Ihre Konzepte stellten die Finalisten des Schulpreises – darunter Schulleiter Axel Kisters (r.) für das Gymnasium Holzkirchen – in einer Diskussionsrunde vor.
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Ihre Konzepte stellten die Finalisten des Schulpreises – darunter Schulleiter Axel Kisters (r.) für das Gymnasium Holzkirchen – in einer Diskussionsrunde vor.

Diskussion mit staatlichem Gymnasium Holzkirchen und Bildungswissenschaftler

Präsentation zum Deutschen Schulpreis: „Wir brauchen eigenständig denkende Leute“

  • vonHeidi Siefert
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Lernen ohne Lehrer? Das geht, und der Lehrer wird deshalb nicht arbeitslos - da ist sich die Schulleitung am staatlichen Gymnasium Holzkirchen sicher. In einer Präsentation zur Finalrunde um den Deutschen Schulpreis erklärte sie jetzt, wie‘s geht.

Holzkirchen – LoL. Die einen denken dabei an das in den 1980er-Jahren erstmals aufgekommene und zuletzt in die Jugendsprache gewanderte laute Auflachen „Laughing Out Loud“. Die anderen kürzen damit das Computerspiel „League of Legends“ ab. Wenn Teenager am staatlichen Gymnasium Holzkirchen davon sprechen, hat es zumeist eine andere Bedeutung: „Lernen ohne Lehrer“.

Das ist eine der Besonderheiten des innovativen Konzeptes, mit dem die junge Schule die Jury für den „Deutschen Schulpreis“ überzeugte. Was es damit auf sich hat, erläuterte ein Trio der Schulleitung, bestehend aus Direktor Axel Kisters, seinem Stellvertreter Andreas Lauer und Christiane Heiland, nun bei einer digitalen Themenwoche, zu der das Deutsche Schulportal im Vorfeld der im Mai stattfindenden Prämierung der Sieger eingeladen hatte.

Rund 200 Interessierte erlebten in intensiv diskutierten Impulsvorträgen, wie die drei Finalisten selbstorganisiertes Lernen grundsätzlich als wesentliche Säule ihres pädagogischen Ansatzes sehen und damit die besondere Situation des Distanzunterrichts gelassener meistern können als manch andere.

Vor lauter Digitalisierung Selbstorganisation unterschätzt

Vor lauter Digitalisierungsdebatten sei in den vergangenen Jahren das Thema Selbstorganisation unterschätzt worden, war der Tenor der Debatte, bei der neben Holzkirchen die Gesamtschulen Münster-Mitte und Alemannenschule Wutöschingen ihre Konzepte erläuterten. Dabei schaffe Digitalisierung allein „ja noch keine Bildung, man braucht ein pädagogisches und lernpsychologisches Konzept“, betonte Professor Klaus Konrad vom Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. „Und da bieten die Ansätze des selbstorganisierten Lernens ganz klare Vorteile.“

Der Bildungsforscher betonte, wie wichtig es sei, dass die Schulen den Geist von Eigenständigkeit und Improvisation behielten und weiter neue Wege gingen. Er verwies auf das „Flipped-Classroom“-Modell, bei dem sich Schüler die Grundlagen des Stoffs durch eigene Recherche erarbeiten, um sie im nächsten Schritt mit pädagogischer Unterstützung entsprechend einzuordnen. Konrad betonte: „Pauken ohne Verstehen – das ist nicht das, was die Gesellschaft braucht. Wir brauchen eigenständig denkende Leute.“

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Eine Fähigkeit, die man am Gymnasium Holzkirchen von Anfang an zu fördern sucht. Unter anderem mit Konzepten, die bereits in der 5. Klasse dosiert dazu anleiten, sich Themen zu erarbeiten und selbstreflektiert die eigenen Arbeiten zu bewerten. Mit zunehmendem Alter hätten die Schüler darin so viel Routine, dass im Zweifel auch Lernen ohne Lehrer gut funktioniere. Dann nämlich, wenn Lehrkräfte im regulären Unterricht ausfielen, wie Lauer erläuterte. Ob das klappt? Die Resultate des ersten Abiturjahrgangs des staatlichen Gymnasiums Holzkirchen im Corona-Frühling 2020 hätten das eindrücklich unterstrichen, so Kisters.

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