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„Zwei Parkplätze sind nicht kriegsentscheidend“: Nach Ansicht von Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) können die beiden Stellplätze am Oskar-von-Miller-Platz weg. Es sei riskant, hier rückwärts auszuparken. 

Gemeinde will Stellplätze auflösen

Oskar-von-Miller-Platz: Gewerbetreibende kämpfen für zwei Parkplätze

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Diese beiden Parkplätze am Oskar-von-Miller-Platz haben schon für viel Ärger gesorgt. Ein Vorstoß der Gemeinde, sie aufzulösen, brachte nun Gewerbetreibende auf die Barrikaden.

Holzkirchen – Peter Wiedemann, Geschäftsführer der gleichnamigen Parfümerie in Bad Tölz, die auch eine Filiale in Holzkirchen betreibt, ist seit vielen Jahren im Geschäft, und er weiß: „In der heutigen Zeit macht der stationäre Handel einen Wandel durch“, sagt er. Er habe kein Versorgungsmonopol mehr. Und wenn den Kunden etwas störe – etwa, dass es keine Parkplätze vor der Tür gebe – bleibe er eben fern und sucht sein Glück anderswo. Vornehmlich im Internet. „Es zählt jeder nahe Parkplatz.“

Deshalb hat Wiedemann nun ein Schreiben ans Holzkirchner Rathaus verfasst, in dem er sich gegen Pläne der Gemeinde, die beiden Parkplätze am Oskar-von-Miller-Platz etwa zugunsten von Ruhebänken aufzulösen, wehrt. Damit hat sich der Verkehrsausschuss jetzt in seiner Sitzung beschäftigt. „Die Handelsstruktur in Holzkirchen ist weitflächig im Ort verteilt“, heißt es in dem Brief. Angesichts des Online-Angebots spielten Service, Atmosphäre und Einkaufsumfeld eine größere Rolle. „Einen erheblichen Anteil daran, wie sich der örtliche Handel in den nächsten zehn Jahren entwickelt, wird in allen Klein- und Mittelstädten das einkaufsnahe Parkplatzangebot haben.“ Unterschrieben haben sieben weitere örtliche Gewerbetreibende. Darunter das Modegeschäft Simode, die Trauer Hilfe Denk, Cose Cosi, Body Street, Dresscode, Immobilienteam und Hellinet.

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) berichtete von einem Ortstermin Anfang August mit Polizei, Rathaus, Landratsamt, Behindertenbeauftragtem und Gewerbetreibenden. „Die Polizei sagte, dass eine Gefährdungslage vorhanden ist.“ Auch wenn noch nichts passiert sei: Das Rückwärtsausparken an dieser Stelle sei riskant. Bereits in der Vergangenheit war viel über die Stellplätze gestritten worden (wir berichteten).

Löwis plädierte dafür, sie wegzunehmen, obwohl er weiß: „Die Gewerbetreibenden haben Parkplätze gerne vor dem Haus.“ Und so mancher Kunde würde am liebsten „mit dem Auto ins Geschäft fahren“. Andererseits wünsche sich die Bevölkerung, die Parkplätze aufzulassen. Das zeige das Mobilitätskonzept. „Zwei Parkplätze sind nicht kriegsentscheidend für den Einzelhandel.“ Es gebe genug fußläufig erreichbare Parkplätze, etwa an Baumgartenstraße, Tiefgarage und Herdergarten. Den Weg zu diesen könne man noch besser ausschildern, gestand er.

Nach der Auflösung könne man den Platz aufwerten und neu gestalten. Dabei hatte die Gemeinde drei Varianten im Auge: Bei der ersten würden beide Parkplätze wegkommen, bei der zweiten nur der Schwerbehindertenparkplatz. Dieser würde bei der dritten Spielart durch einen Kurzzeitparkplatz ersetzt.

Martin Taubenberger (FWG), der die gute Parkplatzsituation in Otterfing lobte, wollte die Plätze stehen lassen. Albert Kraml (CSU) schlug sogar vor, einen dritten einzurichten. Die Fußgänger könnten entlang der Hausmauer laufen. Die zwei Parkplätze seien psychologisch wichtig, würden Kunden anlocken, auch wenn sie dann anderswo parken. Genau das produziere Suchverkehr, den man in Holzkirchen nicht gebrauchen kann, befürchtete Irmi Ammer (SPD). „Die Leute sind nicht mehr so autoaffin.“ Kathrin Simmel (SPD) nickte. „Man kann das Verkehrverhalten der Menschen umstellen.“ Auch Martina Neldel, Ulrike Küster (Grüne) und Sebastian Franz (CSU) hielten die Parkplätze nicht für sinnvoll. Franz plädierte dafür, die Lieferzone zu gewährleisten.

Am Ende entschied der Ausschuss mehrheitlich, die Parkplätze aufzulösen, das Landratsamt soll eine Anordnung erlassen. Bis Ende des Jahres soll die Verwaltung ein Nutzungskonzept erstellen, an dem sich Gewerbetreibende beteiligen. Wiedemann, der in Tölz im Stadtrat sitzt, nimmt das Ergebnis sportlich: „Dass das der Ausschuss anders sieht, ist eben so.“

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