Trassenverlauf für eine mögliche Südspange für Holzkirchen
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Südspange Holzkirchen: Von den Trassen zwei und drei rät das Staatliche Bauamt Rosenheim ab.

Faunistische Risikoanalyse

Online-Präsentation zu Südspange: Bürger stellen viele Fragen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Fragen rund um die Südspange beantwortete das Staatliche Bauamt Rosenheim jetzt bei einer Online-Präsentation. Ein Auszug. 

Holzkirchen – Der Ratssaal hat sich in ein Fernsehstudio verwandelt. Drei Kameras schwenken über das Podium. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) macht ein ernstes Gesicht: „Natürlich hätten wir Sie heute lieber persönlich begrüßt.“ Aber die Corona-Lage lasse leider nur eine virtuelle Veranstaltung zu. „Für uns ist es der zweite Versuch.“ Der erste im Februar war aus technischen Gründen gescheitert. Jetzt aber sei man bestens aufgestellt.

Das Podium

Podium zur Südspange: (v.l.) Bernhard Bauer und Stefan Leitner vom Staatlichen Bauamt Rosenheim, Bürgermeister Christoph Schmid und Andreas Dorsch vom gleichnamigen Ingenieurbüro die Fragen der Bürger.

Gut über die Bühne gegangen ist die Bürgerinfo zur Südumfahrung. Bei der Online-Präsentation wurden die Ergebnisse der faunistischen Risikoanalyse zu den Trassen zwei und drei vorgestellt. Stefan Leitner und Bernhard Bauer vom Staatlichen Bauamt Rosenheim sowie Andreas Dorsch vom gleichnamigen Ingenieurbüro saßen am Podium und beantworteten die Fragen der Bürger, die vorab oder live per Chat eingereicht wurden. Laut Gemeinde waren mindestens 104 Zuhörer zugeschaltet. Am Chat nahmen 36 Leute teil. Die Realisierung des Streamings oblag der Firma Prankl Consulting München.

Die Ausgangslage

Leitner erinnerte daran, dass die Holzkirchner Umfahrung im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans stehe, die für Großhartpenning und Kurzenberg im weiteren Bedarf. Bei einer Machbarkeitsstudie hatten sich fünf Trassen herauskristallisiert. Für Nummer zwei und drei fand eine faunistische Analyse statt. Beide Routen umfahren Kurzenberg und Großhartpenning im Süden, verlaufen aber nördlich des Tannholzes. Variante zwei erstreckt sich dann weiter zwischen Sufferloh und dem Waldrand und trifft südlich von Lochham auf die B 318. Die dritte Variante schwenkt zwischen Großhartpenning und Sufferloh nach Norden, umfährt Sufferloh nördlich.

Leitner betonte, dass man sich in den Voruntersuchungen befinde. „Wir sind also ziemlich am Anfang.“ Nach der jüngsten Prüfung rate das Bauamt dazu, die Varianten zwei und drei in der jetzigen Trassenführung aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht weiterzuverfolgen. Variante fünf, eine reine Umgehung für Holzkirchen, erscheine „aus naturschutz- und haushaltsrechtlichen Gesichtspunkten als umsetzbar“ und ermögliche einen Weiterbau um Kurzenberg und Großhartpenning. Seine Behörde empfehle eine getrennte Betrachtung der Umfahrung Holzkirchen und einer Lösung für die beiden anderen Ortsteile. Trotzdem möchte sie beide Teilprojekte weitestgehend parallel in der Planung vorantreiben.

Dorsch ging auf die faunistische Analyse ein. Diese habe das hohe Konfliktpotenzial hinsichtlich der Erfüllung artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände bestätigt. Die Weiher bei Kurzenberg und Sufferloh seien Toteislöcher, ebenso sensibel seien Waldrand und Heckenstrukturen. Flugrouten und Jagdgebiete ansässiger Fledermausarten würden durch eine Straße zerstört. Ferner stelle sie eine Gefahr für Amphibien dar. Unter anderem habe man einen Laubfrosch beobachtet.

Die Fragen der Bürger

Dann trug Schmid die Belange der Bürger vor. Einer verstand nicht, warum es ein Laubfrosch rechtfertige, keine Straße zu bauen. Laut Dorsch ist dieser sehr selten und streng geschützt, zudem kämen dort viele andere Arten vor. Auch weitere Fragen gingen in die Richtung: „Wieso wird die Fauna und Flora über das Menschenwohl gestellt?“ Bauer betonte, dass sich die Frage, ob Tier oder Mensch wichtiger sei, nicht stelle. Es gehe darum, welche Konflikte technisch bewältigbar sind. Menschen könne man durch Lärmschutzmaßnahmen schützen, ein Toteisloch aber sei nicht bewältigbar. Bislang hat das Bauamt laut Leitner keine Lösung dafür gefunden, den strittigen Bereich südlich von Kurzenberg etwa durch eine Einhausung oder Untertunnelung zu überbrücken. Zudem betonte er, dass es bei dieser Umfahrung zumutbare Alternativen gebe, weshalb ein Ausnahmeverfahren wohl ausscheide. Ferner tauchte die Frage auf, ob man die kritischen Abschnitte der Routen zwei und drei verrücken und sie so realisieren könnte. Bauer zufolge ist diese Möglichkeit nicht auszuschließen, immerhin sei nicht jede denkbare Möglichkeit untersucht worden.

Welchen Einfluss die Stellungnahme der Gemeinde auf die Realisierung habe, auch wenn eine Null-Variante bevorzugt werde, war ebenso Thema. „Wahrscheinlich wird der Bund keine Straße bauen, wenn eine Gemeinde das nicht will“, sagte Leitner. „Aber das ist meine persönliche Meinung.“ Auf die Frage, was passiere, wenn sich die Kommune für die Trassen zwei und drei entscheide, meinte Leitner: „Wir tun uns schwer, Planungen für Trassen voranzutreiben, die nicht umsetzbar sind.“

Der Ausblick

Nach eineinhalb Stunden war Schluss. „Jetzt ist die Gemeinde am Zug“, bilanzierte Schmid. Sie müsse sich für eine Variante aussprechen. Und man wolle die Bürger dazu befragen, in Form eines Ratsbegehrens. Eine Deadline für eine Entscheidung der Kommune gibt es laut Leitner nicht. Aber die Projekte des vordringlichen Bedarfs sollten bis 2030 abgearbeitet sein.

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