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Wo bleibt der Radweg? Hier westlich des Bahndamms soll die neue Direktverbindung von Otterfing nach Holzkirchen entstehen. 

Radweg durch den Teufelsgraben

Erst brauchen Reptilien ein  Ausweichquartier, dann darf gebaut werden

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Der Knoten ist noch nicht gelöst: Weil Ausgleichsmaßnahmen für den Artenschutz nach wie vor fraglich sind, hängt der Teufelsgraben-Radweg weiter in der Warteschleife. Ob der gemeindeübergreifende Weg 2019 gebaut wird? „Alles andere würde niemand mehr verstehen“, sagt Holzkirchens Bürgermeister.

Holzkirchen/Otterfing – Nur 3,5 Kilometer von Bahnhof zu Bahnhof, in direkter Linie ohne großes Auf und Ab: Seit über sechs Jahren ist der Bau eines Geh- und Radwegs parallel zur Bahntrasse im Gespräch – eine Verbindung, die Otterfing und Holzkirchen näher zusammenbringen und das Versprechen einlösen würde, endlich auch den nichtmotorisierten Verkehr mit neuer Infrastruktur zu fördern.

Die Nachbargemeinden Otterfing und Holzkirchen sind zwar entschlossen, das Gemeinschaftsprojekt anzupacken. Geld liegt bereit, Pläne sind fertig. Und doch steckt der Wurm drin. Oder besser: Zauneidechsen und Kreuzottern. Die „artenschutzrechtliche Prüfung“ zieht sich. Wo leben die geschützten Tiere? Welche Ausgleichsmaßnahmen sind nötig?

Die Antworten hängen irgendwo zwischen Rathaus, Landratsamt und dem Planungsbüro, das im Auftrag der Gemeinden die nötigen Informationen zur artenschutzrechtlichen Prüfung und zur Eingriffsregelung liefern soll.

Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis sieht alle Beteiligten in der Pflicht, 2019 endlich zu liefern. „Es muss alles getan werden, damit dieser Radweg nächstes Jahr endlich, endlich Gestalt annimmt.“ Voraussetzung ist, dass die Untere Naturschutzbehörde im Landkreis bei einem Termin Ende November grünes Licht gibt. „Wir hoffen, dass bis dahin eine fundierte Planung mit guten Flächen- und Maßnahmenvorschlägen vorliegt, um alle Maßnahmen abschließend festlegen zu können“, sagt Sophie Stadler, stellvertretende Pressesprecherin des Landratsamts.

Grundsätzlich gilt: Ein kommunaler Radweg ist genehmigungsfrei; eine artenschutzrechtliche Prüfung und eventuell damit verbundene Ausgleichsmaßnahmen schreibt der Gesetzgeber aber trotzdem vor. Das von den Gemeinden beauftragte Planungsbüro präsentierte im Frühjahr 2017 diesbezüglich einen Entwurf, der die Untere Naturschutzbehörde jedoch nicht zufriedenstellte. Stadler spricht von „erheblichen fachlichen und planerischen Mängeln“, vor allem fehle ein Hinweis auf eine tatsächlich umsetzbare ökologische Ausgleichsfläche.

Diese Ausgleichsflächen sind offenbar das Problem. Um weniger davon nachweisen zu müssen, wurde die Trasse im Teufelsgraben etwas umgeplant – ein paar entscheidende Meter weiter weg vom Bahndamm, wo sich die Kreuzottern und Eidechsen gerne tummeln. Dafür waren zusätzliche Grundstücke zu erwerben. „Wir tragen diese Trasse mit“, betont die Sprecherin der Kreisbehörde.

In Sachen Ausgleichsfläche bleibt die Untere Naturschutzbehörde aber hartnäckig. Der Bau des Radweges führe zu Lebensraumverlusten, Zerschneidungseffekten und erhöhten Tötungsrisiken der dort lebenden Kreuzottern und Eidechsen. „Aus unserer Sicht ist der Artenschutz vor Ort regelbar, wenn Ausgleichsflächen für Reptilien attraktiv gestaltet werden“, sagt Stadler. Auf Holzkirchner Seite sei so eine Fläche nicht zu finden, sagt Löwis. Derzeit werde geprüft, ob die Gemeinde Otterfing Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen kann.

Gelingt eine Vereinbarung, so hofft der Bürgermeister, dass die Arbeiten über den Winter ausgeschrieben werden können. 600 000 Euro Baukosten waren einmal veranschlagt. „Das wird nicht mehr reichen“, fürchtet Löwis. Es gelte, aus dem langwierigen Genehmigungsverfahren seine Lehren zu ziehen. „Alle Beteiligten sind beschädigt“, stellt Löwis fest. Bei künftigen Radweg-Projekten werde man den Naturschutz von Anfang an einbeziehen: „Solche enormen Zeitverluste können wir uns einfach nicht mehr leisten.“

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