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„Wir brauchen eine Halle“: Der Förderverein um den Vorsitzenden Josef Wochinger (5.vl.) verleiht seiner Forderung mit Transparenten, Schirmen und Schals Nachdruck. Letztere verkauft der Verein, um Gelder zu generieren.

Zum 60. Geburtstag des Hubertusstadions 

Ohne neue Eishalle in Holzkirchen: „Der Eissport wäre finito“

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Das Holzkirchner Eisstadion wird 60. Seine besten Jahre hat es aber hinter sich. Ein Förderverein setzt sich für eine Eishalle ein. Im Interview erklärt der Vorsitzende die Hintergründe.

Holzkirchen – Genau heute vor 60 Jahren fegte der Eishockeyclub Holzkirchen die Münchner Stadtauswahl mit 8:2 vom Eis. Es war das erste Spiel im nagelneuen Hubertusstadion. Ein Auftakt nach Maß. Es folgten Partien mit 3000 Zuschauern, der Oberligapokal 1967 und die Jugendmeisterschaft 1972. Das neue Stadion war das Sprungbrett für den Höhenflug der Holzkirchner Eishackler. Heute sieht das ganz anders aus. Das Eisstadion an der Thannerstraße ist in die Jahre gekommen, jährlich stecken die Gemeindewerke viel Geld in die Instandhaltung. Mit seinem Förderverein setzt sich der Vorsitzende Josef Wochinger für den Neubau einer Eis- und Mehrzweckhalle ein. Pünktlich zum 60. Geburtstag des Stadions verleiht er diesem Streben Nachdruck. Ein Interview über goldene Zeiten, vage Kosten und handfeste Zukunftsängste.

-Herr Wochinger, würden Sie sich als Nostalgiker bezeichnen?

In dem Sinn bin ich ein Nostalgiker, ja. Wenn ich mit 63 Jahren bereit bin, mich in einem Förderverein für eine Mehrzweck- und Eishalle zu engagieren, um dem Eissport in Holzkirchen wieder zu altem Glanz zu verhelfen.

-Andererseits könnte man sagen, Ihre Nostalgie geht nicht allzu weit. Immerhin wollen Sie das Eisstadion, das gerade 60 wird, in Rente schicken – trotz aller Verdienste.

(lacht) Darum geht’s ja gar nicht. Das Eisstadion hat seinen Dienst getan. Wirklich wahr. Aber es ist nicht mehr zeitgemäß. Wir hängen uns aber voll rein, damit Holzkirchen endlich ein tolles, überdachtes Eisstadion bekommt, beziehungsweise eine Mehrzweckhalle.

-Warum braucht es die Halle überhaupt?

Zum einen wäre bei einer überdachten Eishalle das ganze Jahr über der Spielbetrieb möglich. Alle sieben Mannschaften, die permanent im Spielbetrieb sind, könnten das Eis mehr als nur vier Monate nutzen. Bei uns ist Eiszeitbeginn Anfang November. Da spielen andere ja schon lange oder schießen Eisstock.

-Allerdings soll die Halle ja nicht nur den zugutekommen kommen.

Richtig. Die Mehrzweckhalle wäre ja auch anders nutzbar, für Events, für Konzerte. Aktuell besitzt Holzkirchen keine Halle mit einer Größe zwischen 1000 und 15000 Zuschauern. Nur den Festsaal im Oberbräu, und der fasst maximal 500 Personen. Viele Comedians zum Beispiel suchen ja gerade nach Hallen für gut 1000 Zuschauer. So könnte man die Halle dauerhaft auslasten. Wir würden auch Gemeinden ringsum ansprechen, die Eiszeit oder die Halle mieten könnten. Das wäre ein Riesenwurf für die Region.

-Seitens der Gemeinde ist man der Idee einer neuen Halle zumindest nicht abgeneigt.

Nein, aber wir müssen einfach viel Vorarbeit leisten, um es der Gemeinde schmackhaft zu machen und ihr zu verklickern, wie eine solche Halle aussehen könnte. Deswegen ist der Förderverein gegründet worden. Das ist unsere Hauptaufgabe.

-Sie werben intensive um neue Mitglieder und Spenden.

Wir sind seit September dran, uns auf Märkten und größeren Veranstaltungen darzustellen und Spenden zu sammeln. Wir haben zum Beispiel Schals prägen lassen, um zu zeigen, dass man in einem Freiluftstadion bei diesen Witterungen nicht mehr spielen kann und keinen Eiskunstlauf betreiben kann.

-Wie ist die Resonanz?

Riesig! Wir haben schon über 100 Mitgliedsanträge bekommen in dieser kurzen Zeit.

-Sie sagten, Aufgabe des Vereins sei es, der Gemeinde die Halle schmackhaft zu machen. Der haben die möglichen Kosten bislang aber so gar nicht geschmeckt.

Die Kosten, die vage im Raum stehen, hat uns der Planer nicht gesagt. Wir wissen nicht, um welche Kosten es sich handelt. Das hängt doch von der Hallengröße ab und davon, wie wir sie ausschmücken.

-Auf Ihrer Versammlung im Oktober sprach der Architekt, der Ihren Verein berät, von bis zu 15 Millionen Euro.

Der Architekt hat mit 15 Millionen gerechnet. Aber wenn es so weit ist, würden wir uns ja mit einer gewissen Summe beteiligen. Wir wollen ja nicht nur sagen: Macht ihr mal. Wir, als Förderverein, sammeln ja auch Geld. Wenn wir ein Konzept haben, wollen wir auch ansässige Firmen ansprechen.

-Bislang fehlte ein Konzept. Wie ist der aktuelle Stand?

Ich würde sagen, in den ersten beiden Januarwochen haben wir ein erstes, grobes Konzept, das wir dann auch präsentieren können.

-Es waren drei, vier Standorte im Gespräch. Wo soll gebaut werden?

Den Standort weiß ich nicht genau. Wir hoffen, dass wir mit der Gemeinde einen entwickeln können, der für alle passt. Wir brauchen eine gute Verkehrsanbindung.

-Gab es schon Gespräche mit der Gemeinde?

Nein, bislang nicht.

-Was würden Sie sich von der Gemeinde wünschen?

Mein Wunsch wäre ein gute Zusammenarbeit zum Wohle von Holzkirchen.

-Eine moderne Eishalle würde auch den Eishockey-Standort Holzkirchen aufwerten. Könnte sie dazu beitragen den Glanz vergangenen Tage zurück zu bringen?

Mit einer neuen Halle könnte ich mir sofort wieder Derbys gegen Miesbach vorstellen. Das wäre eine Traum. Ob ich das noch erleben werde, weiß ich nicht (lacht).

-Sie haben ja zudem eine ganz persönliche Verbindung zum Eisstadion.

Mein Vater, Hubert Wochinger, hat das Stadion finanziert, hat den Grund hergeschenkt, hat das Kunsteisstadion darauf gebaut mit vielen Helfern. Mit gleichem Herzblut gehe ich jetzt an die Sache ran. Sonst würde das Stadion irgendwann still und leise verschwinden, wenn es einmal endgültig kaputt ist. Eishockey Club, Eisstockschützen, Jugendarbeit, das wäre alles finito. Das möchte ich nie sehen, dass es keinen Eissport hier mehr gibt.

-Wie lange geben Sie dem Eisstadion noch?

Die Gemeindewerke machen das ja sehr gut. Sie flicken, was nur geht, schauen, dass es im Spielbetrieb bleibt. Ein paar Jahre gebe ich dem Stadion noch. Eine Dauerlösung ist es nicht.

-Wie sieht der Fahrplan des Fördervereins in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren aus?

Erst das Konzept entwickeln und es dem Bürgermeister vorstellen. Dann abwarten, was die Gemeinde macht und ob wir einen Platz zugesichert bekommen. Wir fordern ja nicht, wir wollen fördern. Mit unseren ganzen Aktionen wollen wir uns bekannt machen, Geld einnehmen, das Konzept auf die Beine zu stellen.

-Wenn Sie in die Zukunft schauen: Die Halle steht, was passiert mit dem Hubertusstadion?

1971 hat es die Gemeinde übernommen, liegt mitten im Ort – ich nehme an, das Grundstück wird zur Wohnbebauung benutzt.

-Also keine Chance, dass die ganz großen Nostalgiker dort dann noch Schlittschuhfahren können?

Nein, ich glaube nicht, dass der Betrieb erhalten bleibt, sobald die Eishalle steht.

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