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Echte Leidenschaft? Lord Selsbury wird von seiner Familie heftig umgarnt. Das Ensemble des Holzkirchner Komödchens bietet in seiner neuen Inszenierung 90 Minuten Hochspannung.

Premiere im Fools 

Jeder kann der Schurke sein

Die Spannung hielt lange: Mit einem Edgar-Wallace-Klassiker fesselte das Holzkirchner Komödchen sein Premieren-Publikum im Fools-Theater.  

Holzkirchen – Wer ist der Bösewicht? Es hätte jeder sein können. Der Butler, das Hausmädchen, der Fensterputzer, der Detektiv, der Bruder. So viel sei vorab verraten: Bis zum Schluss bleibt es spannend im aktuellen Stück des Holzkirchner Komödchens. „Der Doppelgänger“ ist ein Klassiker des Krimi-Großmeisters Edgar Wallace aus dem Jahr 1934, den Regisseurin Lydia Starkulla gekonnt auf die Bühne des Fools-Theaters bringt. Die Premiere war ausverkauft, das rund 110-köpfige Publikum zeigte seine Begeisterung in einem tosenden Schlussapplaus.

Die Story scheint altbekannt. Ein Schurke sucht sich einen reichen Herren aus, wartet, bis dieser das Haus verlässt, und erleichtert diesen um sein Vermögen. Doch im Falle des Lord Selsbury geht der Plan nicht auf. Es kommt zu immer neuen Verwechslungen. Der Zuschauer rätselt bis zum dritten Akt, wer der Schurke sein könnte. Beinahe jeder der zehn Figuren ist verdächtig, man kann keinem über den Weg trauen.

In der Hauptrolle ist Jochen Geipel als Lord Selsbury zu sehen. Er mimt den schwächlichen und ratlosen Hausherren mit viel Spielfreude. Seine Geliebte, Heloise von Oyne (Beate Kraft), bezeichnet ihn als „Seeleneidechse“ und überzeugt mit wandlungsfähigem Spiel. Gerade noch gibt sie die leidenschaftliche Geliebte, ehe sie im nächsten Moment gefühl- und skrupellos erscheint. Macht sie das zu diesem rätselhaften Doppelgänger?

Selsburys Bruder Bobbie (Christian Portenlänger) präsentiert sich als tennisspielender Snob, der nur das Beste für seinen Bruder im Auge hat. Aber vielleicht will er ja auch nur an dessen Geldtresor, der mit 70 000 Dollar wohl gefüllt ist. Cousine Diana (Regina Deflorin-D’Souza) möchte sich den wohlhabenden Lord Selsbury unter den Nagel reißen, immerhin ist er ja eine richtig gute Partie. Sie spielt mitreißend und überzeugend. Auch bei ihr weiß der Zuschauer nicht, ob sie ein doppeltes Spiel spielt.

Mit viel Leidenschaft und kräftiger Stimme erscheint Urmel Saurle als Guiseppe Dempsi auf der Bühne. Er ist voll da, umgarnt Cousine Diana und verfolgt sein Ziel sehr konsequent. Was aber führt er im Schilde? Möchte er Diana ehelichen oder will er doch nur an den Tresor?Witzig ist das Spiel von Renate Grötsch. Sie schlüpft in die Rolle des Hausmädchens und lässt keine Gelegenheit aus, sich an die Herren im Hause heran zu manchen.

Die rund 90-minütige Komödie besticht vor allem durch die hohe Spannung. Die Zuschauer rätseln ab der ersten Szene, wer der Doppelgänger sein könnte.

Regisseurin Lydia Starkulla hat ein Händchen dafür, die Zuschauer in den Bann zu ziehen. Abgerundet wird das Stück von lustigen Musikeinlagen aus den legendären Wallace-Filmen der 60er Jahre und einem liebevollen Bühnenbild, das an die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts erinnern. Rundum eine gelungene Inszenierung des Holzkirchner Komödchens. Ein Klassiker, der absolut sehenswert ist.

Weitere Termine: Das Stück „Der Doppelgänger“ ist am 21., 22., 27., 29. und 30. April zu sehen sowie am 1., 6. und 7. Mai. Tickets unter www.kultur-im-oberbraeu.de.

Kathrin Suda

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