Gruß aus anderer Zeit: Unter dem Motto Indien strömten vor zwei Jahren viele Maschkera auf dem Marktplatz zusammen. Heuer hat Corona dem Fasching tote Hose verordnet. Die „Damischen“ sind entschlossen, das Versäumte 2022 nachzuholen.
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Gruß aus anderer Zeit: Unter dem Motto Indien strömten vor zwei Jahren viele Maschkera auf dem Marktplatz zusammen. Heuer hat Corona dem Fasching tote Hose verordnet. Die „Damischen“ sind entschlossen, das Versäumte 2022 nachzuholen.

„Damischen“-Chef Josef Sappl jun. im Interview

„Ohne unseren Marktplatz-Fasching besteht die Gefahr, dass zu viele Holzkirchner ihren Humor verlieren“

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Gähnende Leere statt bunter Trubel: Der Marktplatzfasching in Holzkirchen fällt 2021 Corona zum Opfer. „Damischen“-Chef Josef Sappl jun. lässt sich den Humor aber nicht nehmen.

Holzkirchen – Das Motto des Marktplatz-Faschings kommt heuer spaßbefreit daher und lautet: Corona. Die Pandemie bremst die Großveranstaltung des Holzkirchner Faschingsvereins „De Damischen“ ebenso humorlos aus wie die ganze närrische Saison. Tausende bunter Maschkera strömten in den vergangenen 22 Jahren an jedem Faschingssonntag auf den Marktplatz, um gemeinsam abzufeiern. An diesem Sonntag, nominell Faschingssonntag 2021, ist am gleichen Platz höchstens gähnende Leere spürbar.

Um den Faschingssonntag nicht einfach so verpuffen zu lassen, haben sich einige der 140 Mitglieder der „Damischen“ online verabredet. „Kein Motto, mit Maske und gut gelaunt“, sagt Vereinsvorsitzender Josef Sappl junior. Man wolle einen griabigen Nachmittag teilen. Doch wie schwer wiegt der Totalausfall des Straßenfaschings? Im Interview betont der Chef der „Damischen“, dass viel auf dem Spiel steht – nichts weniger als der gute, alte, erfrischende Humor.

Herr Sappl, kein Marktplatz-Fasching in Holzkirchen. Wie groß ist der Schaden für den Ort?

Josef Sappl jun.: „Immens. Wenn Feste ausfallen, ist das immer ein Schaden. Ich hoffe sehr, dass wir den 2022 reparieren können. Ohne unseren Marktplatz-Fasching besteht die Gefahr, dass zu viele Holzkirchner ihren Humor verlieren. Wir Damische sind gefordert, diese armen Menschen bald wieder auf den Pfad der Gaudi zurückzuführen.“

Kann ein Tag MarktplatzFasching so viel bewirken?

Josef Sappl jun.: „Alle reden zurzeit vom Impfen. Unser Marktplatz-Fasching ist so eine Art Massenimpfung gegen Humorlosigkeit. Gott sei Dank haben wir die Dosis in den vergangenen Jahren so erhöht, dass ein gewisser Schutz noch gegeben sein sollte. Da die Impfung heuer ausfallen muss, bitte ich alle Holzkirchner schon jetzt inständig, 2022 ihre Schlechte-Laune-Abwehr beim Marktplatz-Fasching aufzufrischen. Nicht dass noch alles in die Trostlosigkeit abkippt.“

Damischen-Vorsitzender Josef Sappl jun.

Wohin fließt jetzt all die ungenutzte närrische Energie?

Josef Sappl jun.: „Ich hab’ letztens mit meinem Vorstandskollegen Tom Grassinger gesprochen und wir haben uns gefragt, wo wir in den letzten Jahren eigentlich die Zeit hergenommen haben, um die Faschingsaktivitäten zu organisieren. Schon der Wahnsinn, was das Zeit kostet. Man merkt das erst, wenn mal nichts ist – und man trotzdem keine Zeit hat.“

Lässt sich närrische Energie speichern, um 2022 doppelt lustig zu feiern?

Josef Sappl jun.: „Klar geht das. Ich probier’s mit Biertragl. Alle Energie rein, ab in den Keller und bei Bedarf nachtanken.“

„Man muss derzeit vieles ernst nehmen, aber nicht alles“

Welchen Tipp haben die Damischen, um den Lockdown erträglich zu halten?

Josef Sappl jun.: „Es ist wie mit diesem Interview: Man muss derzeit vieles ernst nehmen, aber nicht alles. Ich persönlich habe keine schlechte Laune. Und wer Aufmunterung braucht, dem schicke ich gerne unsere DVD vom Derblecken vor ein paar Jahren im Oberbräu-Festsaal. Oder man schaut sich auf unserer Homepage Bilder vom letzten Marktplatz-Fasching an. Schöne Erinnerungen machen gute Gedanken.“

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Der Corona-Lockdown kommt aber schon auch als Spaß-Lockdown daher.

Josef Sappl jun.: „Das muss aber doch nicht sein. Humor ist meines Wissens nicht verboten, jetzt halt staatlicherseits nur mit Maske. Wir Damische haben mit Maskierung ja sowieso kein Problem. Wir hatten uns sogar überlegt, neben dem Marktplatz-Fasching wieder mal einen Maskenball zu veranstalten. Jetzt stellen wir fest, dass alle Masken tragen. Darauf lässt sich für den Fasching 2022 aufbauen: Ich erwarte, dass die Leute genauso gut mitmachen wie jetzt bei diesem Lockdown.“

Damische im Home-Office, wie muss man sich das vorstellen?

Josef Sappl jun.: „Perücke auf oder Maske, nette Getränke und ein paar schöne Krapfen. Und man macht ja ganze neue digitale Erfahrungen. Zum Beispiel hätte ich nicht gedacht, dass so viele in ihren Online-Konferenzen so wunderbar blöd daherreden. Da habe ich schon Sachen erlebt, wo ich sagen muss, so was Damisches habe ich lange nicht gehört. Da geht was.“

Gibt’s schon Pläne für den Fasching 2022?

Josef Sappl jun.: „Nein, da warten wir noch ab. Wir hoffen jetzt erst mal, dass das Kartoffelfest im Oktober stattfinden kann.“

Was wäre ein schönes Motto für den Marktplatz-Fasching nächstes Jahr?

Josef Sappl jun.: „Da fällt mir spontan China ein, aus gegebenem Anlass. Oder vielleicht „Expeditionen ins Tierreich“, da findet jeder eine Verkleidung.“

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