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Fernsehmoderator vor Bildstörung: Horst Hermenau zeigt neue Werke im Steingraber-Pavillon.

„digalog – anigal“

Neue Werkschau von Horst Hermenau: „Ich mag das Extreme“

Er zählt zu den wichtigsten Künstlern der Region. Jetzt zeigt der Holzkirchner Horst Hermenau eine Ausstellung. In den Werken setzt er sich mit Merkwürdigkeiten aktueller gesellschaftlicher Themen auseinander.

Holzkirchen – Mit seinen Bildern wurde vor 25 Jahren die Galerie im Autohaus Steingraber eröffnet. Horst Hermenau zählt zu den wichtigsten Künstlern der Region und organisiert seit rund vier Jahren die Ausstellungen in der Steingraber Galerie in Holzkirchen. Jetzt lud er wieder einmal selbst zu seiner Vernissage in den Pavillon. Mehr als 100 Gäste drängten sich in der kleinen Galerie zur Eröffnung der Schau „digalog – anigal“.

Hermenaus Exponate zeigen Digitaldrucke, die mit Collagen, Öl und Acrylfarbe überarbeitet sind. Die Ausstellung zeigt, wie sehr sich der Holzkirchner mit den Themen unserer Zeit beschäftigt. Er zeigt seine Wahrnehmung, reflektiert ohne zu werten, betrachtet und interpretiert ohne Zeigefinger.

Im Zentrum der Schau hängen zehn Bilder im Querformat. Sie zeigen Raphael, einen Fernseh-Moderator, der in Gebärdensprache moderiert. Er erklärt die Welt, etwa wie man diskutiert, die Politik von Kanzlerin Angela Merkel und warum wir Düsenflieger benötigen. Dabei sticht die grelle gelbe Hintergrundfarbe hervor, der Moderator steht im Vordergrund. Hermenau fotografierte ihn vom Bildschirm ab und bearbeitete das Bild mit Acryl und Collagen. Die zehn Bilder bilden eine Einheit. Parolen wie „Wir wollen nicht, dass Szenen von Gewalt im Fernsehen gezeigt werden“ sind darauf zu lesen. „Es geht mir vor allem um das Format, das uns von der Fernsehindustrie vorgegeben wird. Ich möchte aufmerksam machen, wie uns dieses Format aufgedrängt wurde“, erklärt Hermenau. Dabei hebt er nicht etwa den Zeigefinger. Er sieht sich als Betrachter, er beobachtet und drückt mit seiner Kunst alltägliche Situationen aus, lässt die Bewertung aber offen.

Genau wie bei den drei Bildern „Die offene Türe“, „Digitale Schönheit“ und „Bleiben Sie zuhause und streuen sie keine Gerüchte“. Vor allem Letzeres drückt die Gefühle des Holzkirchner Künstlers aus. Der Hintergrund ist feuerrot, im Vordergrund die Gesichter zweier Frauen, die teilnahmslos nach links gerichtet sind. Hermenau gibt damit ein Bild des Attentats auf den Berliner Weihnachtsmarkt wieder. Er verfolgte die Ereignisse im Dezember 2016 vor dem Fernseher und fotografierte gerade wieder vom Bildschirm ab, als die Unterzeile „Bleiben Sie zuhause und streuen Sie keine Gerüchte“ durchs Bild lief. „Ich war in Holzkirchen und nicht in Berlin und habe mich sehr gewundert, warum ich zuhause bleiben soll und keine Gerüchte streuen soll“, erinnert sich Hermenau. Aber auch das erlebt er, ohne eine Wertung der Situation abzugeben.

Auf Bildstörungen verweist Hermenau mit der Hintergrundstruktur, mit Quadraten und Vierecken. „Ich kann sehr viel Schönheit an diesen Strukturen erkennen.“ Das Werk sprüht vor Energie und Hitze, die kräftige Farbe Rot wählt Hermenau gezielt. „Ich mag das Extreme, die starken Farben passen zu mir.“

Öffnungszeiten

„Digalog – anigal“ ist bis zum 1. Juli in der Galerie im Autopavillon Steingraber im Holzkirchner Gewerbegebiet Ost zu sehen. Montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Kathrin Suda

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