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Neun-Euro-Ticket: Volle Züge, aber kein Chaos - BRB-Chef fürchtet „kurzen Hype“

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Von: Andreas Höger

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Oft blieben nur Stehplätze: Am ersten Neun-Euro-Wochenende waren die BRB-Züge noch voller als sonst, das befürchtete Chaos aber blieb aus.
Oft blieben nur Stehplätze: Am ersten Neun-Euro-Wochenende waren die BRB-Züge noch voller als sonst, das befürchtete Chaos aber blieb aus. © Thomas Plettenberg

Das befürchtete Chaos ist ausgeblieben. „Es lief besser als wir dachten“, fasste Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der Bayerischen Regio-Bahn (BRB), die Erfahrungen des ersten Neun-Euro-Ticket-Wochenendes zusammen. Trotzdem glaubt er nicht an die Durchschlagskraft des Extrem-Rabatts: „Ich fürchte, es wird ein kurzer Hype, der uns langfristig nicht weiterbringt.“

Holzkirchen – Überfüllte Züge, genervte Fahrgäste, aggressive Stimmung an Bahnsteigen: Den BRB-Verantwortlichen am Stammsitz in Holzkirchen schwante wenig Gutes, als klar war, dass das von der Politik schnell aus dem Hut gezauberte Neun-Euro-Ticket ausgerechnet mit den Pfingstferien und einem Montags-Feiertag startet. Besonders im Fokus standen die ohnehin stark frequentierten Oberland-Äste.

„Wir waren gespannt, wie das läuft“, erklärte Schuchmann gestern bei einem Pressegespräch. Der befürchtete „Overkill“ jedoch trat nicht ein. „In keinem unserer fünf Netze müssten wir Züge wegen Überfüllung räumen“, berichtet Schuchmann, „wir konnten alle Fahrgäste mitnehmen.“

Nur einige Radler mussten zurückbleiben

Ausnahmslos alle, das freilich nicht. „Einigen Radlern mussten wir den Zutritt zu vollen Zügen verwehren, weil die Fahrräder einfach nicht mehr in die Züge gepasst haben“, sagt der BRB-Chef. Wer zurückbleiben und auf den nächsten Zug warten muss, entlädt seinen Frust gerne in Aggressivität. „Ich hatte mit Randalen gerechnet“, gesteht Schuchmann. An den Oberland-Bahnhöfen hatte die BRB deswegen neben „Reisenden-Lenkern“, die Fahrgäste besser in den Zügen verteilten, auch zusätzliches Sicherheits-Personal eingesetzt. „Aber es gab nirgends Ärger – selbst die zurückgebliebenen Radler waren einsichtig.“

Der BRB-Chef vermutet, dass die Berichterstattung im Vorfeld deeskalierend wirkte. Die Appelle, nur kleines Gepäck mitzunehmen, auf Fahrräder zu verzichten und Stoßzeiten zu vermeiden, hätten wohl gefruchtet. Im Oberland gelangen am Samstag und Sonntag laut Schuchmann sogar Pünktlichkeitsraten von über 95 Prozent.

Besonders im Netz Ostallgäu-Lechfeld der BRB half das Neun-Euro-Ticket, wieder an das Fahrgast-Aufkommen der Vor-Coronazeit anzuknüpfen. Doch Schuchmann traut dem Braten nicht: „Mal schauen, wie viele im September dem Zug treu bleiben, wenn es kein Neun-Euro-Ticket mehr gibt.“ Der dreimonatige Extrem-Rabatt schießt für den BRB-Geschäftsführer übers Ziel hinaus. „Verschwendetes Geld“, findet Schuchmann. Ein 29-Euro-Ticket hätte womöglich einen ähnlichen Effekt erzielt. „Jeder weiß: Was nichts kostet, ist nichts wert.“

Die BRB sehe zwar die Chance, dem Bahnverkehr neues Klientel zu erschließen und sei motiviert, durch reibungslose Abläufe und Pünktlichkeit Werbung in eigener Sache zu machen. Doch ob der Super-Rabatt mehr auslöst als einen kurzfristigen Hype, daran zweifelt Schuchmann. „Ich glaube nicht, dass dieses Modell nachhaltig wirkt.“

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