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Rund 500 Lehrer aus Oberbayern kamen zum Schulentwicklungstag ans Gymnasium Holzkirchen. Sie folgten zum Abschluss einer Podiumsdiskussion.

Oberbayerischer Schulentwicklungstag in Holzkirchen

Hausaufgaben im Fach Digitales

Für die Schüler ist die digitale Welt längst Teil ihres Alltags, den sie nie anders kennenlernten. An den Schulen gibt‘s diesbezüglich noch Nachholbedarf. Wie Lehrer und Ministerium ihre Hausaufgaben machen können, war jetzt Thema beim Oberbayerischen Schulentwicklungstag in Holzkirchen. 

Holzkirchen – Die digitale Welt dreht sich rasant und unaufhörlich. Die digitale Schulwelt könnte hingegen noch ein wenig an Fahrt aufnehmen. Jetzt fand zum Thema „Lehren und Lernen in einer digitalen Welt“ der Schulentwicklungstag für Oberbayern statt.  

Rund 500 Lehrkräfte kamen ins Staatliche Gymnasium Holzkirchen, um an 25 Foren zu Themen wie „Medienrechte und Datenschutz“, „Medienentwicklung“, „Gefahren im Umgang mit Medien“ und „iPads im modernen Fremdsprachenunterricht“ und Vorträgen teilzunehmen – allesamt waren ausgebucht. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion, die Philipp Grammes vom Bayerischen Rundfunk moderierte. Auf dem Podium saßen Berthold Steinmann von Bosch Engineering in Holzkirchen, Tobias Frischholz, Medienpädagogischer Informationstechnischer Berater, Dominik Sailer, Bezirksschülersprecher Gymnasien Oberbayern-Ost, Oberstudienrat Egon Birner und Ernst Fischer, Ministerialbeauftragter für Realschulen. 

Sailer, der das Gymnasium Bruckmühl besucht, forderte die Lehrer auf, bei digitalen Unsicherheiten ruhig auch mal einen Schüler zu fragen. „Es gibt in jeder Klasse einen Nerd wie mich, der gerne hilft. Das wäre auch gut für die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler.“ Seiner eigenen Schule würde er in Sachen Digitalität die Note 2- geben: „Die Substanz ist schon da, es kann aber noch einiges verbessert werden.“ Vor allem für Recherchezwecke dürfen an seiner Schule eigene Smartphones eingesetzt werden. „Recherche ohne Internet ist doch gar nicht mehr denkbar heutzutage“, betonte der 18-Jährige. „Das sollte Standard an jeder Schule sein.“ 

Lehrer Birner erklärte dem 500-köpfigen Publikum, dass die Digitalisierung vor allem bei den Pädagogen beginne: „Wie gehen Lehrer mit Präsentationstechniken um, werden Smartphones und Laptops der Schüler in den Unterricht integriert? Die Schulen müssen für sich einen machbaren Weg find“, so der Oberstudienrat. An erster Stelle sieht er die pädagogischen Maßnahmen, dann die Fortbildung der Lehrkräfte und zum Schluss die benötigte technische Ausstattung. Die Lehrpläne werden alle sieben bis zehn Jahre neu herausgegeben. „Wie konkret können wir die Digitalisierung integrieren, ohne dass sie nach kürzester Zeit schon wieder überholt ist?“, stellte Birner in den Raum. „Die Lehrpläne sind im Grunde schon veraltet, wenn sie in Kraft treten.“ 

Man wolle die Schulen ermuntern, mit einem Medienkonzept die Digitalisierung ganz individuell umzusetzen. Wenn eine Schule ein solches Konzept beim Ministerium für Bildung vorlege, erhalte sie finanzielle Mittel für die technische Ausstattung, erklärte der Ministerialbeauftragte Fischer. „Wir bleiben mit diesen Schulen in engem Kontakt und schauen uns auch deren Weiterentwicklung an.“ 

Es genüge aber nicht, einen Tablet-Koffer anzufordern: „Die Sachaufwandsträger, also die Kommunen und Landkreise, wollen wissen, wie die Tablets in den Unterricht integriert werden“, betonte der Medienpädagogische Informationstechnische Berater Tobias Frischholz – auch wenn man nicht immer jeden Trend mitmachen müsse. „Ein bisschen Abstand schadet manchmal gar nicht.“ Bezirksschülersprecher Sailer sieht das anders: „Ich finde, dass die Digitalisierung jetzt stattfinden muss und nicht in drei Jahren. Wir müssen da flexibel sein.“ 

Auch Gastgeber und Direktor des Holzkirchner Gymnasiums, Axel Kisters, nahm an der Veranstaltung teil. „Unser Gymnasium nutzt ja schon viele digitale Tools. Auch wenn die Lehrpläne nur alle sieben bis zehn Jahre erneuert werden, gibt es für uns immer wieder die Möglichkeit, im Unterricht aktuellen Bezug auf Geschehnisse zu nehmen. Das wird sehr stark von den Kollegen genutzt.“ Sein Stellvertreter Andreas Lauer, der auch Schulentwicklungsberater Oberbayern-Ost ist, pflichtet ihm bei: „Wir sind eine neue Schule und auf einem guten digitalen Stand, auch das Kollegium ist sehr aufgeschlossen gegenüber Neuerungen. Da können wir sehr froh sein.“ 

Auch in Holzkirchen gebe es zwar noch keine iPad-Klassen, das Prinzip „Bring Your Own Device“ indes sei schon an der Tagesordnung: „Die Schüler können ihr eigenes Smartphone mitbringen und für Recherche-Zwecke im Unterricht nutzen. Bald werden auch die eigenen Laptops und Tablets zum Einsatz kommen.“

Kathrin Suda

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