In einem Klassenzimmer der Holzkirchner Realschule haben Lehrer Sebastian Wanninger (M.) und seine Schüler ein Studio für den Livestream aufgebaut.
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Herzstück des Festivals und Sendezentrale: In einem Klassenzimmer der Holzkirchner Realschule haben Lehrer Sebastian Wanninger (M.) und seine Schüler gestern ein Studio für den Livestream aufgebaut. Foto: Andreas Leder

Festival wegen Corona als Stream

Filmtage bayerischer Schulen 2020: Oberland-Realschule wird zum Filmstudio

  • vonKatrin Hager
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27 Filme laufen heute und morgen im Wettbewerb um die Preise beim Filmfest bayerischer Schulen. „Das Festival wandert heuer komplett ins Netz“, sagt der Leiter, Lehrer Sebastian Wanninger. Die Oberland-Realschule in Holzkirchen dient dafür als Filmstudio.

Holzkirchen – Normalerweise herrscht seit 2018 an diesem Wochenende im Oktober an der Oberland-Realschule in Holzkirchen großer Bahnhof. Heuer bleibt es still im Schulhaus. Es sind keine 300 Schüler aller Schularten aus ganz Bayern mit ihren Lehrern zu Gast, die Aula ist keine Kinobox, es gibt keine Film-Workshops. Wegen Corona. Immerhin: Die Filmtage bayerischer Schulen finden trotzdem statt. Das war Festivalleiter Sebastian Wanninger wichtig, der an der Oberland-Realschule die drei Filmklassen in den Jahrgangsstufen fünf und sechs sowie die jahrgangsübergreifende Filmgruppe betreut. Ein Stück Kontinuität im Alltag, den die Pandemie so sehr durcheinanderbrachte. Aber: Das Festival läuft übers Internet. Die Filme werden in Blöcken gestreamt, die Filmbesprechungen finden anschließend via Zoom-Konferenz statt.

In die Schule kommt heuer nur die zehnköpfige Jury, die die Gewinner aus den 27 Beiträgen auswählt, die es in den Wettbewerb geschafft haben. Statt der Kinobox in der Aula gibt es heuer ein kleines Fernsehstudio in einem Klassenzimmer, das gestern aufgebaut wurde, samt Mischpult und aller nötigen Technik. Von hier aus streamen Schüler der Realschule die Filmtage am Freitag und Samstag, 16. und 17. Oktober 2020, live ins Internet. Sogar eine Greenbox gibt’s, die als Hintergrund der Moderatoren virtuell ausgetauscht werden kann. „Es sind etwa 25 Leute vor Ort, die das Herz des Festivals bilden“, sagt Wanninger. So sieht ein Filmfestival in Corona-Zeiten aus – das DOKfest in München lieferte das Vorbild. Mit einem Unterschied: Das Publikum besteht ausschließlich aus geladenen Gästen. Nur die Lehrer der teilnehmenden Filmgruppen bekommen das Passwort für den virtuellen Zutritt. „Aus Datenschutzgründen, damit die Kinder nicht im Netz erscheinen“, erklärt Wanninger. Der geschützte Raum bietet auch einen Vorteil gegenüber dem üblichen Schulfilm-Festival: „Normalerweise werden nur die Gruppen eingeladen, die im Wettbewerb laufen“, erklärt der Leiter. „Jetzt können aber alle kucken.“ Die Gruppen, die es nicht in die Vorauswahl schafften, sehen also, was die Konkurrenz vielleicht besser gemacht hat und kann sich inspirieren. Damit ein bisschen Festival-Gemeinschaftsgefühl aufkommt, schauen die Filmgruppen den Stream zusammen mit ihren Lehrern.

Filmtage bayerischer Schulen: 76 Einsendungen gingen ein - trotz Corona

Wanninger ist überrascht, dass heuer überhaupt so viele Einsendungen kamen – 76 an der Zahl. Denn Corona hat vieles verhindert. Die Oberland-Realschule selbst etwa hat heuer keinen Beitrag. „Das erste Mal seit zwölf Jahren habe ich keinen Film eingereicht“, seufzt der Filmlehrer. Angesichts Homeschooling und Präsenzunterricht vor geteilten Klassen sah er schlicht organisatorisch keinen Spielraum mehr dafür. „Da lag der Fokus auf dem Kerngeschäft.“ Die jahrgangsübergreifende Filmgruppe musste ohnehin aussetzen – Klassen müssen wegen Corona strickt getrennt bleiben. Gemeinsam die Filme zu schauen, ist für die Holzkirchner Filmschüler heuer auch nicht drin. Dafür wäre zusätzliches Aufsichtspersonal aus der Lehrerschaft nötig gewesen – Wanninger selbst ist während des Festivals ja gebunden. „Ich hätte gern gewollt, dass die Filmklassen und die Filmgruppe das zusammen erleben können, das ist ein Riesenereignis für sie. Aber ich kann die Kollegen nicht überstrapazieren. Wir hatten schon Klassen in Quarantäne.“ Nach dem Festival werden sie aber ein Best-of zu sehen kriegen, verspricht Wanninger.

Ab kommender Woche beginnen in der Oberland-Realschule die Dreharbeiten für einen Brickfilm mit Legosteinen. Nächstes Jahr will die Oberland-Realschule auf jeden Fall wieder im Wettbewerb vertreten sein. Und vielleicht sogar wieder Preise gewinnen.

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