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Traditionshaus in bester Lage: Der Gasthof Oberbräu am Marktplatz wurde im Jahr 1605 gegründet. Seit 2009 war Manfred Papst dort Wirt.

Traditionswirtschaft am Marktplatz

Oberbräu droht Leerstand - das steckt dahinter

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Manfred Papst sagt Servus. Am Sonntag verlässt der Wirt den Oberbräu in Holzkirchen. Nach dem Abschied des langjährigen Inhabers droht der Traditionswirtschaft nun der Leerstand.

Holzkirchen – Der Abschied naht. Am kommenden Sonntag, 3. Juni, empfängt Manfred Papst seine Gäste zum letzten Mal im Oberbräu, der Traditionswirtschaft im Herzen der Marktgemeinde. Dann ist für ihn Schluss, er sperrt zu. Genießen kann Papst seine letzten Tage im Oberbräu allerdings nicht. Wer für ihn als Wirt übernimmt? Unklar. „Wir haben immer noch keinen“, sagt Papst, der die Suche in Absprache mit dem Besitzer für diesen übernimmt. Die ungeklärte Nachfolge belastet ihn. „Ich habe ein ungutes Gefühl“, sagt er, und weiter: „Es tut mir sehr leid.“

Kein neuer Wirt – für den Oberbräu bedeutet das erst einmal eines: Leerstand. Selbst wenn sich in den nächsten Tagen eine unerwartete Lösung ergebe, stehe der Oberbräu im Juni und Juli „definitiv“ leer, prophezeit Papst. Dabei hätten bereits sechs Gastronomen ihr Interesse bekundet. Ein geeigneter Kandidat war demnach nicht darunter.

Manfred Papst (58) hat den Oberbräu neun Jahre lang betrieben.

„Einige stehen finanziell nicht gut da, anderen ist der Oberbräu zu groß“, erklärt Papst, der die Gaststätte seit 2009 betreibt, die Absagen. Größtes Hindernis, das weiß er aus eigener Erfahrung, ist es, geeignetes Personal zu finden. Und für einen Betrieb der Marke Oberbräu brauche es mindestens zwölf Mitarbeiter. Die muss man erst einmal zusammenbringen.

Personal nimmt Papst mit ins Bistro

Das aktuelle Personal stünde einem etwaigen neuen Wirt nicht zur Verfügung. Ein großer Teil folgt Papst in sein Bistro, auf das er künftig neben dem Catering seinen gastronomischen Fokus legt. „Die bringe ich alle unter“, sagt Papst. Mit dem Plus an Personal will er ab September dort auch sonntags aufmachen. Diejenigen, die nicht mit umziehen ins Atrium am Holzkirchner Bahnhof, stehen laut Papst nicht im Regen. Sie kämen allesamt woanders unter. Sein Küchenchef etwa koche ab Anfang Juni bereits in einem Münchner Lokal.

Papst selbst blickt bald schon aus seinem Bistro wehmütig zurück zum Oberbräu. Ihn schmerzt es, eines der gastronomischen Flaggschiffe im Ort in eine ungewisse Zukunft segeln zu sehen. Verstehen kann er es nicht. Optimale Lage, gutes Geschäft, treue Gäste: „Ein gemachtes Nest“, sagt Papst. Wenn nur das Personal-Problem nicht wäre.

„Am Sonntag ist definitiv Schluss.“

Dass er selbst nochmals in Bresche springt und weitermacht, schließt er aus. „Am Sonntag ist definitiv Schluss.“ Eine Gnadenfrist hatte er sich und dem Oberbräu bereits vor drei Jahren eingeräumt, als er ein erstes Mal aufhören wollte. Er machte weiter, weil sich kein Nachfolger fand. Eine Entscheidung, die er heute bereut. Er sagt: „Ich setze meine Gesundheit nicht weiter aufs Spiel.“

Die Suche hat der Wirt nun ausgeweitet. Bislang beliefert die König Ludwig Brauerei den Oberbräu mit Getränken. Wie Papst verrät, habe er bereits bei anderen Brauereien angefragt, ob sie das übernehmen wollen würden – und einen Wirt stellen könnten. „Vielleicht haben die eher einen Pächter“, sagt Papst. Die Resonanz? „Bislang null.“

Für ihn neigt sich die Zeit im Oberbräu dem Ende. Zum Abschied hat sich Papst für Sonntag nochmal ein besonderes Schmankerl für seine Gäste überlegt. „Noagal-Trinken und Reste-Essen“, während eine Band spielt. Schließlich muss alles raus. Ein rauschendes Fest als Servus – vielleicht auch, um die Nachfolge-Sorgen wenigstens für einen Abend zu vergessen.

Der Oberbräu ist nicht die einzige Wirtschaft in der Umgebung von Holzkirchen, die ohne Pächter dasteht. Auch der Föchinger Hof und der Schreinerwirt in Kleinhartpenning haben kürzliche ihre langjährigen Wirte verloren.

fp

Abschied mit Flohmarkt

Das Abschiedsfest im Oberbräu beginnt am Sonntag, 3. Juni, um 17 Uhr, ab 18.30 Uhr spielt eine Band. Ab Samstag ab 11 Uhr bis Montag, 4. Juni (11 bis 19 Uhr), verkauft Inhaber Papst Mobiliar und Deko bei einem Flohmarkt.

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