Carina Glaser
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Palmbuschen-Binden im „Home-Office“: Um die schon vor der Coronakrise geernteten Palmzweige nicht verkommen zu lassen, machte sich Carina Glaser notgedrungen alleine an die Arbeit. Der gesellige Bastelnachmittag des Frauenbunds, den Glaser sonst immer organisierte, musste diesmal ausfallen.

„Zeichen der Verbundenheit ermöglichen““

Palmkinder während Corona: Auf drei Wegen zum Segen

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Klingeln an Haustüren ist tabu, Begegnungen sowieso. Dennoch dürfen Palmkinder im Pfarrverband Holzkirchen-Warngau am Wochenende trotz Coronavirus unterwegs sein.

Holzkirchen/Warngau Sechs Pfarreien, rund 10 500 Gläubige: Im großen Pfarrverband Holzkirchen-Warngau wird der Glauben auch im Brauchtum gelebt. „Das Binden der Palmbuschen hat bei uns eine große Tradition“, stellt Pfarrer Gottfried Doll fest. Das trifft speziell auf die Dörfer zu, wo Familien Palmbuschen – auf Bestellung – für Verwandte und Bekannte binden. Meist sind es „Palmbuam“, die die Buschen an Stangen oder in Körben in den Gottesdienst tragen, dort segnen lassen und dann ausliefern. Ein Brauchtum, das soziale Bindungen bestätigt oder auffrischt.

Genau das soll in Corona-Zeiten aber nicht sein. Um das Virus einzudämmen, verhängte der Freistaat Ausgehbeschränkungen. Müssen jetzt auch die Palmkinder zuhause bleiben? Jein, sagt der Pfarrverband. „Wir wollen den Brauch auch in diesen Zeiten erhalten“, sagt Pfarrer Doll. Wenn schon alle Gottesdienste bis nach Ostern abgesagt werden mussten, „möchten wir dieses Element als Zeichen der Verbundenheit untereinander ermöglichen“. Um trotzdem die Sicherheitsvorkehrungen zu erfüllen, gab der Pfarrverband einen Leitfaden heraus.

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Fernsegen durch Fernsehen

Palmsonntag und Corona –so funktioniert’s: Auf persönliche Bestellungen im Vorfeld sollen die Kinder verzichten. „Geht davon aus, dass alle, denen ihr letztes Jahr einen Palmbuschen gebracht habt, auch heuer einen möchten“, rät der Pfarrer. Sind die Buschen zuhause gefertigt, führen drei Wege zum Segen.

Zwei Möglichkeiten sind dabei für den Hausgebrauch, einer bietet (fast) einen Originalsegen. Erste Variante: Die Hausgemeinschaft verfolgt am Palmsonntag den ZDF- Fernsehgottesdienst um 9.30 Uhr aus dem Wiener Stephansdom. Dort wird Kardinal Christoph Schönborn die Palmbuschen segnen – mit Fernwirkung in die Wohnzimmer. Zweite Variante: Die Palmbuschen selber segnen im Rahmen eines kleinen Hausgottesdienstes.

Die dritte Variante ist aufwendiger, aber nah dran am vertrauten Ritual: Die Palmbuschen (mit Namenszettel des Austrägers) können am morgigen Freitag zwischen 10 und 16 Uhr in eine der folgenden Kirchen gebracht werden: St. Josef und St. Laurentius in Holzkirchen, Föching, Fellach, Hartpenning, Kleinhartpenning, Sufferloh, Oberwarngau, Osterwarngau Frauenkirche, Schmidham und Wall. Doll und Pfarrvikar Hannes Schißler werden am Freitagabend in die Kirchen fahren, um die Buschen zu segnen. Am Samstag, 4. April, ab 9 Uhr kann der Palm wieder abgeholt werden. „Bitte darauf achten, nicht gleichzeitig zu kommen“, sagt Doll.

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Distanz wahren bei Begegnungen in den Kirchen

Jedem Busch legt der Pfarrer ein Heftchen bei, auf dem die Austräger ihren Namen vermerken können. Busch und Heft sollen die Palmkinder den Gläubigen am Samstag vor die Haustür legen. „Auf keinen Fall klingeln und persönlich abgeben“, betont Doll. In der Broschüre ist nicht nur ein Gottesdienst abgedruckt, den man am Palmsonntag daheim feiern kann, sondern darin erfahren die Empfänger auch, dass die Palmkinder nach Ende der Corona-Krise wieder vorbeischauen, um sich eine kleine Belohnung abzuholen. Eltern sind gebeten, ihre Kinder bei den Besuchen in der Kirche und beim Austragen zu begleiten. „Bei zufälligen Begegnungen in der Kirche muss natürlich Distanz gewahrt werden“, betont Doll.1

Als Austrägerin wird sich auch Carina Glaser betätigen. Nachdem das Palmbuschen-Binden des Frauenbunds Holzkirchen ausfallen musste, wollte Organisatorin Glaser nicht auf vier Kisten Palm sitzen bleiben, die sie im Februar gebunkert hatte. Also bindet sie allein, „so viele wie ich schaffe“, und legt sie Freunden und Mitgliedern des Frauenbunds vor die Tür.

Den Palmsonntag 2020, den Beginn der ungewöhnlichsten Karwoche unserer Zeit, solle jeder so feiern, wie es passt, sagt Doll; er weiß aber, wie wichtig gerade das Segensritual in der Kirche ist. „Ich glaube, dass viele ihre Buschen bringen werden.“

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