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Einen Empfang wie hier in Weyarn können sich die Gemeinderäte für die Vereine vorstellen. 

Elf Jahre alter Antrag

Die Odyssee zur Holzkirchner Bürgermedaille

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Eine Odyssee ist eine lange, von Hindernissen geprägte Reise. Auf einer solchen befanden sich eine Holzkirchner Bürgermedaille und ein Vereinsabend in den vergangenen elf Jahren. Die Geschichte eines fast vergessenen Beschlusses.

Holzkirchen – Erstmals Segel setzten die beiden Würdigungen für verdiente Holzkirchner Bürger im Dezember 2008. Die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) beantragte ein Konzept für einen Empfang für Ehrenamtliche. Bis Anfang Februar 2009 schwamm das Schiff in ruhigen Gewässern und nahm schließlich Fahrt auf. Der Hauptausschuss sprach sich zwar gegen einen Ehrenamts-Empfang aus, da es schwierig sei, die Ehrenamtlichen und nicht die Vorsitzenden der Vereine zusammenzubringen. Doch ein Treffen der Vereinsvertreter und -engagierten sei möglich. Dem stimmte die FWG zu. Im gleichen Zug brachte der damalige Bürgermeister Josef Höß (CSU) eine Bürgermedaille, die nur unter sehr strengen Kriterien und sehr selten vergeben werden sollte, ins Rennen.

Mit Wind in den Segeln näherte sich das Schiff dem Heimathafen. Der Gemeinderat stimmte am 26. März 2009 dem Antrag zu und beauftragte die Verwaltung, Konzepte für eine Bürgermedaille und darüber hinaus einen Abend für Vereine zu erstellen. Die Fraktionen im Gemeinderat sollten Anregungen abgeben. „Es sind keine Anregungen gekommen“, erklärte Geschäftsleiter Robert Haunschild jetzt im Gemeinderat. „Die Verwaltung hätte nachhaken können“, gab er auch zu.

Statt sicher in den Hafen einzulaufen, zerrte die Strömung die Vorhaben wieder hinaus aufs offene Meer. Projekte wie der Bau der Nordspange und des HEP, die Realschul-Erweiterung oder die Geothermie-Untersuchungen – um nur ein paar wenige zu nennen – waren dringlicher, ließen Bürgermedaille und Vereinsabend in Vergessenheit geraten.

Dasch beantragte Bürgermedaille erneut

Hubert Müller

Bei der Bürgerversammlung 2014 war kurzzeitig Land in Sicht, ein Bürger beantragte einen Neujahrsempfang. Höß habe die Entscheidung dem neuen Gemeinderat überlassen wollen, erinnerte sich Martin Taubenberger (FWG).

So trieben die Vorhaben weiter ziellos umher, bis zum 12. November 2019. Für die SPD-Fraktion beantragte Elisabeth Dasch erneut eine Bürgermedaille. Nach über zehn Jahren erinnerte sich keiner an den verschollenen Beschluss. Fast keiner. Lediglich Hubert Müller (FWG) fühlte sich in der ersten von zwei Gemeinderatssitzungen in der vergangenen Woche ins Jahr 2008 zurückversetzt.

Podiumsdiskussion in Holzkirchen: Nuancen machen den Unterschied.

In den folgenden zwei Tagen durchkämmte Geschäftsleiter Haunschild das Archiv und stieß auf die Geschichte des fast vergessenen Beschlusses, die er dann in der zweiten Sitzung vortrug. Erneut fand die Idee Anklang. Sowohl Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) als auch Martina Neldel (Grüne) sprachen sich dafür aus. Taubenberger regte an, auch verdiente Sportler zu einem möglichen Empfang einzuladen.

Wenn Ansätze umgesetzt werden: Dasch zieht Antrag zurück

Elisabeth Dasch

Sebastian Franz (CSU) gab bei der Bürgermedaille den Mahner: „Wir müssen uns einen raussuchen, dabei hätten es so viele verdient.“ Er wolle die Entscheidung nicht treffen. Robert Wiechmann (Grüne) betonte, dass eine Bürgermedaille nur sparsam vergeben werden dürfe. „Das ist auch heikel.“ Da stimmte ihm Dasch zu: „Eine Medaille war sparsam gedacht, aber trotzdem als Zeichen der Wertschätzung.“ Für Franz Obermayr (SPD) war wichtig, dass dabei nicht nur Ehrenamtliche berücksichtigt werden.

Unter der Maßgabe, dass die schon 2009 angedachten Konzepte zeitnah umgesetzt werden, zog Dasch ihren Antrag vom vergangenen November zurück. Das Schiff läuft in den Hafen ein. Jetzt muss es nur noch vertäut werden.

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