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Eröffnet doch nicht: Pferdepark im Oberland.

"Offenbar sind mit mir die Pferde durchgegangen"

Pferdepark: Betreiber sagt Eröffnung ab - und erklärt sich

Kleinhartpenning – Die für Freitag geplante Eröffnung ist abgeblasen. Nach einem Gespräch mit Landratsamt und Bürgermeister will Kaiser alle ausstehenden Genehmigungen einholen.

Egon Kaiser ärgert sich – über sich selber. „Ich bin so von diesem Reitpark-Konzept überzeugt, dass mir offenbar die Pferde durchgegangen sind.“ Er hatte eine Marketing-Firma mit der Bewerbung seines Vorhabens beauftragt, das prompt 2500 sehr marktschreierische Flyer in Umlauf brachte. Der Leser musste den Eindruck gewinnen, dass hier ein neuer, groß dimensionierter Freizeitpark südlich von München entstehen soll. 

Landratsamt und Gemeinde reagierten alles andere als wohlgesonnen auf den Flyer und luden Kaiser zum Gespräch.

Der Flyer geht in die Vollen. Der seit 2012 als Pferdegestüt landwirtschaftlich privilegierte „Oberland Pferde-Park“, untergebracht in der ehemaligen Raketenstellung, wirbt mit einem „zünftigen Reiterstüble“ mit Biergarten, einer großen Gastronomie, einem Abenteuerspielplatz, Streichelzoo, Hexenhaus und XXL-Hüpfkissen.

„Das schießt alles übers Ziel hinaus“, räumt Kaiser ein, „der Flyer hätte so nie raus dürfen.“ Von „Funpark“ könne keine Rede sein. Haupteinnahmequelle des Betriebs bleibe die Zucht und das Einstellen von Pensionspferden. In einem „Pferdepark“ wolle er speziell Kinder spielerisch an die Tiere heranführen. Dazu gehöre ein Spielplatz und eine kleine Gastronomie. „Ich dachte, das wäre über die Privilegierung gedeckt“, sagt der 43-Jährige.

Bei einer Kontrolle am 17. Juni stellte das Landratsamt fest, dass bereits Parkflächen aufgekiest sind, drei große Werbeplakate angebracht wurden und im Gelände dauerhaft genutzte Wohnwagen zu finden sind sowie Tiere, die keine Nutztiere sind. „Und es gibt keine gaststättenrechtliche Konzession“, sagt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts. Der angemeldete „Imbiss“ berechtige nicht zur Zubereitung von Speisen. „Dennoch fanden unsere Kontrolleure mehrere Großfritteusen“, sagt Nemitz. Eine Gaststätte sei wirklich nie geplant gewesen, beteuert Kaiser, „das Grundstück dürfen nur die betreten, die dort reiten.“

Landrat Wolfgang Rzehak machte deutlich, dass der Flyer ganz andere Erwartungen geweckt habe. Kreisbaumeister Werner Pawlovsky ergänzte, dass viele Einrichtungen nichts mit der Landwirtschaft zu tun hätten: „Es liegt nur die Erlaubnis für einen Pferdehof vor.“ Eine Landwirtschaft brauche keine Großflächenplakate, betonte Stefan Deingruber, Leiter des Bauamts im Landratsamt, „auch ein Abenteuerspielplatz ist durch die Privilegierung nicht gedeckt.“ Das Landwirtschaftsamt soll jetzt prüfen, welche Gebäude und Einrichtungen auf dem Gelände wirklich landwirtschaftlich privilegiert sind.

Selbst bei einer Privilegierung stehen die Genehmigungen noch aus. „Ich will mit Landratsamt und Gemeinde zusammenarbeiten“, verspricht Kaiser. Die Parkfläche außerhalb des Geländes müsse sein, um drinnen die Sicherheit des Reitbetriebs zu gewährleisten. Um die Genehmigungen werde er sich bemühen und erst dann einen neuen Eröffnungstermin ansetzen. „Ich bin an die Sache viel zu blauäugig herangegangen“, gesteht der 43-Jährige.

Ein Publikumsmagnet solle der Pferdepark in Kleinhartpenning sicher nicht werden. Kaiser rechnet mit 20 bis 30 Autos am Tag, „an Wochenenden vielleicht etwas mehr“. Er plant, die Zufahrt von der B 13 nicht über Kleinhartpenning zu organisieren.

„Ich bin mir sicher, dieses Projekt wäre eine Bereicherung für die ganze Region“, sagt Kaiser. Niemand wolle ein schönes Projekt verhindern, sagt der Bürgermeister. „Die Gemeinde will hier sicher nicht der Spielverderber sein.“ Doch an Genehmigungen müsse man sich halten. „Wir werden da sehr genau hinschauen müssen.“

avh

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