Abholen aus der Tristesse: In Holzkirchen und Otterfing startet der Besuchsdienst „Wir schaun vorbei“. 

Initiative „Wir schaun vorbei“ startet  

Netter Besuch:  Gemeinsam gegen die Einsamkeit

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Einsamkeit tut weh. Was tun, wenn die Familie weit weg wohnt oder niemand mehr Zeit hat? In Holzkirchen und Otterfing startet jetzt die Sozialinitiative „Wir schaun vorbei“.  

Holzkirchen/Otterfing– Sie leben unter uns, aber wir sehen sie nicht. Einsame Menschen leiden still, wollen niemandem zur Last fallen. „Einsamkeit ist viel schlimmer als manche Krankheit“, sagt Manfried Doll vom Arbeitskreis (AK) Soziales in Otterfing.

Ihnen kann geholfen werden: Die Initiative „Wir schaun vorbei“ bietet ab sofort in Holzkirchen und Otterfing einen Besuchsdienst an. Angestoßen wurde das Projekt, das der Presse jetzt noch einmal vorgestellt wurde, parallel von privaten Initiativen, dem AK Soziales in Otterfing und dem Forum Inklusion aus Holzkirchen, getragen wird es von den beiden Gemeinden und fachlich koordiniert vom BRK-Kreisverband.

Nach mehrmonatiger Vorbereitung (wir berichteten) kann es jetzt losgehen. Zielgruppe sind Senioren, aber beispielsweise auch Alleinerziehende, denen die Decke auf den Kopf fällt.

Das Prinzip ist einfach: Ehrenamtliche Besucher schauen regelmäßig bei Menschen vorbei, die oft alleine sind. Man ratscht, spielt Karten, geht spazieren, leistet Gesellschaft. „Ausgeschlossen sind nur fachliche Pflege, hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder psychologische Betreuung“, sagt Isolde Besel, stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführerin und zuständig für soziale Dienste. 

Unentgeltlich fungiert das BRK als Vermittler von Besucher und Besuchten. BRK-Mitarbeiterin Karin Grasser sortiert Angebot und Nachfrage und bringt zusammen, was zusammenpasst. Sie ist beim ersten Besuch auch mit dabei.

Die Ehrenamtlichen erhalten vom Besuchten einen Unkostenbeitrag von acht Euro. Abgerechnet wird über das BRK. Verzichten die Besucher auf das Geld, fließt es in einen Fonds, aus dem Besuche von Einsamen finanziert werden, die sich die acht Euro kaum leisten können. Die Gemeinden Holzkirchen und Otterfing haben 700 Euro in diesen Fonds gelegt.

Das Problem ist: Wie bringt man die Einsamen dazu, die Hilfe in Anspruch zu nehmen? Bisher meldete sich nur ein Klient, während schon sechs potenzielle Besucher bereitstehen. „Wir setzen auf Mundpropaganda“, sagt Besel. Zudem wurden Ärzte, Apotheker und Verbände gebeten, auf das neue Angebot hinzuweisen.

„Ich hoffe, das sich viele helfen lassen“, sagt Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder. Melden können sich etwa auch Angehörige, die mit im Haushalt leben und mal eine Stunde mit gutem Gewissen außer Haus gehen wollen. Früher habe man sich regelmäßig an Stammtischen getroffen, sagt Eglseder. Diese Kultur sei verkümmert. „Viele Leute trauen sich nicht mehr vor die Tür.“ Die Familie lebt ganz woanders, die Vereine verlieren an Bindungskraft.

Doll ist optimistisch, dass „Wir schaun vorbei“ bald Früchte trägt. „Wir müssen die einsamen Menschen abholen, da braucht es ein wenig Geduld.“ Läuft das Projekt, wollen sich andere Gemeinden einklinken. „Anfragen gibt es“, sagt Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis. Doll ist sich sicher, dass viele Menschen von der Initiative profitieren. „Ich find’s großartig, dass das Projekt anläuft und dass so viele mitmachen. Für mich ein schönes Weihnachtsgeschenk.“

Anfragen nimmt Karin Grasser (BRK) unter der Nummer 0 80 24 / 4 74 86 00 entgegen.

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