zeugenstand ihre Sichtweise. „Ich habe Panik bekommen, weil mir jemand sagte, dass Nacktbilder von mir auf einer sozialen Plattform herumgehen“, sagte die 17-Jährige. Sie sei auf besagter Plattform von dem ihr unbekannten „Jannis“ kontaktiert worden. Dieser habe behauptet, auch in ihre Schule zu gehen. „Auf meine Frage, wer er denn ist, wollte er nichts mehr sagen.“ Nacktbilder hätten sie und ihr Freund gemacht und sich auch gegenseitig geschickt. Nach dem Ende der Beziehung habe sie ihren Ex-Freund aufgefordert, die Fotos zu löschen. Er habe behauptet, die Bilder gelöscht zu haben, aber sicher sei sie sich nicht. Zudem habe er äußerst aggressiv reagiert: „Er hat mehrfach gedroht, mir etwas anzutun.“

Die Beweislage war aber selbst für die Staatsanwältin zu dünn. Sie plädierte auf Freispruch. Es sei in der Beziehung üblich gewesen, solche Fotos zu verschicken. Der Sachverhalt der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches“ habe sich nicht bestätigt.

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„Es ist zwar bedenklich, wie mit solchen Fotos umgegangen wird“, sagte Verteidiger Alexander Vogt. Tatsächlich habe aber die Ex-Freundin ihr Einverständnis zu den Fotos gegeben. Es gebe keinen Nachweis, dass es der Angeklagte war, der die Nacktbilder in Umlauf brachte. Abschließend kritisierte Vogt „schlampige Polizeiarbeit“: Die Ermittler hätten nicht versucht, die Person hinter dem Chat-Profil „Jannis“ zu ermitteln, um weitere Informationen von dieser Seite zu erhalten.

Richter Schmid entschied schließlich auf Freispruch. „Es ist nicht nachweisbar, dass die Fotos ohne Einverständnis entstanden sind“, betonte er. Zwar sei die Drohung gegen die Freundin „nicht schön“, aber vielleicht nur eine leere Drohung gewesen. Zudem war diese nicht Gegenstand der Anklage.

von Stefan Gernböck

Rubriklistenbild: © mauritius images / pa / All mauritius images

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