Besuch beim Kinderarzt: Dr. Stefan Razeghi muss derzeit viele Abstriche bei seinen jungen Patienten nehmen. Das sehen die Corona-Vorschriften vor. Positiv fiel zuletzt keiner aus.
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Die Corona-Abstriche bei Kindern und Jugendlichen sind in die Höhe gegangen. (Symbolbild).

Zahl der Abstriche steigt massiv

Neue Corona-Testregeln für Kitas und Schulen: Ansturm auf Kinderärzte

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Seit Montag gelten neue Corona-Test-Regeln an Kitas und Schulen. Seither ist der Ansturm auf die Kinderarztpraxen enorm.

Holzkirchen – Zwar findet er die neuen Regeln sinnvoll. „Aber die Wende kam so schnell, dass wir gar keine Zeit hatten, uns umzustellen“, sagt der Holzkirchner Kinderarzt Matthias Ensslen. Während in den vergangenen Monaten am Tag zwei bis drei Patienten für einen Corona-Abstrich in seine Gemeinschaftspraxis kamen, seien es jetzt 20 bis 30. „So einen Ansturm auf die Tests haben wir noch nie erlebt.“ Weil Kandidaten mit Symptomen in der Regel draußen warten müssen, um andere nicht zu gefährden, bilde sich vor der Tür schon mal eine Schlange. Seine Kollegin Kathrin Simmel, die eine Praxis für Privatpatienten in Holzkirchen betreibt, bestätigt den Trend: „Der Ansturm ist seit dieser Woche deutlich höher.“

Grund für den Andrang in Kinderarztpraxen ist der aktuelle Rahmenhygieneplan – der seit diesem Montag gilt. Er sieht unter anderem vor, dass Kinder und Jugendliche selbst bei leichten Erkältungssymptomen – wie Schnupfen oder Husten – einen negativen Corona-Test vorlegen müssen, bevor sie wieder die Kita oder Schule besuchen dürfen. Es kann sich um einen PCR-Test oder einen POC-Antigen-Schnelltest handeln, dieser muss aber von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden. Ein Selbst-Test für Laien gilt hier nicht.

Hinzu kommt, dass seit Montag deutlich mehr bayerische Schüler in die Schule gehen dürfen. Auch alle weiterführenden Schulen können seither wieder öffnen – im Wechselunterricht und nur in Regionen mit einer Inzidenz unter 100. Seit dem 15. März ist in Kitas wieder der Regelbetrieb erlaubt, sofern die Inzidenz unter 50 liegt. Zwischen 50 und 100 bleibt es beim eingeschränkten Regelbetrieb, also in festen Gruppen. Im Landkreis Miesbach liegt die Inzidenz derzeit bei 70.

Auch die Kitas bekommen die neuen Test-Regeln zu spüren, wie Veronika Voigt, Leiterin der Kindertageseinrichtung St. Josef, berichtet. Dort haben schon ein paar Kinder einen Test vorgelegt, obwohl die Woche noch jung ist. Einige Eltern hätten sich beklagt, dass es derzeit schwierig sei, einen Kinderarzttermin zu bekommen. Für Verwirrung unter den Eltern sorgte zudem eine Nachricht, die kurz nach Inkrafttreten der neuen Regeln in den Medien kursierte. Die Regeln für Kitas würden schon wieder gelockert, hieß es. Eine Sprecherin aus dem bayerischen Familienministerium aber betont gegenüber unserer Zeitung, dass sich an den neuen Regeln nichts ändere. Der Rahmenhygieneplan bleibe bestehen. Lediglich Kinder, die eine leichte Erkältung bereits auskuriert haben, müssen keinen Test vorzeigen. Das sei aber auch vorher schon so gewesen, aber vielleicht nicht in der Deutlichkeit kommuniziert worden.

Das heißt für die Kinderärzte also weiterhin: testen. Die Tests selber gehen noch nicht aus. „Wir haben genug“, sagt Ensslen. Der Katastrophenschutz habe seine Praxis mit Schnelltests versorgt. „Nur an der Zeitressource mangelt es.“ Gemessen an der Zahl der Abstriche sei die Zahl der positiv getesteten Kindern gering, sagt Ensslen. In den vergangenen Wochen war kein einziges dabei. Was aber steigt, sei die Zahl anderer Infekte, die während des strengen Lockdowns kaum auftraten. Nachdem gerade kleine Kinder häufig eine Rotznase haben, seien ihre Symptome oft schwer von Corona-Symptomen zu unterscheiden. Und ein Test muss her.

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