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Spannungsreiche Dynamik zeigt Maler Reinhold Schmid in dieser abstrakten Collage, wie ein Tanz der Moleküle. Rund 50 Gemälde stellt der Valleyer Maler derzeit in Holzkirchen und Miesbach aus.

Valleyer Reinhold Schmid stellt in Holzkirchen und Miesbach aus

Offensive in der Waagrechten

Die Waagrechte hat es Reinhold Schmid einfach angetan. Sie ist Dominante und Konstante zugleich in seinen Arbeiten. Das gilt auch in den neuen Werken, die der Valleyer Maler nun in zwei zeitgleichen Ausstellungen im Kultur im Oberbräu in Holzkirchen und im Waitzinger Keller in Miesbach zeigt.

Holzkirchen– „Kontrollierte Offensive“ nennt Schmid seine aktuelle Werkschau, die im Kultur im Oberbräu bereits seine dritte ist – hier hatte Schmid auch die Ausstellung zur Eröffnung des Kulturzentrums 2010 bestritten. Den Titel hat er einem Ausspruch von Fußballtrainer Otto Rehhagel entliehen, womit gemeint sei nach vorne zu gehen, ohne die Deckung zu riskieren. Bei der Vernissage am Sonntag in Holzkirchen gaben mehr als 60 Besucher dem Maler die Ehre.

Rund 50 Gemälde in Acrylfarbe auf Leinwand oder Holz, teilweise auch Collagen zeigt Schmid in den Ausstellungen der beiden großen Kulturhäuser im Landkreis, die seit zwei Jahren eng kooperieren. Etwa 35 davon sind nagelneu. Schmid hat sie erst im vergangenen halben Jahr gemalt, nachdem ihm die Ausstellung angetragen wurde.

Am letzten Bild für die Werkschau hatte Schmid noch am Vormittag vor der Vernissage Hand angelegt, verrät er. Es ist eines der wenigen, das einen Namen trägt: „Mangfallherbst“. Und es steht für einen Anfang: „Ich habe vor, eine Serie zur Mangfall zu machen“, sagt Schmid. In knallig-warmem Gelb und Orange leuchten Buchenblätter an einem Zweig vor dem genüsslich ausgereizten Kontrast des – natürlich – waagrecht ausgerichteten Hintergrunds aus beinahe verschwimmendem Fluss und Uferstreifen in olivgrünen Tönen.

Die Waagrechte, die Schmid als grafische Konstante immer wieder aufgreift, findet sich ja naturgemäß auch am Wasser wieder, im Uferstreifen, am Horizont. Das mag seine Vorliebe für Wasser als Motiv mit erklären. Und sie bildet gewissermaßen den Brückenschlag zwischen Schmids naturalistischeren Gemälden von Landschaften etwa an Seehamer See und Schliersee, Kirchsee, Hackensee und Tegernsee – und seinen abstrakten Arbeiten. Letztere strengen ihn in der Tat mehr an im Schaffensprozess – schließlich gibt es für den Maler keine Ziellinie, an der man ein „Fertig“ wirklich festmachen könnte.

Dabei setzt Schmid auch mal die Vertikale gekonnt ein – als Format, um damit fast schon frech wiederum die Horizontale in Szene zu setzen, wie in einer namenlosen abstrakten Reihe. Unwillkürlich sucht das Gehirn des Betrachters darin einen Anker zur Realität und wird in einem auch fündig, assoziiert leicht eine Nahaufnahme von Reflexionen auf Wasser, Wolkenbilder auf kräuselnden Wellen. In einem weiteren Bild der Serie gibt es dafür keine Chance mehr, so kantig hat Schmid die Linien kontrastiert.

Das Spiel mit den geometrischen Formen und Kontrasten treibt der Valleyer in einigen Collagen noch weiter. Notenblattfragmente und Fasergewebe, beides zu kantigen Vierecken geschnitten, steckt der Künstler auf knapp 40 Zentimetern Höhe und 1,10 Metern Breite zusammen mit Kreisflächen, Quadraten und Rechtecken aus Acrylfarbe in Blautönen und Gelb, die sich hier und dort zu Neongrün verbinden. Es entsteht eine spannungsreiche Dynamik, ein Sich-Abstoßen und Sich-Anziehen, aber auch ein sachtes SChweben – ähnlich wie in der Chemie, fast wie ein Tanz der Moleküle. Hier kommt der Titel der Ausstellung dem Betrachter wirklich nah: eine kontrollierte Offensive.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung von Reinhold Schmid ist bis 25. Oktober 2018 im Foyer des Kultur im Oberbräu zu sehen (dienstags bis sonntags 16 bis 23 Uhr, mittwochs auch 10 bis 12, samstags und sonntags auch 10 bis 13 Uhr). Im Foyer Ost des Waitzinger Kellers in Miesbach ist die Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr und bei Veranstaltungen zu sehen. Im Waitzinger Keller endet die „Kontrollierte Offensive“ erst am Sonntag, 28. Oktober, mit einer Vernissage um 18 Uhr.

Katrin Hager

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