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Der Spielplatz  muss aus Sicht des Landratsamts weg. Das will sich die Familie Kaiser – hier ist Alfons Kaiser, der Vater des Betreibers Egon, zu sehen – nicht gefallen lassen.

Spielplatz, Hüpfkissen und Parkplatz müssen weg

Pferdepark-Betreiber zieht vor Gericht

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Der Pferdepark Oberland hat Zoff mit den Behörden. Jetzt landet die Sache vor dem Verwaltungsgericht. Betreiber Egon Kaiser klagt gegen den Freistaat. 

Ein Freizeitpark ist der Pferdepark Oberland laut Kaiser nicht. Die Besucher würden in erster Linie zum Reiten kommen. Im Bild sind Kinder beim Schnuppertraining zu sehen.

Kleinhartpenning– Aufgeben will er auf keinen Fall. „Ich lasse es drauf ankommen“, sagt Alfons Kaiser, ein Mann mit dunklen Augen, das graue Haar nach hinten gekämmt. Er marschiert über das Gelände seines Pferdeparks Oberland. Alpakas und Schweine dösen faul im Schatten, Hasen schnuppern neugierig aus ihrem Stall, Ponys wiehern. „Ich wollte etwas Schönes schaffen für Kinder und Familien“, meint er. Für Leute wie Katharina Schragl aus Feldkirchen, die auf einer Bank sitzt und ihren Kindern Julius (4) und Victoria (2), beim Springen auf dem Hüpfkissen zuschaut. „Die Kleinen sind richtige Pferdefans“, sagt sie. Zum Reiten seien sie aber noch zu klein. Heute haben sie schon Pferde und Schweine gefüttert und eben das Hüpfkissen genutzt. Was sie offenbar nicht weiß: Genau dieses Kissen sorgt für eine Menge Ärger. Genau wie der Spielplatz nebenan.

Wie berichtet, hatte der Pferdepark in Kleinhartpenning viel Staub aufgewirbelt. Kurz gesagt, hatten die Kaisers Anlagen ohne Genehmigung errichtet und durch Werbeplakate den Eindruck erweckt, auf dem Gelände einen Freizeitpark hochzuziehen. Genehmigt sind nur Gestüt, Pferdepension und Zucht. Die Behörden hatten sie öfters ermahnt, nachzujustieren. Die Kaisers ignorierten die Forderungen.

Jetzt landet der Fall vor dem Verwaltungsgericht München. Inaugenscheinnahme und mündliche Verhandlung finden am Mittwoch, 27. September, statt. Pferdepark-Betreiber Egon Kaiser – der Sohn von Alfons Kaiser – klagt gegen den Freistaat Bayern. Es geht um die Baubeseitigung, beziehungsweise die Beseitigungsanordnung, die das Landratsamt erlassen hat. Die Frist der Anordnung – in der Zwangsgeld angedroht wurde – endete laut Landratsamts-Sprecher Martin Pemler Anfang August.

Laut Pemler müssen der große Spielplatz, das Hüpfkissen sowie der Parkplatz weg. Außerdem erließ die Behörde eine Nutzungsuntersagung für einen öffentlichen Gastronomiebetrieb sowie für das Kassenhäuschen, nachdem kein Eintritt verlangt werden dürfe. Am 2. August führte seine Behörde erneut eine Baukontrolle durch, „bei der offenkundig wurde, dass die angeordneten Maßnahmen nicht befolgt wurden.“ Daraufhin erhöhte das Landratsamt das Zwangsgeld. „Eine Ersatzvornahme ist noch nicht beauftragt.“ Pemler zufolge könnten die Anlagen nur über einen Bebauungsplan legalisiert werden, den die Gemeinde in dem Außenbereich aufstellen müsste. Aktuell sind auf dem Areal lediglich Gestüt, Pferdepension und Zucht über eine Privilegierung genehmigt.

Doch die Gemeinde bleibt hart. „Wir sind derzeit nicht bereit, einen Bebauungsplan zu erlassen“, betont Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD). Schließlich habe Kaiser die Anlagen unerlaubt errichtet. Er habe Tatsachen geschaffen und erst im Nachhinein gefragt. „Wieso sollte die Gemeinde das hinterher rechtmäßig machen?“ Dasch: „Die Planungshoheit liegt bei uns. Die Gemeinde wünscht sich, dass die Anlagen wegkommen.“

Alfons Kaiser, dem das Gelände gehört und der es an seinen Sohn Egon verpachtet, zuckt mit den Schultern. „Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.“ Er spreche auch für seinen Sohn, der bei dem Presserundgang anwesend sein wollte, dann aber plötzlich doch nicht da ist. Man sei eine Familie und einer Meinung. Der 69-Jährige fühlt sich schikaniert. „Wir waren der Meinung, wir machen das im Rahmen der Privilegierung.“ Er habe „viel, viel Geld“ in die Anlagen investiert. „Und das soll ich einfach so abreißen?“ Der Spielplatz sei vom TÜV abgenommen. Es handle sich nicht um einen Freizeitpark, betont er. Die Besucher würden zum Reiten kommen. Wer an so einem Schnuppertraining teilnimmt, zahlt neun Euro. Auch Anita Leichters Töchter sind gerade eine Runde geritten. „Die zwei sind pferdebegeistert“, sagt die Holzkirchnerin. Jetzt wollen sie zum Streichelzoo. Über 20 Autos parken vor dem Eingang. Das sei gar nichts, meint Kaiser. Ein Geschäft mache man mit dem Park sowieso nicht. „Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig“, sagt er. Der Gerichtstermin jagt ihm keine Angst ein. „Man wird sehen.“ Ansonsten: „Vielleicht verkaufe ich mal alles.“ Eine Roma- und Sinti-Gruppe habe Interesse an dem Areal gezeigt.

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