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Spielplatz im Pferdepark Oberland: Vergnügungspark oder Zuchtbetrieb? Die Gemeinde vermutet Ersteres. 

Landratsamt: Neue Kontrollen stehen an

Umstrittener Pferdepark Oberland: Betreiber versucht es wieder

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Der Pferdepark Oberland ist wieder Thema: Der Betreiber hat eine Zufahrt samt Parkplatz, einen Spielplatz sowie ein Fallkissen beantragt. Der Bauausschuss reagierte konsterniert.

Kleinhartpenning– Der Pferdepark Oberland hat schon für viel Wirbel gesorgt. Gemeinde und Landratsamt hatten 2016 erst über einen Flyer von der Eröffnung gehört. Die Werbung vermittelte den Eindruck, dass auf dem Gelände ein Freizeitpark entsteht. Eine Genehmigung besaß der Betreiber dafür nicht, er dachte, dass alles mit der landwirtschaftlichen Privilegierung möglich sei. Die Behörden gaben Kaiser Hausaufgaben mit auf den Weg. Bei der Eröffnung jedoch waren nicht alle Auflagen erfüllt – auch danach wurde er zum Nachjustieren verdonnert. Die Behörden forderten, dass er Parkplatz und Spielplatz beseitigt. Auch das „Reitstüberl“ dürfe nicht als öffentliche Gastronomie dienen. Kutschfahrten dürfe Kaiser nur im Lehrbereich anbieten, ein Streichelzoo sei nicht erlaubt.

Obwohl noch unklar ist, ob Kaiser die Auflagen erfüllt hat – laut Landratsamtsprecher Birger Nemitz findet demnächst eine Baukontrolle statt – hat der Eigentümer nun einen neuen Anlauf gestartet. Und so behandelte der Bauausschuss in seiner Sitzung einen Antrag auf Baugenehmigung. Demnach möchte Kaiser eine weitere Zufahrt westlich der bestehenden samt Parkplatz mit 28 Stellplätzen, einen Spiel- und Lernplatz sowie ein Fallkissen auf seinem Anwesen in Kleinhartpenning errichten. Weil laut Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) exakte Angaben fehlen, sei nicht ganz klar, ob es sich um neue Anlagen handelt, oder um bereits bestehende. „Wir gehen davon aus, dass er versucht, das nachträglich zu beantragen, was er schon gebaut hat“, sagt er auf Anfrage. Angeblich soll Kaiser erneut für einen Freizeitpark werben, meint Löwis. „Er probiert es einfach immer wieder.“ Auf der eigenen Internetseite steht, dass der Park nach der Winterpause zu Ostern wieder eröffnet.

So sieht der Pferdepark Oberland aus: Ein Rundgang

„Aus Sicht der Bauverwaltung bestehen Bedenken“, betonte ein Rathausmitarbeiter. Das Bauvorhaben sei nur zulässig, wenn es dem landwirtschaftlichen Pferdebetrieb diene, genehmigt sind Gestüt, Pferdepension und Zucht. Es sei aber fraglich, ob die Maßnahmen diesem Zweck zugutekommen. Zudem rechne man mit einem höheren Verkehrsaufkommen.

Christoph Schmid (CSU) warf Kaiser „Salamitaktik“ vor. „Ein Fallkissen hat nichts mit landwirtschaftlicher Nutzung zu tun“, sagte er. „Was da entsteht, ist ein Vergnügungspark.“ Genau wie Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG) forderte Schmid eine Veränderungssperre, bis die Gemeinde dort einen ordnenden Bebauungsplan aufstellen kann. „Dann hätten wir den Daumen drauf“, meinte Buntz-Jennerwein. Und: „Aus dem Ruder ist das schon öfters gelaufen.“ Martina Neldel (Grüne) sah das ähnlich. „Ich möchte niemandem schaden. Aber ich möchte auch nicht jedes Mal verschaukelt werden.“ Auch Hans Putzer (SPD) beschlich der Verdacht, dass die Maßnahmen einem anderen Zweck als dem Pferdebetrieb dienen. Die Notwendigkeit von 28 Parkplätzen kam ihm „an den Haaren herbeigezogen“ vor. Birgit Eibl (FWG) wollte wissen, wozu Kaiser die überhaupt brauche. Laut dem Mitarbeiter gab der Betreiber auch Sicherheitsgründe für Zufahrt und Parkplatz an.

Egon Kaiser war am gestrigen Mittwoch nicht zu erreichen. Sein Vater Alfons Kaiser meint: „Jeder Reiterhof hat einen großen Parkplatz.“ Die Auflagen seien „alle erledigt“, behauptet er. Meinrad Bacher (CSU) aber hatte da anderes gehört, wie er in der Sitzung bemerkte.

Laut Kaiser sind die jetzt beantragten Maßnahmen „mit dem Landratsamt abgesprochen“. Das Landratsamt kann Nemitz zufolge erst eine belastbare Aussage liefern, wenn ihm Antrag und Stellungnahme der Gemeinde vorliegen. Aber: „Im Staatlichen Bauamt ist von einer solchen Absprache nichts bekannt.“ Er betont: „Weder mit der Marktgemeinde noch mit dem Landratsamt sind hier Absprachen getroffen worden, die die Errichtung eines Freizeitparkes vorsehen.“

Am Ende beschloss der Bauausschuss einstimmig, das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern. Jetzt wollen die Mitglieder die Stellungnahmen von Landratsamt und Landwirtschaftsamt abwarten.

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