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Mehr Platz für mehr Aufgaben: Das Rathaus soll an seiner Nordseite profilgleich verlängert werden und einen neuen Querbau bekommen. Um das weitere Vorgehen gab es im Gemeinderat ein zähes Ringen.

Anbaupläne in Holzkirchen

Rathaus-Erweiterung: Gemeinde geht vom Gas

Die Marktgemeinde drückt zwar nicht auf die Bremse, geht aber vom Gas: Die Rathaus-Erweiterung kommt bis zur Haushaltsberatung 2018 in die Warteschleife. Der Architekt stellte nun die Vorplanung vor.

Holzkirchen– Es hat gedauert, bis Architekt Christian Boiger nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vor knapp einem Jahr nun die Vorplanung vorstellen konnte – Grund war die EU-weite Ausschreibung der Planung, die die Gemeinde angesichts des Kostenvolumens durchführen musste. Das Holzkirchner Rathaus stößt an seine Kapazitätsgrenzen: Es fehlen Büros, Personalumkleide und ein Aufenthaltsraum, Fraktionsräume fehlen. „Wir wollen das aufholen und dazu eine Reserve für die nächsten zehn bis 20 Jahre schaffen“, erklärte Boiger. 

Vorgesehen sind gut 300 Quadratmeter zusätzliche Büro- und 500 Quadratmeter öffentliche Flächen. Geplant ist ein profilgleicher Verlängerungsbau an der Nordseite des Rathauses, der mit einem Querbau abschließt. Die Fläche Richtung JUZ bekomme dadurch Platzcharakter, die S-Kurve zur Marienstraße fällt weg. „Da brauchen wir noch eine Lösung“, erklärte Boiger. Der Rathaus-Ausbau solle erster Eckstein einer Umgestaltung am Herdergarten im Herzen der Marktgemeinde sein, dessen Potenzial bislang vor sich hin schlummert. Es zu wecken, ist ein zentraler Wunsch aus der Bürgerbeteiligung beim Ortsentwicklungskonzept. „Es soll ein Ensemble werden.“

Im Erdgeschoss des Anbaus sollen neben zwei Fraktions-Besprechungsräume entstehen. Im Querbau schließen sich ein Trauungssaal für bis zu 50 Personen und ein Raum an, den Boiger behelfsmäßig „Shop“ nennt – „ein abstrakter Begriff“, betonte er: Dort könnte ein Laden oder Gastronomie unterkommen, eine öffentliche Info-Stelle oder auch ein Großraumbüro. „Eigentlich ist das ein Bürgerhaus“, meinte Boiger. 

Im ersten Stock kommen Büros für 20, maximal bis zu 27 Arbeitsplätze unter. „Das sollte länger reichen“ – im zweiten Stock befinden sich im Verlängerungsbau nochmals Büros. Ein kreisrunder „Gelenkbau“ mit einem Vorraum dockt an den Querbau an, der in dieser Etage als Aufenthaltsraum für das Personal, für Betriebsversammlungen oder Ausstellungen dienen kann und bis maximal 100 Personen fasst. Deshalb ist ein zweiter Rettungsweg über eine Treppe erforderlich. Im Dachgeschoss kommen Archiv und ein Teil der Haustechnik unter. Letztere findet zudem im Keller Platz. Dieser wahre auch die Option, eine Tiefgarage anzuschließen. 

Die Kostenschätzung für diesen Entwurf liegt bei 6,6 Millionen Euro, davon 3,78 für das Bauwerk selbst und 1,22 für technische Anlagen. Würde die Gemeinde bei der Umsetzung Gas geben, wäre ein Bezug frühestens im Herbst 2020 möglich. 

So geht es weiter 

Während das Gremium die Vorplanung gegen die Stimme von Hans Putzer (SPD) ohne große Diskussion absegnete, gab es um das weitere Vorgehen ein zähes Ringen. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) selbst wollte den Fuß vom Gas nehmen. Denn als nächste Schritte stünden die konkrete Entwurfsplanung mit Kostenberechnung sowie die Genehmigungsplanung an. „Wenn wir das haben, müssen wir die Planung auch zeitnah umsetzen.“ Das Risiko, dass die Gemeinde den Ausbau vertagen und wegen veränderter Regularien Geld für eine Umplanung in die Hand nehmen muss, wollte der Rathauschef nicht eingehen. Als Rückzieher wollte Löwis das nicht verstanden wissen, sondern als Verschnaufpause: „Ich will das Thema dorthin verlegen, wo es hingehört: in die Haushaltsdebatte.“ Die Erweiterung sei ein wichtiges Projekt.

Josef Sappl sen. (CSU) stellte das 6,6 Millionen Euro schwere Projekt derweil grundsätzlich infrage und verwies auf die Läden im Brunnenhof hinter dem Oberbräu. Die Verwaltung aufzusplitten, sei auch keine Dauerlösung, betonte der Bürgermeister. „Auch wir müssen sparen. Wir sind aber in der Lage, gleichzeitig mehrere Projekte zu stemmen.“ Den Ausbau in zwei Schritten umzusetzen, wie Hubert Müller (FWG) nachfragte, davon riet der Architekt ab: Das sei zwar technisch möglich, aber mit erheblichen Mehrkosten verbunden, weil etwa die Baustelleneinrichtung zweimal zu Buche schlage.

Dritter Bürgermeister Robert Wiechmann (Grüne) warnte davor, den Ausbau auf die lange Bank zu schieben. Gerade angesichts der anstehenden Großprojekte müsse man das Schiff seetauglich machen. Ins selbe Horn stieß Zweite Bürgermeisterin und SPD-Fraktionssprecherin Elisabeth Dasch. „Wir werden uns sonst irgendwann nicht nur die Frage stellen müssen, ob wir Projekte finanzieren können, sondern auch, ob wir das Personal dafür haben.“ Und das brauche auch Arbeitsplätze. Dem stimmte CSU-Sprecher Christoph Schmid zu: „Ein funktionierendes Gemeinwesen hängt auch von einem funktionierenden Rahmen ab.“ Nichtsdestotrotz seien „zwei Pflichtaufgaben reingegrätscht“. Mit einem halben Jahr Unterbrechung, erklärte Boiger, wäre auch nicht viel verloren.

Birgit Eibl (FWG) drängte darauf, die weiteren Schritte nach der Haushaltsdebatte nicht auf den Bürgermeister zu übertragen, sondern abermals den Gemeinderat einzubinden. Das Gremium segnete dieses Vorgehen mit 19:6 Stimmen ab.

Katrin Hager

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