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Michael Dräger gastiert mit seiner 65 Jahre alten Schiffschaukel derzeit auf dem Holzkirchner Frühlingsfest. 

Nostalgie auf dem Frühlingsfest Holzkirchen

Die alte Schiffschaukel und ihr junger Betreiber

Holzkirchen – Sie sorgt für den richtigen Schwung auf dem Holzkirchner Frühlingsfest - und das, obwohl sie 65 Jahre auf dem Buckel hat: Am Herdergarten gastiert derzeit eine historische Schiffschaukel. Ihr Betreiber ist nicht mal halb so alt. 

Es ist wie ein Schritt zurück in die gute alte Zeit, als noch nicht alles blinkte und hupte und sich von alleine um die eigene Achse drehte. Wer eine Schiffschaukel betritt, der muss sich anstrengen, kann als Mann die ihm gegenübersitzende Angebetete mit seiner Muskelkraft beeindrucken. Die Schiffschaukel ist ein wenig aus der Zeit gefallen und doch ein beliebtes Fahrgeschäft wie eh und je. So beliebt, dass sie heuer wieder auf dem Frühlingsfest in Holzkirchen steht – nach sechs Jahren Pause. 

„Happy Hawaii“ heißt das nostalgische Fahrgeschäft von Michael Dräger, das nicht mit Nervenkitzel, Geschwindigkeit und lauter Musik um Besucher buhlt und das nicht verspricht, sie dadurch in einen kurzen Rausch zu versetzen. Diese Schiffschaukel stammt aus den 50er-Jahren, als die Technik gerade so weit war, den Fernseher zum Laufen zu bringen. 

Wer sich für eine Fahrt mit ihr entscheidet, muss selbst ran. Kein automatisiertes Durchschütteln, statt dessen ist Muskelkraft und vor allem Bein- und Oberkörpertechnik gefragt. „Abends kommen vor allem junge Männer und messen ihre Kräfte“, sagt Dräger. Eine Fahrt kostet 2,50 Euro und dauert mindestens sechs Minuten. „Wenn wenig los ist, dürfen die Gäste so lange fahren, wie sie mögen.“ Begleitet von Oldies und Schlagern. „Hier geht es eben etwas gemütlicher zu“, sagt der 28 Jahre alte Besitzer.  Und heuer noch etwas gemütlicher: Beim Aufbau ist die Überschlagschaukel kaputt gegangen. Somit geht es heuer nur vor und zurück und nicht auch noch über Kopf. 

Seit 1979 ist die Schiffschaukel schon im Besitz der Schaustellerfamilie Dräger. Mit 17 Jahren übernahm Sohn Michael das Fahrgerät. Früher sei er deutschlandweit unterwegs gewesen. Mittlerweile lohne die weite Fahrerei nicht mehr. Dräger, der aus Bodenkirchen im Landkreis Landshut kommt, beschränkt sich mittlerweile auf den Einsatz der Schaukel in Bayern – meist sogar nur noch auf das Oberland. „Die Menschen werden immer fauler und wollen sich lieber schaukeln lassen. Körperlicher Einsatz ist out.“ Hier in Holzkirchen dagegen, freut sich der Aussteller, werde die Schaukel gut genutzt. Hier war es ein ausdrücklicher Wunsch der Besucher, dass mal wieder eine Schiffschaukel auf dem Frühlingsfest steht. 

Damit der acht Tonnen schwere Koloss endlich steht, müssen alle mit anpacken: neben zwei Angestellten auch Ehefrau Ramona, Oma Valentina und Mutter Marie-Theres. Einen ganzen Tag dauert der Aufbau, zusammengeräumt ist er innerhalb einer Nacht. Der Zusammenhalt der Familie ist es auch, warum Dräger überhaupt von Volksfest zu Volksfest reist: „Ich bin mein eigener Herr, und meine Frau und meine beiden Töchter sind immer bei mir.“ Ebenso wie einige Stammkunden. Sie reisen der Schiffschaukel sogar nach. „Die lieben sie“, sagt Dräger. 

Das tut auch Christian Leitner aus St. Quirin am Tegernsee. Er ist mit Sohn Max (9) zum Frühlingsfest gekommen. Das sanfte Hin- und Herschaukeln erinnert den 43-Jährigen an die Volksfestgaudi seiner Kindheit. „Bei mir fährt viel Nostalgie mit.“ Vielleicht geht es Max auch einmal so, wenn er älter ist und an diese Fahrt zurückdenkt. Noch ist er etwas unsicher, ob die Schiffschaukel auch den Spaß hält, den sie verspricht. Doch dann, beim Aussteigen sagt er: „Es hat so schön im Bauch gekribbelt."

Kathrin Suda

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