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Neubau der Holzkirchner Mittelschule: Weniger Holz dafür bessere Luft

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Von: Felicitas Bogner

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Die Mittelschule in Holzkirchen an der Baumgartenstraße wird abgerissen. An gleicher Stelle kommt ein Neubau hin. Für die Umsetzung wurden in der Gemeinderatssitzung nun weitere Entscheidungen getroffen.
Die Mittelschule in Holzkirchen an der Baumgartenstraße wird abgerissen. An gleicher Stelle kommt ein Neubau hin. Für die Umsetzung wurden in der Gemeinderatssitzung nun weitere Entscheidungen getroffen. © Thomas Plettenberg

Die Gestaltung der neuen Mittelschule in Holzkirchen nimmt immer mehr Fahrt auf. Nun hat der Marktgemeinderat Entscheidungen über die Bauweise und den Einbau von Lüftungsanlagen gefällt.

Holzkirchen – Zwei Grundsatzentscheidungen zum Bau der neuen Mittelschule an der Baumgartenstraße trieben den Holzkirchner Rat jüngst um. Erst stand die vom Architekturbüro karlundp bereits im März vorgeschlagene Bauausführung im Fokus: Das Tragwerk der Schulgebäude in einer Holz-Hybridbauweise zu errichten. Also, dass Stahlbeton verbaut wird, die Fassade aber überwiegend aus Holzelementen besteht. Trotzdem wurde nun – nach Anregung in einer Gemeinderatssitzung im Frühjahr – geprüft, ob zusätzlich auch die Tragkonstruktion des Neubaus in Holz erreichtet werden könne. Diese Idee lief in eine Machbarkeitsstudie mit einer groben Kostenschätzung ein. Ludwig Karl, Geschäftsführer von karlundp, stellte dazu die Ergebnisse vor. Er machte klar, dass beide Bauweisen realisierbar wären. Der größte Unterschied sei darin zu sehen, dass bei der Holzform auch die Decken und die tragenden Innenwände aus Holz errichtet werden.

Reine Holzbauvariante teurer als Holz-Hybrid-Bauform

Jedoch gehe diese Variante mit einem „erhöhten Aufwand beim Brand- und Schallschutz einher“, unterstrich Karl. Er betonte: „Holzbau boomt aktuell.“ So positiv das sei, gehe dies aber freilich mit einer starken Materialnachfrage einher. Sprich: Die Beschaffungskosten sind höher. „Zum anderen ist die Ausschreibung voraussichtlich erst in einem Jahr. Wir wissen nicht, wie viele Firmen dann Kapazitäten haben – auch da kann es dann eventuell zu Mehrkosten kommen“, gibt Karl auf Nachfrage unserer Zeitung zu bedenken. Daher bewerte er einen Rohbau in konventioneller Weise als „risikoärmer“. Zusätzlich habe man im Rahmen der Machbarkeitsstudie festgestellt, dass – so oder so – die Treppenhaus-, Schacht- und Aussteifungswände nicht in Holz realisiert werden können. Hierzu müsse man Stahlbeton verwenden. „Das ist deutlich wirtschaftlicher“, sagt Karl. Mit Blick auf die zeitliche Umsetzung würde es wenig Unterschied geben. „Holzbau braucht im Vorfeld mehr Planung mit den Zimmereien, dafür geht dann die Errichtung wesentlich schneller.“ Die Mehrkosten für die nachhaltigere Ausfertigung könne man nach einer groben Schätzung mit 1,1 Millionen Euro beziffern.

Grünen-Rat: „Sind hier im Herzen der Sägeindustrie Mitteleuropas“

Diese Kostensteigerung veranlasste CSU-Sprecher Sebastian Franz sich für die Holz-Hybridbauweise auszusprechen. Innerhalb der Fraktion distanzierte sich Martina Schweighofer davon. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) meinte, dass es sich bei beiden Varianten um einen Hybridbau handle. „Die eine mit viel Holz, die andere mit weniger.“ Hier hakte Robert Wiechmann (Grüne) ein: „Die Ursprungsvariante sieht lediglich eine Außenfassade aus Holz vor – und das ist schon sehr wenig.“ Dazu merkte er an, „hier im Herzen der Sägeindustrie Mitteleuropas zu sein“ und rief in Erinnerung, dass man bereits „beste Erfahrungen“ mit der Holzbauweise bei der Anton-Weilmaier-Schule in Hausham gemacht habe. Schlussendlich ergab die Abstimmung aber eine Mehrheit für die Holz-Hybrid-Variante. Sechs Räte waren dagegen.

Mittelschule Holzkirchen: 1,4 Millionen Euro für Einbau und Unterhalt einer Lüftungsanlage

Hinsichtlich des Einbaus einer mechanischen Lüftungsanlage herrschte etwas mehr Konsens. Christian Friedl, Geschäftsführer von Ecoplan, stellte dazu – per Videoschalte – eine Kostenschätzung vor. Dabei betonte er gleich vorab, dass es keine gesetzliche Vorschrift für diesen Einbau gebe. Trotzdem werde er von Fachplanern und der Politik mit Blick auf die nachgewiesene Reduktion der Corona-Infektionsgefahr in Klassenzimmern empfohlen, so Friedl. „Es handelt sich um eine Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene, deren Erfolg auch nach Beendigung der Pandemie anhält“, erklärte der Ecoplan-Geschäftsführer. Die Geräte würden laut seinen Ausführungen „fünf bis sechs Mal pro Stunde die Raumluft austauschen“. Dazu bedarf es einer „umfangreichen Bedienungsanweisung“, da die Anlagen darauf ausgerichtet seien, von einzelnen Nutzern bedient zu werden. Die Kosten für den Einbau dieser mechanischen Lüftungsanlage betragen laut Friedl rund 1,4 Millionen Euro. Dies inkludiere die Nebenkosten, Installationen, Elektronik und Anschaffung. Jährlich fallen Stromkosten von etwa 10 000 Euro und Betriebs- und Wartungskosten von rund 20 000 Euro ins Gewicht. Mit zwei Gegenstimmen beschloss der Gemeinderat dennoch den Einbau der Anlage.

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