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Eine große Schleife schwebt Hans Putzer (SPD) vor. Er will dafür an den Einbahnstraßen rund um die Schule feilen.

Hol- und Bringverkehr bereitet Kopfzerbrechen

Neubau am Privatgymnasium: Einbahnstraßen gegen das Kuddelmuddel

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Der Verkehr an der Schule brachte die Erweiterungspläne des Privatgymnasiums ins Stocken. Die Lösungsansätze reichen Hans Putzer (SPD) aber nicht. Er will mehr. Er will Einbahnstraßen.

Holzkirchen – Im Grunde war es eine Formalie. Bekanntlich plant das Privatgymnasium an der Krankenhausstraße einen Erweiterungsbau neben dem bestehenden Gebäude. Die Schülerzahl wächst, die Schule will es ihr gleichtun. Um den Neubau auf die Zielgerade zu hieven, musste der Marktgemeinderat nun allerdings noch seine Zustimmung zur Änderung und Erweiterung des betreffenden Bebauungsplans geben. Wie gesagt: eigentlich eine Formalie. Denn baulich hatten die Gemeinderäte nichts an den Entwürfen auszusetzen. Und doch entspann sich in der jüngsten Sitzung wieder eine Diskussion über ein Thema, das die Erweiterungspläne der Schule seit jeher begleitet: der Hol- und Bringverkehr.

Rückblick: Im Sommer 2017 reicht Heribert Zimmermann, der Träger des privaten Gymnasiums, einen Antrag auf Erweiterung ein. Die Schule platzt aus allen Nähten, die Warteliste ist proppenvoll. „Die Anmelde-Zahlen sind konstant hoch“, erklärte Zimmermann im Juli im Bauausschuss. Die Container, die derzeit als Klassenzimmer dienen, sollen einem Neubau weichen.

Das Grundkonzept sei schlüssig, der Bedarf vollkommen nachvollziehbar, urteilen die Räte damals. Das Verkehrschaos vor Schulbeginn und nach Unterrichtsende jedoch ist Gemeinde wie Anwohnern ein Dorn im Auge. Eltern, die ihre Kinder zur Schule kutschieren, verstopfen mit ihren Autos die Krankenhausstraße, blockieren den Zebrastreifen, so die Kritik. Die Planer sollen nachbessern, um die angespannte Situation zu entzerren.

Das taten sie auch. In der September-Sitzung präsentierten Zimmermann eine ganze Reihe an Maßnahmen. Dreh- und Angelpunkt ist eine U-förmige Kiss-and-ride-Zone. Eine Schleife, die die Planer seitlich vom Eingangsbereich einrichten wollen. Zusätzlich sollen in der Nähe 72 Stellplätze entstehen und die Anfangs- und Endzeiten der Klassen dynamischer gestalten werden.

Die Bauverwaltung hat die Lösungsansätze inzwischen geprüft und für gut befunden. Doch Hans Putzer (SPD) gab sich mit den Vorschlägen nicht zufrieden. „Ich frage mich, ob diese kleine Schleife keine zu kleine Lösung ist“, sagte er. Ihm schwebt eine weiträumige Einbahnstraßen-Regelung vor. Eine große Schleife.

Demnach wird die Krankenhausstraße bis zur Höhe Marxbauerstraße zur Einbahnstraße, in der die Regelung umzudrehen wäre. Der Verkehrsfluss würde so über die Krankenhausstraße durch die die Marxbauerstraße und die Haidstraße fließen. Das halbiere den Verkehr vor der Schule. Auch die Einbahnregelung in der Zeheterstraße könnte umgedreht werden. Mit intelligenten, also elektronisch gesteuerten Verkehrszeichen“ könnte man die Fahrtrichtung tageszeitabhängig wechseln. „Mich wundert, dass da noch niemand außer mir draufgekommen ist“, sagte Putzer – gefolgt von lautem Gelächter im Sitzungssaal.

Was er nicht ahnte: Über mögliche Einbahnstraßen habe man sich durchaus Gedanken gemacht, sagte die Mitarbeiterin der Bauverwaltung. Nur habe man die Straßenführung hinten angestellt, da sie nicht Bestandteil des Bebauungsplans sei, über den das Gremium befinden sollte: „Wenn die geplanten Maßnahmen keinen Erfolg bringen, gibt es verkehrsrechtliche Maßnahmen, die wir außerhalb des Plans ergreifen können.“ Und auch Robert Wiechmann (Grüne) konstatierte: „Im Bebauungsplan steht ausdrücklich drin, dass wir verkehrliche Regelungen flexibel treffen können.“

Den Einwand von Irmi Ammer (SPD), wonach die Schleife nichts bringe, da wartende Eltern sie verstopfen würden, wollte Christoph Schmidt (CSU) nicht gelten lassen. Das Kuddelmuddel sei dem „Egoismus der Eltern geschuldet, die ihre Kinder bis vor die Türe fahren müssen“, sagte er. „Es ist nicht unsere Aufgabe, ihnen das zu erleichtern, indem wir ein Problem lösen, das sie verursachen.“

Am Ende der Diskussion über Einbahnstraßen und Abhol-Schleifen stand der einstimmige Beschluss, den Bebauungsplan anzupassen. Damit hat auch der Marktgemeinderat seine Hausaufgaben in Sachen Schulerweiterung gemacht. Das Privatgymnasium kann wachsen.

fp

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