Barbara Hahn feiert am Samstag ihren 90. Geburtstag.

„Täglich liest sie Zeitung“

Prägende Stimme der Landwirtschaft: Ex-Kreisbäuerin Barbara Hahn wird 90

  • Andreas Höger
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Das Gehen fällt schwer. Doch bei landwirtschaftlichen Themen ist Barbara „Betty“ Hahn auch mit 90 Jahren noch auf der Höhe der Zeit. So wie seit fast sechs Jahrzehnten.

Holzkirchen – Das Gehen fällt schwer. Doch was landwirtschaftliche Themen anbelangt, seien es fachliche oder politische Entwicklungen, ist sie auf der Höhe der Zeit, so wie seit fast 60 Jahren. Barbara „Betty“ Hahn, die 30 Jahre lang (1962 bis 1992) als Kreisbäuerin wirkte und 15 Jahre (1982 bis 1997) als Bezirksbäuerin ganz Oberbayern vertrat, feiert an diesem Samstag zu Hause in Inselkam (Markt Holzkirchen) ihren 90. Geburtstag.

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Prägende Stimme der Landwirtschaft: Ex-Kreisbäuerin Barbara Hahn wird 90

Die Energie, mit der Betty Hahn unermüdlich die Sache der Landwirtschaft vertrat, nötigt der amtierenden Kreisbäuerin Marlene Hupfauer großen Respekt ab. „Dass Betty so lange Verantwortung übernommen hat, das heißt was.“ Neben ihren vielfältigen Ämtern in landwirtschaftlichen Gremien saß Hahn 18 Jahre – für die CSU – auch im Kreistag. Angetreten auf einem hinteren Listenplatz, hatte die Bevölkerung sie nach vorne gewählt.

Als junges Mädchen wäre die gebürtige Föchingerin lieber Lehrerin geworden, bekannte sie einmal in einem Interview, „doch der Vater brauchte mich auf dem Hof“. Gerade einmal 22 Jahre alt, heiratete sie in den Inselkamer-Hof ein. Zehn Jahre später – sie hatte den Meisterbrief in ländlicher Hauswirtschaft frisch in der Tasche – begann die 30-jährige Karriere als Kreisbäuerin. Im eigenen Milchviehbetrieb, den sie mit Ehemann Kaspar leitete, bildete Barbara Hahn regelmäßig Lehrlinge aus. „Ihr war wichtig, dass auch junge Bäuerinnen eine fundierte Ausbildung bekommen“, sagt Hupfauer. Bis sie 76 Jahre alt war, stand Hahn täglich im Stall. „Später hat sie ausgeholfen, so lange es ging“, berichtet Tochter Renate. Drei Kinder zog die Unermüdliche auf – und musste zwei Schicksalsschläge wegstecken: Vor 24 Jahren starb Ehemann Kaspar, vor zwei Jahren ihr Sohn, der Hoferbe.

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Sechs Enkel und mittlerweile ein Urenkel schauen regelmäßig vorbei. „Täglich liest sie Zeitung und Fachzeitschriften“, sagt Tochter Renate, „da macht ihr keiner was vor.“ Coronabedingt wird der runde Geburtstag in kleinstem Familienkreis gefeiert.

Betty Hahn hat die Technisierung der Landwirtschaft in den 60er und 70er Jahren selbst erlebt und gefördert. Zu ihrem Leidwesen konnte der Strukturwandel nicht verhindern, dass zu viele Landwirte aufgaben. Auch wenn sich das bäuerliche Milieu wandelte, sieht sie die Landwirte noch immer als Träger der Traditionen und heimatlicher Werte. „Hier im Oberland hat das eine große Bedeutung und ist ein Stück Bayern. Das ist mir heilig.“

In Anerkennung ihres Engagements für den Bauernstand erhielt Betty Hahn das Bundesverdienstkreuz am Bande, den Bayerischen Verdienstorden und die Europamedaille. Familie, Hof, Lehrtätigkeit und Ehrenämter – alles unter einen Hut zu bekommen, sei „nur“ eine Frage der Organisation, sagte sie anlässlich ihres 75. Geburtstags. Und das schönste Kompliment an sich selber schob sie nach: „Ich würde kaum etwas anders machen.“

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