Der Prozess wurde letztlich eingestellt.
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m Namen des Volkes: Wegen „Geldwäsche“ verurteilte das Gericht einen Helfershelfer der „Nigeria-Connection“ (Symbolbild).

Gericht verurteilt Helfershelfer der „Nigeria-Connection“

Rentnerin verliebt sich via Internet und verliert 150.000 Euro

  • vonRudi Stallein
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Die Liebe via Internet war nur vorgegaukelt: Eine Holzkirchnerin (73) verlor viel Geld, weil sie einer perfiden Masche der „Nigeria-Connection“ auf den Leim ging. Jetzt verurteilte das Gericht einen Helfershelfer.

Holzkirchen/Wolfratshausen – Die Masche ist immer die gleiche: „Liebe vorgaukeln, Vertrauen gewinnen, Ausnehmen“, so beschreibt ein Beamter der Kriminalpolizei die Arbeitsweise der sogenannten „Nigeria-Connection“. Dahinter verbirgt sich ein Betrugssystem, mit dem dreiste Kriminelle auf verschiedenste Weise – die Flirt-Bekanntschaften aus dem Internet sind nur ein Instrument von vielen – ihre Opfer aufs Kreuz legen.

Bei ihren Ermittlungen stieß die Kripo auf eine Rentnerin (73) aus Holzkirchen, die über einen längeren Zeitraum immer wieder größere Geldbeträge auf verschiedene Konten überwiesen hatte. Die vermeintliche „Finanzagentin“ erwies sich schnell als Opfer. Statt der Frau musste sich kürzlich ein Asylbewerber (35) aus einer Gemeinde im nördlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Er wurde wegen Geldwäsche in elf Fällen zu 7000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Angeklagter versichert, dass er über die Herkunft des Gelds nichts wusste

Auch auf die Bankkonten des Angeklagten hatte die Seniorin hohe Beträge überwiesen. Das Geld transferierte der 35-Jährige nach Nigeria weiter – insgesamt 13 800 Euro im Zeitraum zwischen Ende Oktober 2019 und Ende Januar 2020. Er habe jedoch keine Ahnung gehabt, worum es sich bei den Beträgen gehandelt habe, erklärte seine Verteidigerin.

Ihr Mandant habe im Glauben gehandelt, damit einem Landsmann einen Gefallen zu tun. Der habe ihm gesagt, das Geld sei etwa für Schulgebühren seiner Schwester. „Es war ein Gefallen, den man sich in seinem Kulturkreis macht. Wenn man um einen Gefallen gebeten wird, ist es schwer, abzulehnen“, sagte die Rechtsanwältin. Woher das Geld stammte, darüber habe der Angeklagte sich keine Gedanken gemacht.

In der Verhandlung lernte der Nigerianer ein Opfer dieser kriminellen Machenschaften kennen. Sie würde „am liebsten unter der Erde verschwinden“, sagte die Seniorin als Zeugin. „So peinlich“ sei ihr die ganze Sache, dass sie sich zwischenzeitig habe umbringen wollen. „Ich dachte, das kann doch nicht sein.“ Trotz ihres hohen Alters habe sie sich 2019 noch einmal verliebt, in einen Christopher aus London. Sie hatte ihn im Internet kennengelernt. Irgendwann erreichte sie die Nachricht, dass der Mann auf einer Australienreise einen Autounfall gehabt habe. Er bat sie, ihm Geld zu leihen. Sie schickte ihm die ersten 2000 Euro. Dass sie die auf ein fremdes Konto überweisen sollte, machte sich nicht stutzig.

Richter lässt Rechtfertigung des Angeklagten nicht gelten

Die nächste Überweisung ließ nicht lange auf sich warten. „Es sollte ihm ein Bein abgenommen werden, er lag immer zwischen Leben und Tod“, berichtete die Frau. Sie erkannte nicht oder wollte nicht erkennen, dass sie an einen skrupellosen Betrüger geraten war. „Wie geht das, dass man so blöd sein kann?“, fragte sie in den Raum. „Das kann man sich nicht vorstellen, wie weh das tut, wenn man so betrogen wird – in dem Alter.“ Ihren finanziellen Verlust bezifferte die Rentnerin mit circa 150 000 Euro – seelisch sei das kaum zu verkraften.

Die Aussage der Zeugin habe sie „nicht kaltgelassen“, sagte die Verteidigerin. „Ich war erschüttert.“ Sie machte aber auch deutlich: „Mein Mandant steht ganz am Ende dieser langen, langen Kette, er kriegt von den anderen nichts mit.“ Der Angeklagte beteuerte in seinem letzten Wort, dass er bei den Geldtransfers nur mitgemacht habe, „weil die Leute in Nigeria auch leiden“.

Dies griff Richter Helmut Berger gleich zu Beginn seiner Urteilsbegründung auf. „Kein Cent davon kommt den Menschen in Nigeria zugute“, betonte er. „Die Leute im Hintergrund füllen sich damit die Taschen, wo immer sie auch sitzen mögen.“ Berger verurteilte den 35-Jährigen zu 200 Tagessätzen zu je 35 Euro. Anders als der Staatsanwalt, der eine Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Bewährung beantragt hatte, wertete das Gericht die Sache nur als leichtfertige Geldwäsche, aus der der „Laufbursche“ selbst keinen Profit geschlagen habe.

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