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Schutzstreifen: Eine Radlspur wie hier in Berg will die Gemeinde in der Industriestraße markieren. 

Pilotprojekt in Holzkirchen

Radler bekommen eigene Fahrspur

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In der Industriestraße will die Marktgemeinde ein neues Mobilitäts-Zeitalter einläuten.  Radler bekommen eine eigene Spur, Autos müssen (ein wenig) Platz räumen. 

Holzkirchen – Mehr Radl, weniger Auto: Diesen grundsätzlichen Fahrplan gibt das aktuelle Mobilitäts-Konzept vor, das die Marktgemeinde Holzkirchen von Experten erarbeiten ließ. Unter anderem wird empfohlen, auf den Straßen „Radschutzstreifen“ aufzubringen, um Radler gegenüber motorisiertem Verkehr besser zu schützen – und sie als erwünschte Mobilität aufzuwerten. In der Industriestraße, die durchs Gewerbegebiet-Ost führt, will das Rathaus jetzt Farbe bekennen: Der Verkehrsausschuss des Gemeinderats beauftragte die Verwaltung, die technische Umsetzbarkeit eines solchen Schutzstreifens zu klären.

Wie Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD) auf Anfrage erklärte, soll der Streifen vom Kreisverkehr am Grünen Zentrum ostwärts ins Gewerbegebiet leiten. „Es kamen Firmen auf die Gemeinde zu, die darum gebeten haben, den Arbeitsweg ihrer Radler sicherer zu gestalten“, sagt Dasch. Zudem gebe es ja die Vorgabe des Mobilitätskonzepts, den Radlern mehr Platz auf Straßen einzuräumen. Der Runde Tisch Rad, ein im Auftrag der Gemeinde regelmäßig tagender Expertenkreis, empfiehlt die Maßnahme ebenfalls.

„Die Industriestraße ist unsere Straße“, betont Dasch, „da können wir tätig werden, ohne das wir jemand anderen fragen müssen.“ Wenn es die Straßenbreite technisch hergebe, spreche wenig gegen die Radlstreifen. Die Breite reiche wunderbar, sagt Hartmut Romanski, der Fahrradbeauftragte der Marktgemeinde. Von den sieben Metern werden jeweils 1,25 Meter abgezwackt, es verbleibt eine „Kernfahrbahn“ von 4,50 Meter. „Wir könnten also sogar auf jeder Seite einen solchen Schutzstreifen für Radler bekommen“.

Diese Schutzstreifen sind – anders als „Radfahrstreifen“ – nur mit einer gestrichelten Linie abgemarkt. Autos und Lkw dürfen diese Radspur befahren, wenn kein Radler des Wegs ist. Geht es nach Romanski, könnte der Streifen von der Industriestraße sogar weiter in den Gewerbering führen und erst am Ratschiller-Kreisel enden. Großartige Kosten werde die Radspur nicht verursachen, glaubt die Zweite Bürgermeisterin: „An der Finanzierung sollte es jedenfalls nicht scheitern.“

Was jetzt im Gewerbegebiet angedacht ist, soll möglichst bald auch auf der viel stärker genutzten Ortsdurchfahrt auf der Münchner Straße gelten. „Dort sind wir aber leider nicht Herr des Geschehens“, sagt Dasch. Die Gemeinde versuche, sich mit dem Straßenbauamt Rosenheim abzusprechen, um auch dort auf der Staatsstraße Radschutzstreifen realisieren zu können. Das wünscht sich Romanski schon seit Jahren. „Bis in die Staatsregierung bin ich damit schon vorstellig geworden.“ Die Hartnäckigkeit scheint sich auszuzahlen. Die Skepsis der Behörden gegen solche Radschutzstreifen auf übergeordneten Straßen, sie bröckelt. „Man will jetzt genaue Pläne haben, wie das aussehen könnte – immerhin ein Anfang.“

Die Breite der Münchner Straße gibt laut Romanski nur die Ausweisung einer einseitigen Radspur her – vorzugsweise ortseinwärts, da sich bergauf in Richtung Oskar-von-Miller-Platz das Tempo von Radlern und Autofahrern stärker unterscheide als bergab. In der anderen Richtung könnte der Hochgehweg als kombinierter Fahr- und Fußweg fungieren. Auf anderen, nicht minder stark befahrenen Ortsdurchfahrten (Tölzer Straße, Tegernseer Straße) dürfen Radler kaum auf Schutzstreifen hoffen. „Leider reicht dort der Platz nicht einmal für eine einseitige Markierung“, sagt Romanski.

Ein Radschutzstreifen in der Industriestraße wäre der erste seiner Art im Landkreis Miesbach. In Holzkirchen gibt es bisher nur eine Fahrradspur im Einbahnstraßenbereich der Frühlingstraße sowie eine markierte Aufstellfläche für Radler an der Marktplatzkreuzung.

Romanski weiß, dass Schutzstreifen auch kritisch gesehen werden. Ein Vorwurf: Sie gaukeln trügerische Sicherheit vor. Romanski hält diese Bedenken für unbegründet. „Es gibt Studien in anderen Bundesländern, die zeigen, dass Schutzstreifen wunderbar funktionieren.“ Nicht nur, dass sich der Verkehrsfluss beruhige. „Die Erfahrung zeigt, dass sich das Miteinander auf der Straße verbessert“, berichtet Romanski, „der Radler hat seinen Raum bekommen – und die Autofahrer akzeptieren das.“

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