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Außen hui, innen Pfui: Bei einem Ortstermin machten sich Hans Kellner (l.) vom Bauamt und die Sufferloher (ab 3.v.l.) Ute Broß, Kathi Seidl und Kasper Bichler ein Bild vom Zustand der Kapelle auf dem Frauenbergl. Zu sehen bekamen sie Algen an der Wand und Bohrlöcher. „Jetzt muss sie saniert werden“, sagt Bichler.

Außen hui, innen pfui

Politur fürs Schmuckstück: Kapelle bei Sufferloh wird endlich saniert

  • Florian Prommer
    vonFlorian Prommer
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Grüne Algen an den Wänden, bröckeliger Putz: Die Kapelle auf dem Frauenbergl leidet unter hoher Raumfeuchte. Dem Verfall soll endlich ein Ende bereitet werden. Ein Spezial-Putz soll’s richten.

Sufferloh – Die Kapelle auf dem Frauenbergl bei Sufferloh ist ein echtes Schmuckstück. Ein Kraftort mit langer Tradition, der einen atemberaubendem Ausblick bietet. Doch die Schönheit des kleinen Barockbaus, sie verblasst. Seit über zehn Jahren quält die Kapelle eine enorm hohe Raumfeuchtigkeit. Ein Problem, das sichtbare Spuren hinterlässt. Grüne Algen kleben an den Wänden, befallen den Putz an jenen Stellen, an denen er abgebröckelt ist. Beten kann hier keiner mehr. Nicht zuletzt, weil Bänke und Altarrentabel ausgeräumt wurden – zum Schutz vor Schimmel.

Unten in Sufferloh, dem 200 Einwohner zählenden Ortsteil von Holzkirchen, sind sie stolz auf ihre schmucke Kapelle. Deren schleichenden Verfall verfolgen sie mit Sorge. „Das ist einer der schönsten Orte in der Gemeinde“, sagt Kaspar Bichler, als er vor der Kapelle steht. Eigentlich, merkt Peter Broß an, der am Fuß des Frauenbergls wohnt. Er sagt: „In seiner jetzigen Form ist es eine Schande für Holzkirchen.“

Nachdem ein Gutachten des Fraunhofer-Instituts aufgezeigt hatte, dass die hohe Raumfeuchte vom Schlagregen verursacht wird, hat der Bauhof im Juli einen hölzernen Wetterschutz im Westen angebracht.

Die Dorfgemeinschaft, allen voran Bichler, steht daher in regem Kontakt mit der Marktgemeinde. Im Rathaus weiß man um den bedauerlichen Zustand der Kapelle. „Wir sind seit längerer Zeit dabei, die Renovierung nach ersten Misserfolgen erfolgreich voranzutreiben“, sagte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) bereits bei der Bürgerversammlung im März. Dieses Bestreben nahm jetzt Fahrt auf.

Eine Sanierung der denkmalgeschützten Kapelle rückt nun näher, erklärt Hans Kellner, Leiter des Bauamts Technik im Rathaus, auf Anfrage. In Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt habe man ein Renovierungskonzept erarbeitet, nachdem nun zweifelsfrei feststeht, woher Schimmel und Algen stammen. Bislang, erklärt Kellner, glaubte man, dass die hohe Raumfeuchte und folglich der Befall durch aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden verursacht werden.

Letzte Sanierung 2007 brachte keinen Erfolg

Ein Trugschluss, dem auch geschuldet ist, dass die letzte Sanierung im Jahr 2007 keinen nachhaltigen Erfolg hatte. Damals war das Fundament der Kapelle freigelegt und eine denkmalgerechte Lehmabdichtung angebracht worden. „Das hat offensichtlich nichts gebracht“, sagt Kellner und bricht ohne große Mühe ein Stück algenbewachsenen Putz aus der Wand. Den damals angebrachten Putz habe die Feuchtigkeit teils ausgehöhlt, an der Außenwand klafft sogar ein fenstergroßes Putz-Loch.

Voriges Jahr beauftragte die Marktgemeinde daher das Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Die Wissenschaftler untersuchten die Feuchte des Mauerwerks. Bohrungen ergaben, dass nicht aufsteigende Nässe die Raumfeuchtigkeit verursacht, sondern Schlagregen auf der Wetterseite.

Diese Erkenntnis schlägt sich wiederum im neuen Sanierungskonzept nieder. Der Plan: Der Putz an den Innen- und Außenwänden wird stellenweise abgeschlagen und durch einen Spezial-Putz ersetzt, den eine Firma extra anrührt. Er soll das Wasser aus den Wänden halten. „Dieser Putz nimmt weniger Feuchtigkeit auf“, erklärt Kellner, der indes nicht davon ausgeht, dass das darunterliegende Mauerwerk aus Feld-, Bach- und Ziegelsteinen in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Kreisbaumeister gibt sein Okay

Den Vorschlag hat die Untere Denkmalschutzbehörde so auch an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege weitergeleitet. Zwar liege seitens des Landesamtes noch keine Rückmeldung vor, erklärt Kellner, jedoch habe Kreisbaumeister Werner Pawlovsky vorige Woche mündlich sein Okay für die Sanierung gegeben. „Wir klären noch, ob wir es selber machen, also der Bauhof, oder ob wir die Renovierungsarbeiten ausschreiben müssen“, sagt Kellner.

Die frohe Botschaft nahmen die Sufferloher beim Ortstermin durchaus freudig, wenn auch etwas verhalten auf. „Wir sind gebrannte Kinder“, sagt Bichler. Für das Engagement des Rathauses ist er dennoch voll des Lobes: „Wir merken, dass das Thema in der Verwaltung ernstgenommen wird und die Politik dahinter steht.“ Im Haushalt für 2018 sind bereits knapp 40 000 Euro für die Kapellen-Renovierung eingestellt.

Wann die Kapelle wieder in altem Glanz erstrahlt, konnte Kellner nicht versprechen. Bis dort, so wie früher, wieder ein Rosenkranz gebetet wird, bleibt das Inventar – Bänke, Altar und Marienstatue – eingelagert. Die Gemeinde hatte es vor Jahren ausgeräumt und restaurieren lassen. Es wartet geduldig darauf, das Schmuckstück auf dem Frauenbergl wieder ausschmücken zu können. Sobald die Schönheitsmakel ausgemerzt sind.

fp

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