Die Fahrt mit dem Ortsbus vom Holzkirchner Bahnhof über die Gewerbegebiete Ost und Nord wieder zurück zum Bahnhof soll künftig 23 Minuten dauern. Die Linie ist einer der beiden Pfeiler des neuen Systems.
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Die Fahrt mit dem Ortsbus vom Holzkirchner Bahnhof über die Gewerbegebiete Ost und Nord wieder zurück zum Bahnhof soll künftig 23 Minuten dauern. Die Linie ist einer der beiden Pfeiler des neuen Systems.

Einigung mit dem Landkreis

Ortsbus-Zukunft: Doch Bahn frei für Rufbus in Holzkirchen

Der Holzkirchner Rufbus kommt voran: Der Landkreis steht dem System offenbar doch nicht mehr im Weg. Im Verkehrsausschuss ging es nun an die Details des Konzepts.

Holzkirchen – Überraschende Wende beim Holzkirchner Ortsbus: Laut dem Bürgermeister sieht der Landkreis das Nebeneinander von zwei Systemen – dem Anruf-Sammel-Taxi (AST) und dem Holzkirchner Rufbus – nun doch nicht mehr als schädlich an. Im Verkehrsausschuss ging es jetzt um die Betriebsparameter.

Wenn es nach den Plänen des Holzkirchner Gemeinderats geht, entsteht künftig ein Ortsbussystem, das auf zwei Pfeilern ruht. Zum einen werden die fünf Ortsbuslinien auf eine reduziert. Diese soll in 23 Minuten vom Bahnhof über die Gewerbegebiete Ost und Nord zurück zum Bahnhof fahren. Den zweiten Pfeiler stellt ein On-Demand-System dar. Hier buchen Passagiere per App oder Telefon einen Bus, der festgelegte Haltestellen auf variablen Routen anfährt, wie Standortförderin Eva-Maria Schmitz nun im Verkehrsausschuss erklärte.

Rufbusse sollen zum Wochenende sogar bis 1 Uhr fahren

Sie stellte in der Sitzung die anvisierten Betriebsparameter vor, die ein Expertenworkshop für das Holzkirchner Rufbus-System erarbeitet hatte. Gemeinsam mit der Firma door2door hatten Vertreter der Fraktionen, der Verwaltung, des Landratsamts, des Ortsbusses sowie die Beauftragten für Jugend und Senioren die wesentlichen Eckpunkte für das neue System festgelegt.

Demnach sollen die zwei Rufbusse täglich zwischen 6 Uhr morgens und 20 Uhr verkehren, am Freitag und Samstag sogar bis 1 Uhr nachts. Samstags soll der Dienst um 10 Uhr beginnen. Dabei fahren die Sechssitzer im gesamten Gemeindegebiet, von Fellach bis Großhartpenning. Die Workshop-Ergebnisse sehen zudem vor, dass die Nutzer eine Wartezeit von 60 Minuten in Kauf nehmen müssen. Wenn sie ihre Fahrt antreten, müssen sie zudem mit einem Umwegszeitfaktor von 75 Prozent rechnen. Das heißt: Bei einer geplanten Fahrt von 10 Minuten darf erwartet werden, dass es 7,5 Minuten länger dauert.

Marktgemeinde will Fördermittel beantragen

Für das Gemeindesäckel wichtig sind die Kosten. Dabei haben die Experten verschiedene Kalkulationen vorgenommen. Bei einem niedrigen Passagieraufkommen und einem Fahrpreis von zwei Euro ergeben sich Ausgaben von über 465 000 Euro, denen Einnahmen von etwas über 32 000 Euro gegenüberstehen. Nimmt man eine hohe Nachfrage an, so schätzen die Experten die Kosten auf über 466 000 Euro, die Einnahmen dagegen auf über 71 000 Euro. Schmitz berichtete, dass die Gemeinde in Absprache mit dem Landratsamt Fördermittel beim Bundesverkehrsministerium beantragt hat. Wird das Vorhaben bewilligt, könnte das On-Demand-System heuer in Angriff genommen werden.

Ab welchem Passagieraufkommen mit der Anschaffung eines dritten Busses zu rechnen sei, wollte Grünen-Gemeinderat Karl Bär wissen. Dies hänge von verschiedenen Faktoren ab, sei aber noch nicht berechnet worden, gab Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) zu. „Ich glaube aber, dass wir jetzt mit den Betriebsparametern gut aufgestellt sind.“ Simon Ammer (SPD) regte an, über ein Bürgerbussystem nachzudenken, bei dem die Fahrer ehrenamtlich tätig sind. Die eingesparten Kosten könnte man für die teureren alternativen Antriebe der Fahrzeuge ausgeben. Johannes Dörder (CSU) zeigte sich hier skeptisch und verwies auf rechtliche Probleme. Auch Schmid merkte an, dass es schwierig sein könnte, dies in die Ausschreibung hineinzubringen.

Torsten Hensel (FWG) betonte, dass es aus ökologischen Gründen wichtig sei, die Pendler in das Rufbussystem mit einzubeziehen. „Pendler brauchen Verlässlichkeit.“ Die sei bei dem System aber nicht immer gegeben. „Ich würde mir Verbesserungen wünschen.“ Der Rathauschef hielt dagegen: „Den klassischen Pendler gibt es nicht.“ Da es aber ein lernendes System sei, könnte man später noch entscheiden, aus dem Rufbus eine Linie zu machen.

Um die Rufbus-Pläne hatte es in Vergangenheit Aufregung gegeben, nachdem vonseiten des Landkreises kritisiert wurde, dass das Holzkirchner System nicht zum landkreisweiten Anruf-Sammeltaxi passe. Nun scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Laut Schmid hat das Landratsamt verstanden, was Holzkirchen wolle. „Das Nebeneinander von Systemen wird nicht mehr als schädlich angesehen“, so Schmid. „Wenn ein Kunde mit einer App alle Systeme nutzen kann, ist es ihm egal, mit wem er fährt.“

Andreas Wolkenstein

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