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Neuer Anlauf: Nachdem der Naturschutz einhakte, suchen Holzkirchen und Otterfing jetzt nach einer neuen Trasse für die Teufelsgraben-Passage.

Zwischen Otterfing und Holzkirchen gesucht

Wegen Artenschutz: Teufelsgraben-Radweg kommt nicht voran

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Erst Eidechsen, dann Kreuzottern: Der Teufelsgraben-Radweg zwischen Holzkirchen und Otterfing steckt in der Sackgasse. Die Bürgermeister fragen sich: Muss das alles wirklich sein - für einen Radweg?

Holzkirchen/Otterfing Das Geld liegt längst bereit: Rund 600 000 Euro soll der 1,5 Kilometer lange Geh- und Radweg kosten, der neben dem Gleis, also ohne lästiges Auf und Ab, den Teufelsgraben überwindet. Otterfing und Holzkirchen wachsen damit emissionsfrei enger zusammen – sehr zur Freude von Pendlern, Schülern und Naherholern. Der Staat findet’s auch gut, sagte einen Zuschuss in Höhe von 220 000 Euro zu. Den Rest wollen sich die zwei Gemeinden teilen, die das Projekt gemeinsam planen.

Doch das Projekt stockt. Seit einem Jahr läuft eine artenschutzrechtliche Prüfung (wir berichteten). Und noch immer ist der Knoten nicht gelöst. Mittlerweile überlegt das Holzkirchner Bauamt, das den Radweg federführend projektiert, die Trasse im Bereich Teufelsgraben ein paar Meter nach Westen zu verlegen, etwas weiter weg vom Bahndamm. „Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) auf Anfrage.

Das Abrücken vom Bahndamm, so die Hoffnung der Gemeinde, könnte dazu beitragen, weniger strenge Naturschutz-Auflagen erfüllen zu müssen. Denn der brisante Mager-Standort, wo sich Zauneidechsen und möglicherweise gar Kreuzottern tummeln, liegt unmittelbar neben dem Schotterbett der Gleise. „Unter Umständen können wir vermeiden, allzu umfangreiche ökologische Ausgleichs-Maßnahmen finanzieren zu müssen“, sagt Löwis. Zudem könnte die Verlegung ein technisches Problem lösen. „Direkt neben dem Gleis liegen Kabel der Bahn vergraben“, sagt Löwis, „die würden wir gerne nicht antasten müssen.“

Das Projekt versucht also einen ganz neuen Anlauf, der aber auch scheitern kann. „Wir sind darauf angewiesen, dass wir den nötigen Grund kaufen können“, sagt Löwis, „leider gestalten sich die Verhandlungen mit den Grundeigentümern nicht so einfach.“ Hier hänge man derzeit. Glückt der Ankauf, folgt für die neue Trasse noch einmal eine artenschutzrechtliche Überprüfung. „Das dürfte aber schneller gehen“, hofft Löwis. Wann es weitergeht, traue sich derzeit niemand sagen. Mit Otterfings Rathauschef Jakob Eglseder (CSU) habe er aber eine festen Vorsatz gefasst. „Wir wollen diesen Weg noch heuer beradeln – dafür tun wir alles.“

Spruchreif schien das Projekt schon vor einem Jahr – bis sich die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zu Wort meldete. Ein seltener Magerwiesen-Standort, entstanden durch den Bahndamm, sei in Gefahr; die Experten vermuteten dort geschützte Arten wie Buschnelke und Kreuzotter. Die Folge: Ein artenschutzrechtliches Gutachten wurde in Auftrag gegeben, das 13 000 Euro und ein ganzes Jahr Zeit kostete. Die Biologen fanden Zauneidechsen, Kreuzottern tauchten nicht auf. Noch ist ein Abschlussbericht nicht möglich, weil unter Umständen ja eine neue Trasse relevant wird.

Naturschutz sei wichtig, sagt Löwis, „aber hier schießt er übers Ziel hinaus“. Man wolle hier ja keine Autobahn bauen, sondern einen 2,50 Meter breiten Radweg. „Für mich ist auch ein Stück Naturschutz, einen neuen Radweg anzubieten.“ Auch Eglseder sieht das Projekt selber als ökologisches Vorhaben. „Deswegen wundert es mich schon, dass man da solche Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt.“

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