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Mit Unterhaltungselektronik befassen sich die Experten des Repair-Cafés oft – hier untersuchen Hans Hackl (l.) und Herbert Köllner das defekte CD-Laufwerk einer Musikanlage.

Reparieren statt wegwerfen 

Repair-Café in Holzkirchen: Sie bringen Kaputtes wieder zum Laufen

Wegwerfen, neu kaufen? Es geht auch anders. Das beweisen die Ehrenamtlichen in Repair-Cafés. So wie die Tüftler in Holzkirchen.

Holzkirchen – In der Wegwerf-Gesellschaft ist der Begriff Nachhaltigkeit oft nur eine Worthülse. Dass es auch anders geht, beweisen die Ehrenamtlichen von Repair-Cafés. Vieles, was sonst auf dem Müll landet, bringen die Helfer mit ein paar Kniffen wieder zum Laufen. Ein Besuch bei den Tüftlern in Holzkirchen.

Es ist offensichtlich ein Erfolgsmodell: Mittlerweile zum 44. Mal öffnete das Repair-Café in der Holzkirchner Volkshochschule seine Pforten, so wie es auch eines in Weyarn gibt. Schon vieles, was scheinbar nicht mehr zu retten war, haben die ehrenamtlichen „Reparateure“ wieder in Gang gebracht. Zwar war der Andrang diesmal etwas geringer als bei manch früherem Termin, was wohl dem hochsommerlichen Wetter und der Ferienzeit geschuldet war. Es gab diesmal zwar keine Warteschlange, doch gut 15 Ratsuchende waren vor Ort.

Das Café hat viele Stammkunden. Wer mit einem reparaturbedürftigen Gegenstand in der Werkstatt im Erdgeschoss der Volkshochschule in Holzkirchen kommt, muss erst einmal ein Formular ausfüllen, anhand dessen er dann von Organisatorin Heike Wellisch dem jeweils zuständigen Experten zugewiesen wird. „Wir haben hier Mechaniker, Elektroniker, Radio- und Fernsehtechniker. Manche sind Spezialisten für Uhren, andere für Nähmaschinen oder Elektrogeräte“, erklärt sie. Sicher liegt es daran, dass die Erfolgsquote bei stolzen 75 Prozent liegt.

Seit vier Jahren besteht die ehrenamtliche Reparaturwerkstatt, über 550 Teile wurden seitdem gebracht. „Die Leute bringen besonders Haushaltsgeräte, wie alte Toaster oder Staubsauger“, sagt Wellisch. Auch Kaffeemaschinen oder ein Dörrgerät, dessen Temperaturregler defekt war. „Ein absoluter Klassiker ist die Unterhaltungselekronik: Musikanlagen oder der CD-Spieler, der nicht mehr geht, nur weil die Laser-Linse verdreckt ist und gereinigt werden muss.“

Aber auch Erinnerungsstücke, wie ein Puppentheater, das die Oma ihren Enkeln schenken wollte. Dafür mussten die Hobby-Bastler den gebrochenen Holzrahmen restaurieren.

Wegwerfen? Muss in den meisten Fällen im Repair-Café in Holzkirchen nicht sein

Manchmal geht der Ehrgeiz der Tüftler so weit, dass sie ein zeitaufwendigeres Stück schon mal mit nach Hause nehmen, um es sich ganz genau anzuschauen. „Wir wollen den Fachgeschäften keine Konkurrenz machen“, betont Wellisch. Aber dort werde die Reparatur häufig abgelehnt mit dem Argument, das lohne sich nicht mehr. Außerdem seien Reparaturen oft unverhältnismäßig teuer. „Uns ist der ökologische Aspekt sehr wichtig und auch die Hilfestellung für andere.“

Zum mittlerweile 15-köpfigen Team gehört auch Herbert Klüg. Der 82-Jährige ist ein begeisterter Bastler. „Wir können nicht den Originalzustand wiederherstellen“, sagt er. Aber die Sachen funktionieren wieder. Freilich gibt es auch Tücken durch den rasanten Fortschritt. „In den neueren Geräten ist oft so viel Elektonik, dass man ohne Bauplan aus dem Internet gar nicht weiß, wo man anfangen soll.“ Und die Hersteller beugen der Reparierbarkeit offenbar gezielt vor. Es wird immer schwieriger, ein Gehäuse überhaupt zu öffnen: „Das ist alles so verklebt oder mit Plastikhackerln fixiert, die ausreißen, wenn man aufmacht.“

An einem knallroten Radio schrauben Hans Hackl und Herbert Köllner, um sich auf Fehlersuche zu begeben. „Man freut sich halt, wenn die Leute sich freuen“, sagt Hackl: „Viele hängen an den Sachen oder haben nicht das Geld für was Neues.“ Sicher sei manchmal auch Frustration mit dabei, ergänzt Köllner, „aber der Spaßfaktor überwiegt ganz eindeutig“. Sicher auch einmal bei der Reparatur einer Munddusche. Die wurde so schnell wieder in Gang gesetzt, dass sich ihr Wasserstrahl quer über alle Anwesenden im Repair-Café verteilte.

Über eine Spende freuen sich die Ehrenamtlichen natürlich. Und das Geld kommt gleich wieder dem Projekt zugute: Davon wird neues Spezialwerkzeug angeschafft.

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Stefan Gernböck

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