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Im Holzkirchner Rathaus hängen Porträts der ehemaligen Bürgermeister. In diese Galerie sollte sich auch das Ölgemälde von Olaf von Löwis einreihen. 

Wirbel um Porträt des ehemaligen Bürgermeisters

Olaf von Löwis in Öl: Rathaus hängt Bild wieder ab

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Die Gemeinde hat ein Porträt ihres Ex-Bürgermeisters aufgehängt. Doch darauf war Olaf von Löwis schlecht zu erkennen. Jetzt hat das Rathaus das Bild entfernt. 

Holzkirchen– Als im Mai 2014 Josef Höß als Holzkirchner Bürgermeister verabschiedet wurde, präsentierte ihm sein Nachfolger Olaf von Löwis „Josef Höß in Öl“ – ein Gemälde des Marschaller Malers Albert Wieser. Der Künstler, der 2012 nach schwerer Krankheit verstorben ist, hatte das Porträt 2009 fertiggestellt. Das Werk schmückt seither die Bürgermeister-Galerie im kleinen Sitzungssaal des Rathauses.


Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Löwis ist nun Landrat, der neue Holzkirchner Rathauschef heißt seit 1. Mai Christoph Schmid. Eine weitere Neuerung gibt, beziehungsweise gab es: Kurze Zeit hing neben dem Höß-Porträt quasi „Olaf von Löwis in Öl“ im Sitzungssaal. Doch auf dem Ölgemälde war Löwis kaum wiederzuerkennen. Das hat wohl mit der turbulenten Entstehungsgeschichte des Bildes zu tun.

Der Hintergrund: Laut Rathaussprecherin Cornelia Weber werden die ausgeschiedenen Bürgermeister im Rats- oder Sitzungssaal mit einem Porträt gewürdigt. „Diese Tradition besteht bereits seit einigen Jahren.“ Die Erstellung und das Aufhängen des Porträts sei ein Verwaltungsakt. „Um das Andenken an die ehemaligen Holzkirchner Bürgermeister aufrecht zu erhalten.“ Nachdem der vorherige Maler Wieser nicht mehr lebt, musste sich die Gemeinde nach einem anderen Künstler umsehen – und vergab den Auftrag an einen Restaurator aus dem Landkreis (Name der Redaktion bekannt). „Über die Kosten für diesen Auftrag können wir aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft geben“, sagt Weber. Die Bilder seien kein Geschenk an die Abgebildeten. Laut Schmid hat der Bauhof das Bild aufgehängt, noch bevor es Löwis zu Gesicht bekommen hat.

Das Interessante: Der Maler bekam Löwis für das Porträt auch nicht zu Gesicht. „Der hatte absolut keine Zeit“, meint der Restaurator. „Löwis hat nur noch Landrats-Wahlkampf geführt.“ Deshalb malte er ihn kurzerhand von einem Foto ab.

Die Porträts seien nicht sein Hauptgeschäft, sagt der Künstler, aber: „Ich mache das mit viel Freude.“ Nebenbei zeichnet er Ehrenurkunden für Altbürgermeister – wie die für Josef Höß. Deshalb sei die Gemeinde auch jetzt auf ihn zugekommen, vermutet er. Die Urkunde für Höß hatte damals Löwis persönlich bei ihm in Auftrag gegeben. Da sah der Maler den heutigen Landrat zum letzten Mal.

Weil ein persönlicher Termin ausblieb, schickte die Gemeinde dem Maler ein Foto von Löwis. „Davon war ich nicht begeistert“, erzählt er. Das Foto, ein schlechter Ausdruck, sei unscharf gewesen, viele Details mäßig erkennbar. „Das Kinn hat man fast gar nicht gesehen.“ Er rief bei der Gemeinde an und erklärte: „Das Bild kann nur so gut werden wie das Foto.“ Da die Amtskette auf dem Schnappschuss „furchtbar schlecht erkennbar“ war, malte er diese von einem anderen Bild ab, das ihm die Gemeinde stellte. Ähnlich verfuhr er mit dem Holzkirchner Wappen, das auf der Medaille der Kette prangt. „Das Wappen hat so gespiegelt“, erinnert er sich.

Die Bedingungen, unter denen das Porträt entstand, seien also extrem schwer gewesen. Ob er zufrieden ist mit dem Ölgemälde? „Kein Kommentar“, sagt der Künstler. Viele seien der Meinung gewesen, dass das nicht der Olaf von Löwis ist, „den wir kennen“, sagt Schmid. Und die Recherche unserer Zeitung hat offenbar Dynamik in die Sache gebracht. Die Kommune hat das Porträt inzwischen wieder abgehängt – sodass es für die Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen ist und für unsere Zeitung auch nicht mehr fotografierbar war. Der Maler soll es laut Schmid nochmals bearbeiten.

Selbst Löwis kennt sein Konterfei bis heute nicht. Schließlich ist der Terminkalender eines Landrats voll. Er könne daher momentan kein Meinungsbild dazu abgeben, bedauert Löwis, aber: „Kunst und Kreativität sind frei, das gehört für mich zu einer lebhaften, gesunden Gesellschaft.“ Es sei „klar, dass jeder eine persönliche Meinung und ein individuelles Schönheitsempfinden hat. Das ist auch gut so!“

Was auffällt: Als Einziger unter seinen Vorgängern ist Löwis mit Amtskette abgebildet. Dies entstammte laut Löwis der Idee, dieses Insigne des Bürgermeisteramtes bildlich zu dokumentieren. Eines wünscht sich Löwis: „Dass ich den Bürgern von Holzkirchen durch meine Taten und Projekte, die ich angestoßen habe, in Erinnerung bleibe, und nicht nur durch ein Bild im Rathaus.“

Kosten bleiben unter Verschluss

Recherche bringt

Dynamik in Sache

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