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Viele Autos, wenig einladend: Der Holzkirchner Bahnhof präsentiert sich aktuell wenig strukturiert.

Wettbewerb geplant

Neuer Bahnhof in Holzkirchen: Es tut sich was

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Schön ist er nicht, aber er soll schöner werden. Schon lang. Seit zwei Jahren wird der große Wurf für den Bahnhof diskutiert. Endlich scheint sich etwas zu tun.

Holzkirchen Der Impuls kam von der Bahn selbst. Günther Pichler, Bayernchef der DB Station & Service und selbst Holzkirchner, kündigte 2015 an, den wild gewachsenen Holzkirchner Bahnhof in eine Mobilitäts-Drehscheibe verwandeln zu wollen. Bahn, Bus, Auto, Rad – die Menschen sollen in alle Richtungen und in optimaler Vernetzung auf alle Fortbewegungsarten umsteigen können.

Gleichzeitig könnte hier städtebaulich ein neuer „Hotspot“ erwachsen. Über 16 000 Menschen durchlaufen tagtäglich das Areal; ein attraktives Verweil-, Arbeits- und Einkaufsumfeld würde den Bahnhof endlich in den Ort hineinholen.

Die Marktgemeinde sprang auf den Zug auf. Im vom Rathaus bestellten „Integrierten Mobilitätskonzept“ haben Verkehrsplaner Ralf Kaulen und Städteplanerin Manuela Skorka das Potenzial des Bahnhofs beleuchtet. Bei einem Workshop im Herbst 2016 trommelte die Gemeinde alle Grundbesitzer, Nutzer und Mobilitätsbetreiber zusammen. Tenor: Alle würden mitmachen. Jetzt geht es darum, die Ziele in konkrete Pläne zu gießen. Ein Ideen-Wettbewerb ist geplant.

„Ich kann mir vorstellen, dass wir den Wettbewerb heuer zusammen mit der Bahn ausschreiben“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis. Pichler will auf dem Gas bleiben: „Wichtig ist, dass was vorwärtsgeht.“

Voraussetzung ist eine städtebauliche Rahmenvereinbarung. Gemeinde, DB und Grundstücksbesitzer am Bahnhof stimmen darin zu, ihre Flächen in einem Guss überplanen zu lassen. Da das Rathaus über die Planungshoheit verfügt, sieht Pichler die Gemeinde gefordert, den Rahmen abzustecken. „Sie muss sagen, welche Nutzung sie dort will – und welche nicht.“ Im Herbst würde er gerne über Ergebnisse diskutieren, die dann in einem Bebauungsplan festzuklopfen sind.

Auf eine grobe Richtung in Sachen Nutzung verständigte sich der Gemeinderat bereits bei einer Klausur (wir berichteten). Weitere Hinweise lieferte jetzt Skorka im Mobilitätskonzept.

Parkplätze

Offen ist, wie viele Parkplätze auf dem Bahnhofsvorplatz verbleiben. Laut Löwis bevorzugt die Gemeinde ein Parkhaus auf der östlichen Seite (Erlkamer Straße). Pendler auch aus Süden und Osten sollen über die Nordspange zufahren, ohne die Ortsdurchfahrt zu belasten. Die Fläche gehört der Gemeinde; vorstellbar ist, dass die BahnPark, die derzeit den Bahnhofsvorplatz bewirtschaftet, das Parkhaus baut.

Verkehrsknoten

Aus dem Zug-Bahnhof soll auch ein Bus-Bahnhof werden. „Die Orts- und RVO-Busse müssen besser eingebunden werden“, sagt Löwis. Ein Fahrradverleih (auch E-Bikes) ist ebenso angedacht wie Platz für Carsharing und Ladestationen für Elektroautos. Die Herausforderung besteht darin, diese „Verknüpfungspunkte für multimodale Wegeketten“ (Kaulen) ideal aufeinander abzustimmen. Der Bahnhof könne zum Aushängeschild für vernetzte Mobilität werden, glaubt Skorka. Sie sieht Potenzial speziell für Radler: Holzkirchen könne zum „touristischen Brückenkopf“ zwischen München und Voralpenland aufsteigen.

Wahrscheinlich bekommt der Bahnhof eine zweite, auch für Radler nutzbare Unterführung auf Höhe Reitschulweg. Dafür winken Zuschüsse, bezahlen müsste das aber hauptsächlich die Gemeinde.

Bahnhofs-Vorplatz

„Der Bahnhof ist derzeit nicht gut sichtbar“ stellt Skorka fest. Der Freibereich sei „eher unübersichtlich“, Wegebeziehungen nicht ablesbar. Das müsse sich ändern. Skorka fordert ordnende Strukturen und warnt davor, uneinsehbare Areale zu schaffen, die zu „Angsträumen“ mutieren. Großzügig, hochwertig, einladend sei die Freifläche zu gestalten.

Einkaufen

Eine Shopping-Mall wie das HEP wird es am Bahnhof wohl nicht geben. Skorka empfiehlt, trotz der für Einzelhändler attraktiven Lage nur bestimmte Sortimente und ausgewählte Gastronomie zuzulassen. „Wir müssen vermeiden, dass unser Ortskern ausblutet“, sagt Löwis. Deswegen soll das Einzelhandelsgutachten aktualisiert werden, das die Gemeinde im Vorfeld der HEP-Ansiedlung erstellen hatte lassen.

Neue Gebäude

Das alte Bahnhofsgebäude wird wohl weichen. Ein markanter Neubau in „hochwertiger Gestaltung“ (Skorka) soll Blickfang und architektonische Visitenkarte Holzkirchens werden. Skorka deutete an, dass das Gebäude durchaus größer in Höhe und Breite ausfallen dürfe. Mögliche Nutzungen sind viele vorstell- und kombinierbar: Läden, Clubs, Büros für die BOB, Behörden, ein größeres Kino, unter Umständen sogar ein Hotel.

Konkrete Überlegungen gibt es für ein „Pendlerhaus“, das mit einem Parkhaus funktionieren könnte. Die Idee: Angestellte von Münchner Firmen, etwa aus dem Isarwinkel, müssen nicht tagtäglich in die Landeshauptstadt pendeln, sondern finden in Holzkirchen einen Arbeitsplatz, eine Art „Home office“.

Mindestens für das Bahnhofsgebäude sind private Investoren gesucht. „Da gibt’s reges Interesse, auch aus Holzkirchen selbst“, sagt Pichler.

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