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Stolzer Bauherr: Die „Räuberhöhle“ an der Münchner Straße ist einem Neubau gewichen. Eigentümer Günter Gabriel hat bereits alle Wohnungen vermietet.

Am Hochweg

Neubau an der Münchner Straße: Erzengel Gabriel ersetzt das Geisterhaus

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Die Bauruine an der Münchner Straße ist einem Wohnhaus gewichen. Bei einer Besichtigung blickt der Bauherr zurück auf vier Jahre, die Freunde  an seinem Geisteszustand zweifeln ließen.

Holzkirchen – Ein bisschen unangenehm ist es Günter Gabriel ja schon. Allein deshalb, weil er – so sagt er – eigentlich nichts dafür kann. Immerhin sei ausgemacht gewesen, dass Martin Lauber, ein Kirchenmaler aus dem Chiemgau, bei der Gestaltung der Fassade des Neubaus an der Münchner Straße, Hausnummer 34, freie Hand bekommt. Einzige Vorgaben: das Ziegelrot des Putzes und eine Engelsfigur auf der Nordseite des Gebäudes. „Das haben viele Häuser in der Straße so“, erklärt Gabriel, Bauherr und Geschäftsführer der Projektgesellschaft Arget, seinen Motivwunsch.

Dass sich der Kirchenmaler ausgerechnet den Erzengel Gabriel ausgesucht, ihn an die Wand gekratzt und ihn auch noch mit dem Namen versehen hat, bemerkte Bauherr Gabriel nach eigenen Angaben erst, als das Kunstwerk schon fertig war. Seine Reaktion: „Bist du denn wahnsinnig?“ Und genau hier schließt sich der Kreis.

Eben jene Reaktion rief Gabriel nämlich bei Bekannten hervor, als er ihnen vor vier Jahren eröffnete, was er mit der damaligen Bauruine vor hat. „Du hast das Geisterhaus gekauft?“, hätten sie ihn fassungslos gefragt, nur um sich sogleich ebenfalls nach seinem Geisteszustand zu erkundigen: „Bist du wahnsinnig?“

Heute kann Gabriel über diese Anekdote lachen. Beim Rundgang durch den terrakottafarbenen Neubau am Hochweg macht er dennoch keinen Hehl daraus, dass ihm während der Bauarbeiten keineswegs immer nach Lachen zumute gewesen ist. Nicht zu letzt die Hanglage des Grundstücks erschwerte und verzögerte die Arbeiten. So habe ein Sechs-Tonnen-Kran Fertigbetonteile über die Straße hieven müssen, während der Verkehr vorbeirauschte. „So einen Kran braucht man auf keiner normalen Baustelle“, sagt Gabriel kopfschüttelnd. Normal war auf seiner Baustelle wenig. Kleinere Investitionen summierten sich über die Zeit, der Bauherr steckte nach eigenen Angaben letztlich 3,3 Millionen Euro in den Bau – zehn Prozent mehr als veranschlagt.

Es war einmal: Die ehemalige Bauruine zerfiel über Jahrzehnte. Das Foto entstand im Oktober 2010.

Dafür erinnert die Hausnummer 34 heute in keiner Weise mehr an die unansehnliche Bauruine von einst. Im Ort war das Gebäude an der Münchner Straße als „Schandfleck“ verschrien, als „Räuberhöhle“. Ein über Jahrzehnte verwahrlostes Grundstück, ungebändigter Wildwuchs, kaputte Fenster, löchriges Dach. „Ich bin 30 Jahre lang daran vorbei gefahren, irgendwann landete das Kaufangebot auf meinem Tisch, und ich hab’ zugeschlagen“, erzählt Gabriel. „Ich dachte mir, ich nehme die Herausforderung an. Da rührt sich wenigstens was.“

Gerührt hat sich seither viel. Nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit erstrahlt das Haus im neuen Glanz. Die Eckdaten: fünf lichtdurchflutete Wohnungen zwischen 70 und 90 Quadratmetern groß sowie zwei Ladeneinheiten im Erd- und Untergeschoss, Marmor im Treppenhaus, LED-Spielereien in den Badezimmern. Die Appartements sind laut Gabriel allesamt bereits vermietet, zwei sogar schon bezogen. Auch für die Geschäftsräume gebe es „mehrere Anwärter“.

Dass er das Haus nun doch selbst vermietet, und nicht – wie es noch auf der Homepage seiner Firma zu lesen ist – „ausschließlich global veräußert“ an Investoren, die auf „Rendite“ spekulieren, hat mehrere Gründe. So habe er das Objekt ob der Bauverzögerung mehrmals vom Markt nehmen müssen. „Außerdem wäre es doch ein Schmarrn, so ein Haus in Bestlage zu verkaufen“, räumt Gabriel mit Blick auf die eigene „Altersvorsorge“ ein. Ein weiterer Punkt: Irgendwie ist es ihm trotz aller Scherereien dann doch ans Herz gewachsen – auch wenn er das nur widerwillig eingesteht. „Stimmt schon“, grummelt Gabriel.

Offenkundig stolz ist er auf die Fassade, sowohl was Farbe („Ich wollte was anderes als die anderen“) als auch die jahrhundertealte Kratz-Putz-Technik, die der Kirchenmaler verwendet hat, angeht. Und wer weiß, vielleicht macht der Bauherr ja auch mit dem Erzengel Gabriel irgendwann endgültig seinen Frieden.

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fp

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