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Weil das Opfer mit der Schulter zuckte...

Otterfinger schlägt Mann bewusstlos - verurteilt

Holzkirchen - 13 Jahre lang hatte er sich im Griff, jetzt wurde er rückfällig. In einer Bar in Holzkirchen schlug ein 36-jähriger Otterfinger einen 28 Jahre alten Holzkirchner bewusstlos. 

Sechs Körperverletzungen – darunter auch gefährliche und vorsätzliche – gingen von 1996 bis 2003 auf das Konto eines heute 36-jährigen Otterfingers. 13 Jahre lang hat er sich danach nichts mehr in dieser Art zu Schulden kommen lassen. Doch im Februar war es dann wieder so weit: In einem Holzkirchner Pub schlug der Otterfinger einem 28 Jahre alten Holzkirchner so fest ins Gesicht, dass dieser bewusstlos zu Boden ging.

„Das Ganze wurde von ihm provoziert“, rechtfertigte sich der Angeklagte nun vor dem Miesbacher Amtsgericht. „Ich stand nur an der Theke und wurde dann angerempelt.“ Das sichtlich betrunkene Opfer des Otterfingers wollte jedoch gegen 2.30 Uhr lediglich an seine Jacke gelangen, um den Heimweg anzutreten. Das Kleidungsstück hing aber hinter dem Otterfinger. „Er hätte einen kleinen Bogen machen müssen und wäre an seine Jacke hingekommen“, verteidigte sich dieser. „Stattdessen meinte er zu mir: Schleich Dich.“ Und das habe er als herabwürdigend empfunden. Doch er konnte sich noch beherrschen. Noch. Denn als der Holzkirchner ihn ein zweites und drittes Mal anrempelte und dann noch mit der Schulter zuckte, reichte es dem Angeklagten – und er schlug zu. Ein Treffer mit der Faust auf das Kinn reichte laut Zeugenaussagen aus, dass das Opfer etwa drei bis vier Minuten ohnmächtig auf dem Boden lag.

„Das Zucken in der Schulter hat den Ausschlag gegeben?“, fragte Richter Walter Leitner fast ungläubig nach. „Ich bin Boxer“, erklärte der Otterfinger. Aus Erfahrung wisse er, „dass ein Schulterzucken oftmals die erste Bewegung ist, um einen Schubser oder Schlag auszuführen“. So weit wollte es der achtfach Vorbestrafte nicht kommen lassen und kam dem Holzkirchner zuvor. Danach verließ er das Lokal – mit 1,58 Promille und ohne zu bezahlen. Kurz darauf kehrte er jedoch wieder zurück, da er seine Jacke im Pub vergessen hatte.

Krankenwagen und Polizei waren bei der Rückkehr des Otterfingers schon vor Ort. Sein Opfer sei da am Krankenwagen gesessen und habe Blut gespuckt, sagte der Angeklagte aus. „Dann bin ich hingegangen, um nachzusehen, was los ist.“ Langfristige Schäden hat der Holzkirchner von dem Faustschlag nicht davongetragen. Die Schmerzen vergingen nach einer Woche wieder.

Dennoch hielt die Staatsanwaltschaft fünf Monate Haft auf Bewährung sowie die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 2000 Euro für angemessen. „Sie kennen das von früher“, sagte die Staatsanwältin in Richtung des Angeklagten. „Sie gehen weg, trinken ordentlich und schlagen sich dann mit anderen.“ Auch wenn er sich 13 Jahre lang nichts derartiges habe zu Schulden kommen lassen, sei ein Schlag gegen den Kopf lebensgefährlich für das Opfer, führte sie dem Angeklagten vor Augen.

Leitner teilte diese Auffassung und verurteilte den Otterfinger in dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Maß. Die Geldauflage geht an das Bayerische Rote Kreuz in Miesbach. „Bei Ihnen braucht es nicht viel, dass Sie angepisst sind“, sagte der Richter zum Otterfinger. „Als Boxer sollten Sie doch wissen, was das für Folgen haben kann."

Von Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

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