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Holzkirchner Immunologe im Interview

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Vor der mobilen Impfstation im Rathaus: der promovierte Immunologe Dirk Kreder aus Holzkirchen.
Vor der mobilen Impfstation im Rathaus: der promovierte Immunologe Dirk Kreder aus Holzkirchen. © TP

Am Samstag, 8. Januar, können sich Impfwillige von 9 bis 13 Uhr im Rathaus Holzkirchen gegen das Corona-Virus immunisieren lassen. Der promovierte Immunologe Dirk Kreder (55) ist bereits zum dritten Mal vor Ort, um Fragen rund um die Impfung zu beantworten.

Herr Dr. Kreder, am Samstag sind Sie wieder vor der Impfstation und beantworten Fragen. Warum?

Mir liegt es als ausgebildeter Immunologe und Gemeinderat sehr am Herzen, in Holzkirchen eine möglichst hohe Impfquote zu erzielen. Ich hoffe außerdem, den Impfärzten berechtigte Fragen zu ersparen und sie damit ein wenig zu entlasten.

Wer in der Schlange steht, hat sich doch schon für die Impfung entschieden, den müssen Sie doch gar nicht mehr überzeugen.

Ich habe zu meiner Überraschung die Erfahrung gemacht, dass doch einige darunter sind, die noch Vorbehalte haben. Bei vielen sind noch nachvollziehbare Fragen offen. Zum Beispiel bei Eltern, die mit ihren Kindern gekommen sind.

Welche Fragen hören Sie?

Einige wollen wissen, welchen Impfstoff ihr Kind bekommt. Ob sie ihr elf Jahre und elf Monate altes Kind schon mit der Dosis für Kinder ab zwölf Jahren impfen lassen können. Andere hatten Bedenken, weil sie von Biontech auf Moderna umsteigen sollten. Viele Fragen drehen sich um die Art und Wirkungsweise der Impfstoffe, um Vorerkrankungen oder Schwangerschaften. Ganz besonders freue ich mich über Fragen von bisher Ungeimpften, und hoffe, dass wir mit dieser Impfaktion wieder einige erreichen können.

In Südafrika dürfen Menschen mit Omikron, die sich gesund fühlen zur Arbeit gehen. Hier müssen sie 14 Tage in Quarantäne. Welcher Weg ist richtig?

Bei der heutigen Ministerpräsidentenkonferenz wird ja überlegt, auch bei uns die Quarantänezeit zu verkürzen. Das ist sinnvoll. Zugleich befürworte ich eine Quarantäne, da sich Omikron rasend schnell verbreitet und die Kliniken vor weiterer Überlastung geschützt werden müssen. Man muss auch vorsichtig sein beim Vergleich mit Südafrika. Dort ist der Altersdurchschnitt deutlich jünger und die Rate der Vorimmunisierung durch vorherige Infektionen höher. Und es gibt noch ein ernüchterndes Thema: Die Tests sind bei Omikron weniger aussagekräftig. Dadurch können Infizierte, ohne es zu wollen, zum Infektionsgeschehen beitragen.

Im April sagten Sie im Interview, dass wir uns mehr oder weniger regelmäßig aufs Neue gegen Corona werden impfen lassen müssen. Rechneten Sie damit, dass das alle drei Monate der Fall sein wird?

Das sicher nicht. Ich bin mir auch relativ sicher, dass das in Zukunft nicht der Fall sein wird. Momentan sind die vorhandenen Impfstoffe nicht an Omikron angepasst. Deshalb werden wir im Frühjahr noch einmal gezielt boostern müssen. Je höher die Impfquote, desto geringer die Gefahr neuer Varianten.

Macht es überhaupt Sinn, sich jetzt mit den vorhandenen Stoffen impfen zu lassen?

Unbedingt. Einen erheblichen Schutz, vor allem vor schweren Verläufen, die auf den Intensivstationen landen, bieten sie trotzdem, ganz besonders für jetzt noch Ungeimpfte. Biontech hat angekündigt, schon im März/April einen angepassten Impfstoff anzubieten.

Im Sommer ist ein Impfschutz saisonbedingt doch gar nicht nötig.

Das Virus wird auch im Frühjahr und Sommer zirkulieren, und der Immunschutz lässt wieder nach. Je höher der Immunschutz im Sommer ist, desto leichter werden wir es im Herbst 2022 haben. Ich hoffe, die Politik und die Bevölkerung erinnern sich dann an den Herbst 2021.

Wenn im Herbst die Erkältungssaison beginnt, kommt die nächste Mutante um die Ecke...

Meine Hoffnung ist, dass wir dann fast soweit sind, wie bei der Influenza-Impfung. Da sammelt die WHO im Frühjahr in Asien die vorherrschenden Virusstämme ein und gibt diese an die Impfstoffhersteller weiter. Sie haben dann den Sommer über Zeit, ihre Impfstoffe bis zum Herbst anzupassen. Schon jetzt gibt es Hersteller, die kombinierte Impfstoffe gegen Influenza und Covid entwickeln.

Wann ist die Pandemie endlich vorbei?

Ich rechne damit, dass Omikron die letzte große Welle ist. Leider aber eben nicht nur durch die Impfung, sondern auch durch Millionen an Erkrankungen.

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