Frank Strathmann (v.l.), Norbert Strauß, Erwin Kammerer und Franz Kestler von der Projektgruppe Geo-Lehrpfad
+
Der neue Geo-Lehrpfad führt auch am Koordinatenstein an der Baumgartenstraße vorbei. Frank Strathmann (v.l.), Norbert Strauß, Erwin Kammerer und Franz Kestler von der Projektgruppe Geo-Lehrpfad freuen sich auf die Eröffnung.

Mit Infotafeln und Exponaten

Neuer Geo-Lehrpfad in Holzkirchen: Auf den Spuren der Eiszeit

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
    schließen

Geothermie, Teufelsgraben, eiszeitlicher Materialtransport: Beim neuen Geo-Lehrpfad in Holzkirchen können Radler und Wanderer einiges lernen.

Holzkirchen – Im Raum Holzkirchen lassen sich viele Spuren der jüngsten Eiszeit in der Landschaft entdecken. Etwa glazialmorphologische Phänomene, die Aufbau und Entstehung der Oberflächenformen zeigen, die durch Gletscher und deren Schmelzwässer entstanden, sowie vegetationsgeschichtliche Prozesse. „Unsere Intention war es, geo-wissenschaftliche Inhalte allgemein verständlich und so weit wie möglich, im wahrsten Sinne des Wortes, begreifbar darzustellen“, sagt Norbert Strauß.

Lehrpfad eignet sich für Radler und Wanderer

Das Ergebnis ist der neue Geo-Lehrpfad in der Marktgemeinde, der sich neben geologischen Themen auch solchen wie Wald, Naturschutz, Landwirtschaft, Grundwassergewinnung oder Geothermie widmet. Er eignet sich für Radler und Wanderer. Projektträger ist die Bürgerstiftung Holzkirchen, das Management übernahm die Projektgruppe Geo-Lehrpfad, der Strauß, Frank Strathmann, Erwin Kammerer und Franz Kestler angehören. Die Gesamtkosten liegen laut Strathmann zwischen 40 000 und 50 000 Euro. Der Hauptteil werde über das Leader-Programm und die Gemeinde finanziert (wir berichteten), die ebenfalls bei der Erstellung beteiligt war. Darüber hinaus gibt es viele weitere Partner und Förderer.

24 Stationen mit Infotafeln

Der Lehrpfad umfasst zwei Routen mit insgesamt 24 Stationen, die mit Infotafeln ausgestattet sind. Per QR-Code lassen sich weitere Hintergründe abrufen. Die Nordroute ist 16 Kilometer lang und startet und endet am Holzkirchner Bahnhof. Sie passiert zum Beispiel den Teufelsgraben, ein ehemaliges Schmelzwassertal. Dort sowie im Kogl sei der Nagelfluh aufgeschlossen, erklärt Strathmann. „Das ist ein noch älteres Gestein aus einer älteren Eiszeit.“ Auch an der Geothermie macht die Route Halt. Hier erfahren Besucher, dass sich die für die Geothermie wichtigen Weißjurakalke (Malmkalke) in circa 5000 Metern Tiefe befinden. Sie wurden im Oberjura vor 164 bis 145 Millionen Jahren in einem flachen subtropischen Meer abgelagert. Wegen zahlreicher Hohlräume führt das Malmgestein viel Wasser. Dieses heiße Thermalwasser dient der heutigen Energiegewinnung.

Drei Exponate liegen auf Südroute

Die Südroute erstreckt sich über 19 Kilometer, ihr Start- und Endpunkt liegt am Herdergarten. Dort steht eines von drei Exponaten, die Steingalerie. „Dabei werden Gesteine präsentiert, die hier im Untergrund vorkommen“, sagt Strathmann. Sogenannte „Rolling Stones“. Denn auf seinem 300 Kilometer langen Weg vom Oberengadin durch das Inntal bis ins Alpenvorland habe der Inngletscher viele verschiedene Gesteinsformationen durchquert und wie ein großes Förderband von überall Material mitgenommen, ergänzt Strauß. Auf der Südroute ist ferner das zweite Exponat zu bewundern, der Koordinatenstein an der Baumgartenstraße, der laut Strathmann die geografische Lage von Holzkirchen symbolisiert. Auf einem eiszeitlichen Findling befindet sich eine Weltkugel-Gradnetz-Skulptur. Weiterhin sind dort die Mittelpunkt-Koordinaten von Holzkirchen zu finden. Die Gemeinde liege auf einem Breitenkreis mit Orléans in Frankreich oder Seattle in den USA. Die Route führt weiter über den Hackensee, einen einstigen Moränenstausee. Am Hahnhof in Großhartpenning wartet das dritte Exponat: Eine Steinsäule, bei der sich mehrere Steine übereinanderschichten, „wie bei den Bremer Stadtmusikanten“, scherzt Strathmann. Hier seien verschiedene Abrundungsgrade von Geröllen zu beobachten. Die Säule zeigt von unten nach oben die Entwicklung vom eckigen Gesteinsbrocken über das kantengerundete und gut gerundete Stadium bis hin zum sehr gut gerundeten Geröll. Vereinfacht gesagt: „Je gerundeter, desto weiter gereist.“ Allerdings hänge das auch stark von der Gesteinsart ab.

Erwin Kammerer meint: „Während der mehrjährigen Vorbereitungszeit konnte ich selber sehr viel über die landschaftlichen Besonderheiten unserer Heimatgemeinde lernen.“ Das Ergebnis könne sich sehen lassen: „Der neue Geo-Lehrpfad ist ein hervorragendes, landschaftsnahes Bildungsangebot für das Oberland“, findet Strathmann. Diesen Freitag wird der Pfad offiziell eingeweiht.

Weitere Infos

gibt es auf: www.geo-lehrpfad-holzkirchen.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare