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Ein loser Entwurf: Das Holzkirchner Rathaus (Mitte) soll Richtung Norden verlängert und mit einem Querbau  erweitert werden. Zudem will die Gemeinde den Herdergarten schöner gestalten.

Gemeinderat 

Das Rathaus soll wachsen

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Holzkirchen - Das Holzkirchner Rathaus soll wachsen. Der Gemeinderat segnete nun die Grundlagenermittlung ab – allerdings mit Gegenstimmen. 

Das Holzkirchner Rathaus platzt aus allen Nähten. Laut Geschäftsleiter Robert Haunschild wachsen die Aufgaben der Verwaltung. „Die Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze“, sagt er. Man müsse personell nachsteuern. Momentan fehlen zwölf Büros, zwei Fraktions- beziehungsweise Besprechungszimmer, ein richtiges Trauungszimmer sowie ein Aufenthaltsraum für Personal. Besprechungen und Eheschließungen finden im Sitzungssaal statt. „Das ist ein ewiges Hin- und Her-Geräume und sehr unpersönlich.“ Einiges lagerte die Gemeinde im Arbeitsamt aus. „Deshalb brauchen wir den Anbau unbedingt.“

Der Rathausanbau ploppte bereits in der Vergangenheit auf (wir berichteten). Im Zuge der Vorplanungen hatten sich nun Änderungen ergeben. Deshalb musste der Gemeinderat jetzt in seiner Sitzung erneut einen Beschluss über eine geänderte Grundlagenermittlung fassen. Außerdem stellte er einen Bebauungsplan für ein Gebiet zwischen Marienstraße, Herdergarten und Rathaus auf.

Zu den Gründen für die neue Grundlagenermittlung gehört eine große Lüftungsanlage, die in den Keller muss, weshalb nun eine Unterkellerung des Anbaus ansteht. Zudem wuchs der Raumbedarf. Laut Haunschild möchte man einen Puffer schaffen, was bis zu 20 neue Büros bedeutet.

Davon abgesehen sehen die neuen Pläne einen multifunktionalen Bereich vor. Nach Ansicht von Ortsplanerin Manuela Skorka sollen Rathausumfeld und Herdergarten attraktiver und öffentlichkeitswirksamer werden. Zum Beispiel könnte der Raum als Senioren- oder Bürgertreff, Café oder Anlaufstelle für Touristen dienen. „Das ist ein erster Schritt zur künftigen Entwicklung des Herdergartens“, meinte Architekt Christian Boiger. Weg von der „Parkplatzwüste“. Wie berichtet, spielte die Gestaltung des Herdergartens beim Bürgergutachten eine große Rolle, Bürger wünschten sich einen Biergarten. Man wolle nicht nur Behördengebäude mit toten Fassaden, sondern eine Mischnutzung, meinte Boiger. Künftig werde das Ortszentrum sich in diesem Bereich – in Verbindung mit dem Marktplatz – bewegen.

Konkret würden durch die Erweiterung laut Boiger 6500 Kubikmeter umbaut. Das alte Rathaus wird um 15 Meter Richtung Norden und Herdergarten verlängert und schließt mit einem circa neun mal 25 Meter großen Querbau ab. Hinein kommen drei Etagen plus Keller. Die kleine Querstraße zwischen Rathaus und JUZ entfällt.

Über den Preis schwieg Boiger: „Ohne eine vernünftige Vorplanung ist keine belastbare Kostenschätzung möglich.“ Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) betonte: „Wir beschließen heute nicht über den Erweiterungsbau des Rathauses.“ Sondern über die Grundlagenermittlung. Danach könne Boiger die Kostenschätzung erstellen. Damit steige man dann in die Haushaltsberatungen ein.

Elisabeth Dasch (SPD) hatte damit kein Problem. Sie fand es gut, „städteplanerische Eckpunkte für die Entwicklung unseres Ortszentrums“ zu setzen. Ein Trauungssaal wäre wichtig. „Standesamtliche Trauungen ersetzen häufig die kirchliche.“ Kritisch äußerte sich Hans Putzer (SPD): „Scheinbar ist alles wunderbar.“ Die Planung sei gefällig, aber: „Geht das auch eine Nummer kleiner?“, fragte er. „Ich sehe mich nicht imstande, in dieser Größenordnung zuzustimmen.“ Erdal Karli (FWG) nickte: „Ich bin über die Größe der Gestaltung erschrocken.“ Er wünschte sich weitere Möglichkeiten. Immerhin gebe es andere Projekte, die die Gemeinde stemme. Ein „Bauchgrummeln“ bleibe, sagte Birgit Eibl (FWG). Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG) fragte: „Wo soll das Geld herkommen?“ Anfänglich seien 800 000 Euro im Raum gestanden, jetzt rechnet er persönlich mit gut acht Millionen. Laut Boiger wird diese Summe unterschritten. Die Frage sei, welchen Zeithorizont man im Blick habe. Er riet, Reserven zu schaffen. Christoph Schmid (CSU) meinte: „Der damalige Rathausbau kam allen total überdimensioniert vor.“ Jetzt sei er schon zu klein.

Am Ende hob der Gemeinderat mehrheitlich die Hand für die Grundlagenermittlung – die FWG-Fraktion und Putzer stimmten dagegen. Der Bebaungsplan wurde mehrheitlich aufgestellt.

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