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Filetstück: Auf dem alten Postbräuareal (Mitte) sowie südlich davon auf Gemeindegrund sollen unter anderem Mehrfamilienhäuser entstehen. Eine Querverbindung zwischen Thanner und äußerer Tegernseer Straße kommt nicht.

Heftige Diskussion im Gemeinderat

Postbräuareal: Dünne Mehrheit für Bebauung

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Holzkirchen - Die Bebauung des Postbräuareals in Holzkirchen sorgte jetzt für heftige Diskussionen im Gemeinderat. Am Ende stimmte nur eine dünne Mehrheit dafür. 

Es sind zentrale Grundstücke, an deren Gestaltung die Gemeinde seit Jahren feilt. An der Industriebrache zwischen Thanner Straße und innerer Tegernseer Straße ist Großes geplant: Die alten Brauereigebäude und der Moserhof sollen für drei Mehrfamilienhäuser weichen. Außerdem will die Gemeinde auf eigenem Grund südlich davon fünf Mehrfamilienhäuser schaffen. Allerdings erst, wenn die Auslagerung des Eisstadions geklärt ist. Parkplätze verschwinden zu großen Teilen in Tiefgaragen.

Um die Bebauung des Postbräuareals in Holzkirchen, genauer gesagt um die vierte Änderung des Bebauungsplans Nummer 40, drehte es sich jetzt in der Gemeinderatssitzung. Im Norden wird ein Mischgebiet ausgewiesen, im Süden ein allgemeines Wohngebiet. Dieses Mal ging es um die Ergebnisse der erneuten öffentlichen Auslegung samt Behördenbeteiligung. Stellungnahmen waren nur noch zu veränderten Punkten möglich. 

„Von den Behörden kamen eher allgemeine Hinweise“, berichtete eine Mitarbeiterin aus dem Bauamt. Relevante Einwände brachte ein Rechtsanwalt vor, der Bürger vertrat. Er bat darum, die Hotelerweiterung der Alten Post ebenfalls in den Bebauungsplan 40 einzubeziehen. Dafür machte sich auch Sepp Sappl senior (CSU) stark. „Das wäre eine Planungssicherheit für die Familie“, sagte er. „Aus Sicht der Gemeinde besteht aber kein Handlungsbedarf“, erklärte die Mitarbeiterin. Immerhin bestehe hier schon Baurecht. 

Außerdem beanstandete der Anwalt die kurzen Abstände. Die Gemeinde argumentierte mit der verdichteten Bebauung in der Umgebung. Ferner befürchtet der Anwalt zu wenig Parkplätze sowie eine Einschränkung der Gewerbebetriebe durch die künftige Wohnbebauung. Laut der Bauamtsmitarbeiterin jedoch ist der Lärmschutz durch entsprechende Maßnahmen gesichert.

Dann kam das Gremium zu Wort. „Seit mindestens 14 Jahren tun wir da rum“, meinte Hans Putzer (SPD). Aus seiner Sicht ist mit der Bebauung eine Chance vertan, eine „Sichtachse“ zum Kogl zu schaffen. Es handle sich um eine „gewöhnliche Alltagsplanung“ sowie um eine sehr dichte Bebauung. Das schädige das Ortsbild, die Verkehrsbelastung steige. Putzer sah sogar einen Widerspruch zum Mobilitätskonzept und befürchtet Konflikte in Sachen Eisstadion. „Ich stimme heute nicht zu.“ 

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) entdeckte keinen Widerspruch zum Mobilitätskonzept. „Sonst hieße das ja keine neuen Wohnungen mehr im Zentrum.“ Die Planung gefährde das Eisstadion nicht. Denn die Gemeinde realisiere ihre Häuser erst dann, wenn ein Alternativstandort gesichert sei. Birgit Eibl (FWG) sprach von einer „Fehlplanung“. Sie befürchtet ebenfalls ein Verkehrschaos. „Die Erschließung müsste von der rückwärtigen Seite her erfolgen“, forderte sie. 

Wie berichtet, kann es lediglich einen Durchstich zwischen Thanner und innerer Tegernseer Straße über die Daisenbergerstraße für Radler und Fußgänger geben. Die Querverbindung zur äußeren Tegernseer Straße (beim Rewe) jedoch scheitert, weil ein Grundeigentümer nicht mitspielt. Hubert Müller (FWG) hielt eine Erschließung über die äußere Tegernseer Straße für unerlässlich. Dass man diese nicht durchsetzen konnte, bezeichnete Sappl als Schwäche der Gemeinde. Herbert Gegenfurtner (CSU) meinte: „Dass massiv bebaut wird, ist okay.“ Dass keine Verbindung geschaffen wird, mache ihn traurig.

Robert Wiechmann (Grüne), Christoph Schmid (CSU) und Elisabeth Dasch (SPD) erinnerten daran, dass der Grundsatz der Bebauung nicht mehr zur Debatte stehe. „Wir reden über ein brachliegendes, zentrales Grundstück“, sagte Schmid. Die Verbindung wäre ohnehin keine Lösung des Verkehrsproblems. „Ich freue mich, wenn aus der Industriebrache zentrale Wohnungen entstehen“, sagte Dasch. In den Augen von Karl Bär (Grüne) sorgt das Baugebiet für weniger Verkehr als Neubaugebiete auf der grünen Wiese, weil es besser mit dem Rad erreichbar ist. Löwis sagte: „Ich hatte auch große Probleme und Bauchweh. Jetzt überzeugt mich der Blick in die Zukunft.“ Der Satzungsbeschluss fiel knapp aus – 13 stimmten dafür, elf dagegen.

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